Gingen Heubacher in 70 Tagen nach Santiago de Compostela geritten

Wallach Mecki und Eugen Hofmann sind ein Team - zusammen haben sie die Strecke bis nach Santiago de Compostela gemeistert.
Wallach Mecki und Eugen Hofmann sind ein Team - zusammen haben sie die Strecke bis nach Santiago de Compostela gemeistert. © Foto:  
ELISABETH ROSENBERG 15.07.2015
In 70 Tagen ist Eugen Hofmann von Heubach aus nach Santiago de Compostela geritten. Mit seinem russischen Wallach Mecki hat er dabei einiges erlebt - und nun in Gingen darüber berichtet.

In seinem Ruhestand hat sich Eugen Hofmann aus Heubach einen lange gehegten Wunsch erfüllt und einen Pilger-Ritt nach Santiago de Compostela unternommen. Darüber berichtete er jetzt auf Einladung der Gruppe "60 aufwärts - gerne aktiv" im katholischen Gemeindezentrum in Gingen. Zum Dank für seinen lebendigen Bild-Vortrag spendeten die Senioren 255 Euro für den Förderverein Nova Canaa in Bahia/Brasilien, der sich um die schulische Ausbildung und ärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen kümmert. Darum hatte Hofmann gebeten.

Es war die Abenteuerlust, die ihn zu seiner Pilgerreise bewegte. Aber wie so oft im Leben kam es ganz anders, als er dachte. 50 Tage hatte er dafür eingeplant, daraus wurden schließlich 70. Der katholische Pfarrer von Heubach, der als einziger von dem Vorhaben erfahren hatte, gab ihm seine Segenswünsche mit auf den Weg.

Hofmann hatte sein Pferd Mecki, einen russischen Wallach, hoch beladen mit schweren Satteltaschen, Wäsche, Medikamenten für Mensch und Pferd, Werkzeug zum Beschlagen der Hufe, Kompass, Taschenlampe und oben drauf noch mit einer Trompete - das Musikinstrument nahm er als Kommunikationsmittel für fremdsprachige Länder mit. Allerdings erwies sich das Gepäck schon bald als zu breit für die oft schmalen Wege und zu schwer für sein Pferd Mecki und es musste im Laufe des Ritts öfter reduziert werden.

Jede Übernachtung bedeutete eine neue Herausforderung, brachte dem schwäbischen Pilger rückblickend aber die Bekanntschaft vieler hilfsbereiter Menschen ein. Jeden Abend machte Eugen Hofmann sich auf die Suche nach Wasser und Futter für das Pferd und nach einer Ruhemöglichkeit für sich und das Tier. Quartier fanden sie in einfachen Bauernhöfen, auch Kinderzimmer, Backhäusle, Planwagen und Stallungen wurden ihnen für die Nacht angeboten. Einmal knabberten Ratten seine Satteltaschen und die Salami, die er darin mitgenommen hatte, an. Es gab durchaus schlechte Zeiten, in denen die Pilgerreise fast ein Ende fand. Regen, Kälte, Verletzungen bei Mensch und Tier zerrten an den Nerven. Die täglichen Handy-Gespräche mit der Familie halfen dann beim Durchhalten.

Beeindruckend zeigte sich das Zentralmassiv von Frankreich. Die Berge waren übersät mit wilden Narzissen in Weiß und Gelb. Genau dort, auf einer Wiese, am 38. Tag, war es dann auch, wo Hofmanns Pferd streikte. Es legte sich einfach hin und stand nicht mehr auf. Es war so erschöpft wie sein Reiter. Die Tages-Etappen von 50 Kilometern waren zu viel für Mensch und Tier. Ein Tierarzt wurde hinzugezogen und verordnete ein paar Tage Ruhe. Für beide! Eine Zeit, in der Hofmann auch zur Ruhe, Besinnung und Dankbarkeit kam für den bisherigen Pilgerweg. Und so gab er Mecki das Versprechen: Wenn du wieder aufstehst, werde ich dich nicht mehr reiten. Und dieses Versprechen hielt er dann auch, bis sie nach weiteren 32 Tagen Santiago de Compostela erreichten. Er bewältigte die Strecke gemeinsam mit Mecki zu Fuß.

Der letzte Teil der Wanderung führte durch die Kornkammer Spaniens. Es häuften sich jetzt die Begegnungen und Gespräche mit den anderen Pilgern aus aller Welt, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus alle ein gemeinsames Ziel hatten. Dann endlich kam er in einer Gruppe von anderen Reitern auf dem Berg der Freude an. Eine großartige Sicht auf Santiago de Compostela, Erleichterung und Dankbarkeit, Singen, Lachen, Weinen und Beten rundum. Da habe alle ein Gefühl der Freude erfasst, in das sich Respekt vor all den früheren Pilgern mischte, deren Gräber den Pfad säumen, berichtete Hofmann. Auf der Rückreise mit dem Auto musste er die Erlebnisse der vergangenen Wochen erst einmal gedanklich verarbeiten.