Beruf Hitze auf dem Dach: So arbeiten Dachdecker

Für die Arbeit ist nicht jeder geeignet. Besonders beim Ausrollen der Bitumenbahnen entstehen hohe Temperaturen.
Für die Arbeit ist nicht jeder geeignet. Besonders beim Ausrollen der Bitumenbahnen entstehen hohe Temperaturen. © Foto: Staufenpress
Salach / Martina Kallenberger 09.08.2018
Dachdecker arbeiten auch bei über 30 Grad in der prallen Sonne. Doch die Arbeiter haben Wege gefunden, mit der Hitze umzugehen.

Die Flamme zischt über den Dächern des Industriegebietes. Heiß ist es, sehr heiß auf dem Flachdach, die Luft flimmert und Schatten sucht man hier vergebens. Zwei Dachdecker rollen Bitumenbahnen vor sich her, die mit Hilfe eines Brenners angeschmolzen werden, damit sie sich mit der Unterlage verbinden. „Das kann schon Temperaturen bis zu 70 Grad geben“, meint Jonas Küpper, Bauleiter des Familienbetriebs „Dach Werkstatt“ aus Salach.

Wie gehen die Handwerker, die täglich viele Stunden ungeschützt auf dem Dach verbringen, mit der Hitze um?

Morgens um 5.50 Uhr im Dachdeckerbetrieb in Salach – die Tagesbaustellen werden besprochen, die Teams machen sich bereit für anstrengende, schweißtreibende Arbeit. Die Gebinde mit Wasser und Sprudel, die bereit stehen, verschwinden in den Fahrzeugen, Schirmmützen liegen auf dem Empfangstresen und Geschäftsführerin Barbara Küpper erklärt: „Im Sommer fangen wir um sechs, teilweise sogar um fünf Uhr an, um die kühlsten Stunden des Tages auszunutzen, normalerweise ist der Arbeitsbeginn aber sieben Uhr.“ Sie ist sehr froh über die tapfere Mitarbeit ihrer Mannschaft, „sie halten durch, aber der Erholungsschlaf ist kurz, weil es in den Wohnungen und Häusern schwer abkühlt“.

Kurz nach Sechs auf dem Flachdach einer Industrieanlage, die Männer sind froh um die relative Kühle, doch die Sonne schickt zum Anwärmen ihre ersten Strahlen über die Hügel. Die Dachfläche, die am Ende begrünt wird, ist schwarz von bereits verlegten Bitumenbahnen. Steinwolle zum Dämmen liegt neben verschiedenen Kronen (Brenneraufsätzen) und Gasflaschen. „Sonnencreme wird vom Geschäft gestellt“, meint ein Arbeiter „und manchmal kommt der Chef mal mit einem Eis vorbei“, sagt der Dachdecker schmunzelnd. Ansonsten ist die Devise: trinken, trinken, trinken, fünf bis sechs Liter Wasser pro Tag.

„Wenn alles zusammenkommt, der Staub des Dämmmaterials, Sonne und Schweiß, dann kann das verflixt jucken. Abends hilft eine kalte Dusche um erstmal alles abzuspülen“, so Jonas Küpper. Ein toller Job sei es trotz der Hitze und die halte man aus und achte aufeinander. Da kommt es vor, dass sich die Dachdecker gegenseitig eine Pause im Schatten vorschlagen.

„Besser Pulver aus den Dachrinnen putzen, als Matsch“, meint Alexeij Farafonow von der Steildachequipe, „ich hab mir den Beruf ausgesucht, er ist vielseitig und überschneidet sich mit anderen Handwerksberufen wie den Zimmermännern oder Flaschnern.“ Außerdem gehe die Zeit bei der Arbeit schnell vorbei, sogar die Mittagspause wird manchmal vergessen. „Mit der Wärme geht man um, sie gehört dazu. Mittags ist halt alles hier oben sauheiß“, sagt er.

Simon Bannack sieht das recht pragmatisch, man „muss es nehmen, wie´s kommt“, allerdings ist ihm die Hitze lieber als der Winter, „da wird man wenigstens braun“, grinst er verschmitzt.

Bei der Arbeit auf dem Dach kommen die, die es heiß mögen, in Sommern wie diesen voll auf ihre Kosten. Denn beim Schweißen der 20 bis 30 Kilo schweren Bitumenbahnen können schon mal die Füße brennen. Wenn dann die Freunde oder Freundinnen aus den Büros Nachrichten über 30 Grad schicken, denke sich ein Dachdecker: „Komm ich mal zum Abkühlen vorbei.“

Der Blick über die Dächer der Stadt am frühen Morgen, der sei allerdings unbezahlbar…

70 Grad

70 Grad ist die Maximaltemperatur, die auf dem Flachdach beim Ausrollen der Bitumenbahnen gemessen wird, erzählt Bauleiter  Jonas Küpper.

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