Bad Boll Hilfestellung für Tourismus

Bad Boll / JÜRGEN SCHÄFER 11.01.2014
Die Friends of Ruanda in Bad Boll bauen ihre Entwicklungshilfe in Afrika immer weiter aus. Jetzt sind sie Motor für die Gründung einer Hotelfachschule, die den Tourismus in Ruanda ankurbeln soll.

"Jedes Projekt soll ein Problem lösen und Nachhaltigkeit schaffen", sagt Eliphaz Ntibizerwa, ein Berufsschullehrer und Wirtschaftsingenieur aus Bad Boll, der seit 22 Jahren in Deutschland lebt und zusammen mit seiner Frau eine Entwicklungshilfe-Organisation für seine alte Heimat begründet hat. Das aktuelle Projekt macht ihm besonders viel Freude. Schon seit vielen Jahren schwebt ihm vor, den Tourismus in Ruanda voranzubringen. Der Kivusee sei ein Touristenparadies, schwärmt er - nur leider im Dornröschenschlaf. Es fehle dort an einer professionellen Hotellerie und Gastronomie, und das beginne bei den Fachkräften. Der Bad Boller hat lange nach Partnern vor Ort Ausschau gehalten, die jedes Projekt braucht, und sie jetzt gefunden. Im Frühjahr 2014 soll eine Hotelfachschule starten. Sie hat das Ausmaß eines kleinen Campus, weil auch ein Internat für 300 Schüler dazugehört. Weitere 130 Schüler können sie ohne Unterkunft besuchen. Starthilfe gibt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Berlin. Auch die Friends of Ruanda steuern Geld bei - und Know how: "Wir haben Mitglieder, die spezielle Workshops anbieten werden."

Ntibizerwa verfolgt dabei noch einen sozialen Gedanken. In der Hotelfachschule sollen auch benachteiligte Kinder und Jugendliche ausgebildet werden. Junge Menschen aus bildungsfernen Schichten, unterstreicht Katrin Liebler, zweite Vorsitzende des Vereins und Sozialpädagogin, die ihr Wissen in Ruanda ebenfalls einbringt. Abgemacht sei: Fünf Prozent der Schul-Plätze sind für Arme reserviert. Weitere Überlegung: Auch Trekkingführer, für den "Low budget-Tourimus" sollen ausgebildet werden - für Touristen mit kleinem Geldbeutel. Die wollen kein Hotel, sondern "Campingplatz und Erbsensuppe", sagt Ntibizerwa. Die Azubis können bald auf Tour gehen und so Einnahmen erzielen, die wiederum den armen Schülern zugutekommen. So sollen die Ausbildungskosten ein Stück weit selber erwirtschaftet werden.

Die Friends of Ruanda haben selber Anwärter für Trekkingführer und mehr. Sie kümmern sich um Straßenkinder in Gisenyi, das am Kivusee liegt. Das Straßenkinder-Zentrum gibt seinen Schützlingen wieder eine Perspektive: teils durch neue Bindung an ihre Familien, Verwandten oder Pflegefamilien, teils durch Schulbildung und pädagogische Betreuung, teils auch durch Hinführung auf eine Berufsausbildung oder Anlerntätigkeit. Wenn jetzt Jugendliche in das Hotel- und Tourismusfach herangeführt werden, schließt sich ein Kreis.

Es gibt auch einen anderen Kreis: Jugendliche, die über das Kompetenzzentrum für Handwerker in Arbeit gebracht werden, das die Friends of Ruanda im letzten Jahr initiiert haben. Dort lernen Schreiner, Maler oder Schneiderinnen, wie man wirtschaftlich erfolgreich arbeitet. Und wie man eine Geschäftsidee umsetzt. Denn in Ruanda sind die Handwerker oft nicht spezialisiert, "jeder macht das Gleiche", moniert Ntibizerwa. Oder sie verzetteln sich zwischen Handwerk und Landwirtschaft, machen beides gleichzeitig und kommen nicht auf die Füße. Im Kompetenzzentrum lernen sie, effektiv zu arbeiten und einen Betrieb zu führen. Dabei sollen auch Straßenkinder als Lehrlinge vermittelt werden, sagt Katrin Liebler.

Dieses Kompetenzzentrum ist bereits eine Erfolgsgeschichte. Mit Zuschüssen der Entwicklungshilfe, der Friends of Ruanda und einer Stiftung aus Hagen begründet trägt es sich bereits weitgehend selbst, strahlt Ntibizerwa. Mindestens bis April läuft noch die Förderung aus Hagen. Die Handwerker nutzen die Weiterbildung, weil sie darin eine Chance sehen und können auch bei Banken ein Existenzgründungsdarlehen bekommen, wenn sie ein schlüssiges Geschäftsmodell haben, berichtet Ntibizerwa. Auch arbeitslose Akademiker können sich dort neu orientieren.

Ständige Hilfe leisten die Friends of Ruanda mit Paten, die junge Leute bei der Schul- und Berufsausbildung unterstützen, sowie als Entsendeorganisation von Weltwärts-Freiwilligen, die Straßenkinder betreuen oder den Betrieb einer Berufsschule unterstützen. Die kommen längst nicht nur aus Bad Boll, sondern aus ganz Deutschland. Noch immer bewerben sich zig junge Männer und Frauen auf die Stellen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel