Ebersbach Hilfe und kein Ende in Sicht

Ebersbach / KARIN TUTAS 25.05.2012
Auch ohne Geld aus dem Entwicklungshilfeministerium: Das Ebersbacher Nepal-Schulprojekt hat wieder viel bewegt. Eine Wasserstelle wurde eingeweiht, der Bau eines Hospizes ist bereits angestoßen.

Das Thema Entwicklungshilfe hat Astrid Vöhringer erst einmal abgehakt. Die Erwartungen der rührigen Vorsitzenden des Ebersbacher Nepal-Schulprojekts nach einem Wahlkampfauftritt des Ministers Dirk Niebel haben sich nicht erfüllt. Wie berichtet, hatte die Ebersbacherin beklagt, dass kleinere private Initiativen oft nicht in den Genuss einer Förderung kämen. Der Minister hatte unbürokratische Hilfe zugesagt. Das Ende vom Lied war, dass Vöhringer und ein weiteres Mitglied des Fördervereins ein zweitägiges Seminar besuchten, bei dem sie mit den Regularien für das Beantragen der Fördergelder vertraut gemacht wurden.

Auch Geld hätte der Verein für ein weiteres Wasserprojekt im Distrikt Bhaktapur bekommen. 25 000 Euro - "das hätte hinten und vorne nicht gereicht", sagt Vöhringer, die eine sechsstellige Summe angesetzt hatte. Der Plan war, eine Wasserversorgung auf einem dem Förderverein überschriebenen Stück Land bei Dadikot aufzubauen. Dazu wollte der Verein eine Quelle in dem Berg anzapfen und eine Pipeline legen. Binnen eines Jahres hätte das Projekt nach Vorgaben des Entwicklungshilfeministeriums abgewickelt sein müssen. "Das ist nicht zu schaffen und übersteigt unsere Möglichkeiten", sagt die Ebersbacherin.

Das Handtuch zu werfen, ist aber nicht Sache der Vorsitzenden, die bereits eifrig dabei ist, andere Sponsoren zu suchen. "Sauberes Trinkwasser ist hochwichtig", erklärt Vöhringer. Auftrieb gibt "Mom", wie sie liebevoll im Himalayastaat genannt wird, die Einweihung der heiligen Wasserstelle am Fuße "ihres" Berges bei ihrem Besuch vor einigen Wochen. Mit Hilfe des Fördervereins haben die Bewohner die zerfallene Stätte - "das war eine Kloake" - instandgesetzt und eine neue Quelle erschlossen. "Aus neun Zapfstellen fließt jetzt zwölf Stunden täglich frisches, sauberes Trinkwasser", berichtet Astrid Vöhringer. In Felsbecken können die Menschen dort ihre rituellen Bäder nehmen. "Es ist uns sehr wichtig, dass die Menschen ihre Traditionen leben und erhalten", nennt die Ebersbacherin ihre Intention und ist immer noch berührt von der feierlichen Zeremonie im Beisein von tausenden Menschen, die zu dem Tempel geströmt waren und denen der Verein eine Glocke für die Anlage gestiftet hat.

Das große Wasserprojekt ist nicht aus den Augen verloren, aber zurzeit hintenangestellt. Stattdessen verwendet der Förderverein seine Energie jetzt auf die Einrichtung eines Gesundheitspostens und eines Hospizes. Letzteres sei notwendig, weil viele jüngere Familienmitglieder mittlerweile in der Stadt arbeiteten und die alten und kranken Menschen sich selbst überlassen seien. "Wir wollen das Haus gemeinsam mit den Dorfbewohnern in traditioneller Bauweise errichten", erzählt die Ebersbacherin. Wie die anderen Projekte des Vereins soll auch das Hospiz eine Hilfe zur Selbsthilfe sein, "die älteren Menschen sollen sich gegenseitig unterstützen".

Kein Wunder, dass "Mom" bei so viel Engagement eine weitere Ehrung in Nepal zuteil wurde. Gemeinsam mit ihrem Projektmanager und ihrer rechten Hand vor Ort, Uttam Dhungle, wurde Vöhringer zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit des Dorfkomitees von Dadikot ernannt. Das bedeutet, dass ihr Wort Gewicht hat "und auch mal unpopuläre Entscheidungen getroffen werden können".

Ein neuer Lebensabschnitt hat jetzt auch für neun Elf- und Zwölfjährige aus der Humla-Region, die bislang im Heim des Fördervereins in Kathmandu wohnten, begonnen. Astrid Vöhringer hat diese Kinder jetzt in ihre Heimatregion begleitet, wo sie künftig die vor einigen Jahren wieder errichtete Schule des Fördervereins besuchen werden. Der Abschied sei ihr nicht leichtgefallen, aber "es war immer mein Ziel, die Kinder zu ihren Eltern zurückzubringen", betont die Ebersbacherin. Und auch für die rund 3000 Meter hoch im Himalaya gelegene Schule - sie ist inzwischen als staatliche Highschool anerkannt - gibt es Pläne. Schulleiter Kumar Lama will sie zu einem Schulzentrum mit einem weiteren Hostel ausbauen und im Anschluss an die Schule auch eine Berufsausbildung ermöglichen. Krankenschwestern, Lehrer oder Forstarbeiter würden unter anderem in der Region dringend benötigt.

Über ein weiteres Beispiel, dass die Arbeit des Fördervereins Früchte trägt, freut sich Astrid Vöhringer besonders: Ein junger Mann, den der Verein während einer schweren Krankheit unterstützt hat, ist jetzt für ein Jahr als Lehrer in die entlegene Humla-Region gereist. "Das zeigt, dass wir für unsere Arbeit etwas zurückbekommen."

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