Komik Helge und das Udo: Gute Comedy in Eislingen

Ob mit Filmparodien, Wortspielen oder Musikeinlagen: Helge Thun (r.) und Udo Zepezauer überzeugten in Eislingen.
Ob mit Filmparodien, Wortspielen oder Musikeinlagen: Helge Thun (r.) und Udo Zepezauer überzeugten in Eislingen. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / Axel Raisch 13.04.2018

„Läuft“ heißt das aktuelle Programm von Helge und das Udo kurz und knapp, das doch viel zum Ausdruck bringt. Innerlich hört man bei dem Titel die Filmklappe schlagen, und das ist nicht falsch. Wiederkehrende Teile des Programms sind Filmklassiker, welche die beiden Komödianten nicht nur mit Versmaß versehen und in ein Reimschema, sondern auch noch gekonnt in drei Minuten packen. Zum Beispiel Hitchcocks Thriller „Psycho“, kombiniert mit dazu passender Mimik und Musiksequenzen.

So bietet sich in Eislingen ein richtig gutes Programm, gerade auch, weil sie dabei auf Kabarettausflüge fast gänzlich verzichten und eine weitgehend gelungene E.T-Parodie schon zu den schwächeren Teilen gehört. Mit ansteckender Freude wird auf der Bühne agiert. Die beiden bieten dabei eine nachahmenswerte Interaktion mit dem Publikum. Es wird niemand vorgeführt, stattdessen hat das Publikum immer wieder die Wahl zwischen Programmpunkten, die die beiden reichlich auf Lager und parat haben.

Im sechsten gemeinsamen Programm des groß gewachsenen Holsteiners Thun und des gedrungenen Schwaben Zepezauer ergänzen sich die beiden geradezu ideal. Obwohl sie sich privat wenig zu sagen haben – sagen sie und führen dies höchst unterhaltsam vor – in einer nachgestellten Szene an der mitternächtlichen Hotelbar, nach einem Auftritt, geflutet von beträchtlichem Alkoholpegel.

Noch schlimmer als ein schwäbisch schwätzender Schwabe sei ein Kieler, der schwäbisch schwätze, behauptet Helge in stimmiger Überheblichkeit, um dann akzentfrei einen Dialog zu führen, der schwäbische Unterhaltungskultur inklusive Missverständnissen zum Besten gibt. Ein tolles Stück Unterhaltung, ohne auch nur im Ansatz aufgesetzt zu wirken. Herrlich doof ist auch die Imitation esoterisch bewegter Zeitgenossen.

Übertrieben selbstverliebt zelebrieren sie ihre Wortspiele mit  ansteckender Freude über jedes gelungene Bonmot. Gerne auch mit Belehrungen für das Publikum und sich selbst feiernd. Zurecht. Bewundernswert auch ein Sketch im Stile Heinz Erhardts, bei dem jedes Wort mit Z beginnt. Eine wahre Freude für Besucher und Darsteller.

Sie behaupten zwar, kein Instrument zu beherrschen, bieten in ihrem Comedy-Programm aber auch gelungene musikalische Einlagen, etwa, wenn Helge das Udo als Gitarre missbraucht. Höhepunkt sind jedoch die Medleys bekannter Lieder verschiedenster Art von Harry Belafonte über Helene Fischer bis hin zu russischen Volksweisen. Diese Lieder versehen sie mit neuen themenbezogenen Texten, etwa von „Kabellos durch die Nacht“ über „We will block you“, wo sich das Dilemma schon andeutet, bis zu „Killing my software with this spam“. Axel Raisch

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