Göppingen Hilfe bei Suche nach dem eigenen Lebensweg

Bei der Einweihung kamen die Abgeordneten Heike Baehrens (rechts) und Hermann Färber (2.l.) sowie Göppingens Bürgermeisterin Almut Cobet (2.v.r.) mit Rudolf Bede ins Gespräch.
Bei der Einweihung kamen die Abgeordneten Heike Baehrens (rechts) und Hermann Färber (2.l.) sowie Göppingens Bürgermeisterin Almut Cobet (2.v.r.) mit Rudolf Bede ins Gespräch. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Margit Haas 12.09.2018
Eine neue Beratungsstelle gibt Menschen mit einer Behinderung und ihren Angehörigen einen Überblick über passende Unterstützungsangebote.

Der Sohn von Manfred Roos hat eine geistige Behinderung und ist zudem erblindet. Für den über 80-Jährigen ist die gute Versorgung seines Sohnes eine immer größer werdende Herausforderung. „Derzeit geht es um einen bestimmten Bereich seines Lebens, der neu überdacht werden muss“. Unter der Vielzahl von Angeboten die beste Lösung für seinen Sohn zu finden, ist nicht einfach.

Manfred Roos ist deshalb froh, in der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) eine Institution zu haben, die ihn unterstützt. Die EUTB-Beratungsstellen wurden bundesweit nach dem Bundesteilhabegesetz eingerichtet. „Es räumt Betroffenen ein größeres Mitspracherecht in ihrer Lebensgestaltung ein“, sagt Rudolf Bede. Er leitet die erst vor wenigen Wochen gegründete Göppinger Beratungsstelle. „Wir beraten nach dem Sozialgesetzbuch IX zu allen Fragen der Rehabilitation und Teilhabe“, erläutert der Sozialarbeiter und Soziologe. Wichtig sei dabei seine völlige Unabhängigkeit. Zwar ist die Beratungsstelle beim Verein „Viadukt – Hilfen für psychisch Kranke“ angesiedelt. Fachlich ist Bede aber direkt dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstellt, das die EUTB auch finanziert.

Kommen Menschen mit einer Behinderung in die Beratungsstelle, „suchen wir nach der besten Lösung für die aktuelle Fragestellung und schalten die entsprechenden Institutionen wie die Pflegeversicherung, die Arbeitsagentur oder entsprechende Ämter ein“, erläutert der 31-Jährige, der zuvor in der Jugendhilfe gearbeitet hat. Bede wird bei der Beratung von zwei teilzeitbeschäftigten sogenannten „Peer-Kräften“ unterstützt. Dies sind Betroffene, die ihre Erfahrungen  einbringen. „Diese Tandem-Beratung soll auch positives Beispiel sein und Menschen mit einer Behinderung ermuntern, einen selbstbestimmten Lebensweg zu beschreiten“.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Beratung sei, „nichts vorzugeben, sondern Lösungen aufzuzeigen“, betont Bede. „Wir wollen die Menschen an die Hand nehmen ohne sie zu bevormunden. Die Erfahrungen der ersten Wochen zeigten, „dass wir de facto zu fast allen Sozialgesetzbüchern beraten. Denn ein Problem kommt selten allein“. Die meisten Anfragen betrafen die Bereiche Wohnen und Arbeiten. „Bei einem Drittel der Anfragen geht es um eine Schulassistenz“.

Erste Erfolge zeigen sich bereits. Einem Arbeitnehmer, der nach einer Operation seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, konnte die Finanzierung einer Umschulung vermittelt werden, so dass er in seinem seitherigen Betrieb weiter beschäftigt werden kann. Eine Studentin, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Studium nicht in der vorgegebenen Zeit schaffte, wurde an den Sozialverband VdK verwiesen, der sie jetzt bei allen rechtlichen Fragen begleitet. Denn, so Bede: „Wir machen keine Rechtsberatung“.

Dem Berater ist ein weiterer Aspekt seiner Arbeit wichtig. „Ich wollte immer vernetzend tätig sein und möchte deshalb jetzt für unsere Klienten eine breitere Öffentlichkeit schaffen. Ich möchte eine Lanze für die Menschen mit einer Behinderung brechen“.

Zwischenzeitlich ist Rudolf Bede gut vernetzt im Landkreis Göppingen, kennt viele Ansprechpartner und kann so schnell und unkompliziert Hilfe vermitteln. So, wie auch für Manfred Roos. „Wir sind auf einem guten Weg“, freut er sich und betont auch: „Als Angehöriger braucht man immer wieder jemand zum Reden außerhalb des eigenen Umfeldes. Auch das finde ich hier“.

Wie erreicht man die Beratungsstelle

Kontakt Die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ ist kostenlos. Die Beratungsstelle in der Willi-Bleicher-Straße 1 lädt alle Interessierten ein, die Berater kennenzulernen. Zuzüglich zu den regulären Öffnungszeiten kann die Beratungsstelle jeden Mittwoch zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr zur offenen Sprechstunde aufgesucht werden.

Weitere Informationen unter Tel. (0176) 44279 067 oder (07161) 8082 830, per  Mail: info@eutb-goeppingen.de, im Internet unter www.eutb-goeppingen.de

Mit vielen Teilnehmern die Einweihung gefeiert

Eröffnung Die seit Mai diesen Jahres aktive EUTB Göppingen wurde vor einigen Tagen offiziell eröffnet. Nun können sich auch im Landkreis Göppingen Menschen mit Behinderungen – und von Behinderung bedrohte Menschen – ihre Angehörigen sowie alle Interessierten mit allen Fragen rund um Teilhabe und Rehabilitation an die Beratungsstelle wenden. Mögliche Themen sind Alltagsassistenz, Wohnen, Zuschüsse in besonderen Lebenslagen, Probleme in der Arbeit und ähnliches.

Rund 50 Teilnehmer aus Politik, Betroffenenvertretungen und der im Kreis organisierten Kostenträgern und Leistungsanbieter bereiteten der EUTB Göppingen einen freundlichen Empfang, heißt es in einer Pressemitteilung der Beratungsstelle. „Das Empowerment, die Stärkung der Selbstbestimmung betroffener Menschen gehört zu den grundlegenden Aufgaben der EUTB, die hier eine wichtige Versorgungslücke schließt“, sagte Heike Baehrens, SPD-Bundestagabgeordnete und Vorsitzende des Kreisbehindertenringes.

Großer Bedarf „Es liegt ein anspruchsvoller Weg vor uns um die Inklusion im Landkreis voran zu bringen, den wir aber zusammen gehen wollen. Rund 50 Erstanfragen seit Mai, von denen die meisten in den vergangenen zwei Monaten gestellt wurden, zeugen von einem großen Bedarf nach einer neutralen und unabhängigen Beratung, auch von Betroffenen für Betroffene“, so Rudolf Bede, Dienststellenleiter der Göppinger EUTB. Auf diesem Weg könne sich die Beratungsstelle auf politische Unterstützung, sowie ein starkes, bundesweites Netzwerk verlassen.

Kreisweit Für die Zukunft plant die EUTB die Einrichtung von regionalen Sprechstunden.

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