Gründerzentrum Hochschule macht Rückzieher

Göppingen/Geislingen / Dirk Hülser 08.05.2018

Hier sollen sich junge Start-ups ansiedeln und an spannenden Projekten tüfteln: Das Innovations- und Start-up-Center „G-Inno“ auf dem WMF-Areal in Geislingen soll vor den Sommerferien seinen Betrieb aufnehmen. Bereits Anfang 2017 hatte es eine „Kick-off-Veranstaltung“ gegeben, wo Unternehmen die Zusammenarbeit schmackhaft gemacht wurde. Neben der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU), die auch in Geislingen einen Standort hat, und der Stuttgarter Hochschule für Medien war auch die Esslinger Hochschule – die wiederum in Göppingen präsent ist – an einer Zusammenarbeit interessiert.

Während nun die HfWU Gesellschafter des G-Inno geworden ist und die Stuttgarter Hochschule Mitglied im Förderverein ist, erlahmte das Interesse der Esslinger. Hintergrund ist ein politischer Streit im Verborgenen. Der Göppinger OB Guido Till war nämlich alles andere als amüsiert, dass sich die Hochschule mit ihrem Göppinger Standort in Geislingen engagieren will. Am 18. Januar dieses Jahres thematisierte das Stadtoberhaupt die vorgesehene Beteiligung der Hochschule in einer nichtöffentlichen Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses. Till formulierte gegenüber den Stadträten seine Bedenken und stieß damit weitgehend auf Zustimmung.

Skepsis im Rathaus

Die Folge: Die Hochschule machte einen Rückzieher. „Wir werden uns nach momentanen Stand nicht als Gesellschafter engagieren, um unsere Neutralität zu bewahren“, teilt der Esslinger Rektor Professor Christian Maercker auf Anfrage schriftlich mit. Die Göppinger Stadtverwaltung habe den Beteiligten zuvor „ihre Skepsis“ übermittelt, sagt Rathaussprecher Olaf Hinrichsen. „Wir werden sehr genau hinschauen, inwieweit sich die Hochschule Esslingen engagieren wird und werden laut rufen, wenn wir den Eindruck gewinnen, dass Know-how von Göppingen nach Geislingen abgezogen wird.“

„Grundsätzlich besteht eine solche Gefahr immer“, meint Maercker dazu. Er gibt aber auch zu bedenken: „Es ist für mich jedoch genauso gut vorstellbar, dass Unternehmen aus Göppingen von Kooperationen in der Nachbarschaft profitieren und dadurch der hiesige Standort gestärkt wird.“ Das G-Inno ist auch keine rein Geislinger Thematik, als Gesellschafter treten neben der HfWU die Kreissparkasse und das Albwerk in Erscheinung, im Förderverein ist auch der Landkreis vertreten.

Eigentlich hätte das G-Inno bereits 2017 eröffnen sollen, dann hieß es, im ersten Quartal 2018 ginge es los. Gestern nun sagte der Geislinger OB Frank Dehmer: „Wir gehen davon aus, dass wir vor den Sommerferien eröffnen werden.“ Ein Geschäftsführer wurde zum 1. April eingestellt, dieser bereite nun alles für den Start vor. Trotz des Rückziehers der Esslinger Hochschule hofft Dehmer, dass dennoch eine inhaltliche Zusammenarbeit stattfinden wird.

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