Serie Rekorde im Landkreis: Hoch hinaus in Hohenstadt

Höhenrekord bei Hohenstadt: 837,8 Meter haben im September 2013 Auszubildender Michael Geiger (l.), Amtsleiter Wolfgang Kälbling (2. v. l.) und Vermessungsingenieur Rolf Schneller (r.) ermittelt. Mit dabei war der stellvertretende Bürgermeister Kurt Oldenburg.
Höhenrekord bei Hohenstadt: 837,8 Meter haben im September 2013 Auszubildender Michael Geiger (l.), Amtsleiter Wolfgang Kälbling (2. v. l.) und Vermessungsingenieur Rolf Schneller (r.) ermittelt. Mit dabei war der stellvertretende Bürgermeister Kurt Oldenburg. © Foto: Jürgen Wahr
Hohenstadt / DIRK HÜLSER 30.12.2016

In Hohenstadt auf der Alb ist der Name Programm. In dem Dorf mit gut 800 Einwohnern geht’s wahrlich hoch her, denn höher hinaus kommt keiner: Mit genau 837,8 Metern liegt der höchste Punkt im Landkreis auf Hohenstadter Gemarkung. Es ist zugleich die höchste Erhebung in der Region Stuttgart und auch im gesamten Regierungsbezirk.

Das ist um so bemerkenswerter, weil der höchste Berg im Landkreis und Regierungsbezirk wiederum gar nichts mit Hohenstadt zu tun hat. Es ist der Boßler, der sich mit seinen 799,7 Metern auf Gruibinger Gemarkung befindet. Doch der weithin sichtbare, markante Berg mit seiner steilen Wand markiert den Albtrauf, während sich Hohenstadt mitten auf der Albhochfläche befindet.

Und bis dorthin geht es vom Boßler durch etliche Täler – unter anderem das obere Filstal – und eben noch einige Meter nach oben. „Selbst die Einheimischen wussten damals nicht, dass hier der höchste Punkt im Landkreis ist“, erinnert sich der Leiter des Amts für Vermessung und Flurneuordnung im Landratsamt, Wolfgang Kälbling, an jenen Tag im September 2013, als die Messung stattfand. Damit stand fest, dass sich die höchste Geländeerhebung im Gewann Bollengrund an der Kreisgrenze zum Alb-Donau-Kreis südwestlich von Hohenstadt befindet.

Die Dorfbewohner waren all die Jahre zuvor immer einem Irrglauben aufgesessen: „Sie hatten gedacht, dass der höchste Punkt auf der Weilerhöhe ist“, berichtet Kälbling. So steht es auch im Internet-Lexikon Wikipedia, die Weilerhöhe mit 832 Metern markiere den Höhepunkt – doch davon wird es nicht richtiger.

Selbstredend ist Hohenstadt auch die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis, offiziell liegt das Dorf auf 818 Metern Höhe. „Das ist erstaunlich“, sagt Kälbling, „liegt Hohenstadt so doch sogar um fünf Meter höher als Oberstdorf“. Tatsächlich sind für Deutschlands südlichste Gemeinde in den Allgäuer Alpen, die ein beliebtes Ziel von Wanderern, Bergsteigern und Skifahrern ist, 813 Meter als offizielle Höhe angegeben.

Geraume Zeit hielt Hohenstadt noch einen weiteren Rekord: Nachdem 1957 das Autobahnteilstück von Mühlhausen nach Hohenstadt eröffnet wurde, galt die Gemeinde als höchster Autobahnpunkt Deutschlands. Diesen Titel trägt allerdings seit 1992 ein anderer Ort: In jenem Jahr wurde die A 7 im Allgäu bis Nesselwang verlängert. Seitdem stehen dort nahe der Ausfahrt in beiden Fahrtrichtungen Schilder, die auf diese Besonderheit hinweisen und darüber informieren, dass hier soeben eine Höhe von 914 Metern passiert wird.

Wie kommen Kälbling und seine Mitarbeiter aber darauf, dass zwischen Bäumen bei Hohenstadt der Landkreis der Sonne am nächsten ist? Zuerst wurden alle bekannten Flächen mit mehr als 800 Meter Höhe gesucht, in digitalen Karten schließlich nach dem höchsten Punkt Ausschau gehalten. Doch dann begann die klassische Arbeit eines Geodäten (Vermessungstechniker und -ingenieur), berichtet Kälbling. Satellitengestützt können die Fachleute nur mit einer Genauigkeit von etwa drei bis vier Zentimetern messen. „Genauer geht es mit Höhenfestpunkten, zum Beispiel an Kirchtürmen“, erklärt der Amtsleiter. „In Hohenstadt haben wir einen trigonometrischen Punkt benutzt“, sagt er. Diese überall zu findenden Messpunkte werden zur Landesvermessung genutzt, so wurde dann die exakte Stelle lokalisiert.

Wenn Kälbling und seine rund 50 Mitarbeiter – das Amt hat seinen Sitz in Geislingen – nicht gerade auf der Suche nach der höchsten Erhebung sind, vermessen sie zum Beispiel die Gegend für neue Infrastrukturprojekte wie den B-10-Neubau um Gingen. Oder sie bestimmen die genaue Lage von Grundstücksgrenzen oder vermessen Straßen.

Der Beruf des Geodäten ist noch immer beliebt, Kälbling berichtet von zehn bis zwölf Bewerbungen pro Ausbildungsplatz zum Vermessungstechniker, drei bis vier Azubis sind in der Behörde angestellt. Im Juli 2017 soll es dann erstmals in Baden-Württemberg eine „Woche der Geodäsie“ geben, „auch in Schulen“, erzählt Kälbling. Wer sich dafür entscheidet, einmal auf den Spuren von James Cook oder Carl Friedrich Gauß zu wandeln, der kann sich dann auf die Suche nach dem tiefsten Punkt im Landkreis Göppingen machen.

Der dürfte einfach zu finden sein. Da, wo die Fils hinter Ebersbach in den Landkreis Esslingen fließt, weist das Tal die geringste Meereshöhe auf, gerade mal 270 Meter misst der tiefste Geländepunkt in Ebersbach. Nach Hohenstadt sind es von dort rund 30 Kilometer Luftlinie – und ganze 567,8 Höhenmeter.

Viele Superlative zu entdecken

Rekorde Höher, tiefer, kälter, länger, kürzer, älter: Im Landkreis gibt es viele Superlative zu entdecken. Mal sind es alltägliche Dinge, die einem nur nicht bewusst sind oder die nicht auffallen. Dann wieder sind es die kleinen, kuriosen Sachen, die den meisten Menschen gar nicht bekannt sind. In einer neuen Serie wirft die NWZ einen Blick auf diese Rekorde.

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Betreff: Rekorde.

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