Seelsorge Seelsorger: Helfer in schweren Stunden

Klinikseelsorger der Alb-Fils-Kliniken: (v. li.) der katholische Pfarrer Christian Brencher, die evangelische Diakonin Beate Schlumberger und der katholische Personalreferent Erich Karp.
Klinikseelsorger der Alb-Fils-Kliniken: (v. li.) der katholische Pfarrer Christian Brencher, die evangelische Diakonin Beate Schlumberger und der katholische Personalreferent Erich Karp. © Foto: Sabine Ackermann
Kreis Göppingen / Sabine Ackermann 02.01.2018
Drei Klinikseelsorger wollen für Patienten, Angehörige und Alb-Fils-Klinik-Mitarbeiter einfach nur da sein.

Sie hält die Hand eines älteren Mannes, der eine irreparable Leberschädigung hat, er teilt das Leid einer alleinerziehenden Mutter, die rund um die Uhr bei ihrem todkranken Kind ist. Tagtäglich erkennen und erfahren die derzeit drei aktiven Klinikseelsorger der Alb-Fils-Kliniken, wie sehr manche Patienten Zuspruch nötig haben und wie wenig sie diesen in ihrer Umgebung oft bekommen.

Doch wie geht diese Hilfe eigentlich vonstatten? Gehen die Geistlichen von Bett zu Bett und sprechen den Kranken und Sterbenden Trost zu? Schließlich heißt es schon im Matthäus-Evangelium 25, 35-36: „Ich war krank und ihr habt mich besucht.“ Oder kommt der Hilfesuchende zum Seelsorger? „Ein ganz großer Teil ist die aufsuchende Arbeit, wir gehen zu den Menschen, viele klopfen aber auch an unsere Türe“, berichtet der katholische Pastoralreferent Erich Karp, der 2017 sein dreißigjähriges Jubiläum feierte. „Jeder von uns hat sein eigenes Büro, dort können wir Gespräche oder Telefonate höchst vertraulich führen“, ergänzt sein Kollege Christian Brencher, der als katholischer Pfarrer seit 2009 vor Ort ist.

Dass der Tod in der Gesellschaft genauso wie Alter und Krankheit verdrängt wird, weiß auch Beate Schlumberger aus ihrer Erfahrung. „Wir bieten Raum und Zeit, das Schwere rauszulassen. Wir haben das große Privileg, uns diese Zeit nehmen zu dürfen“, betont die evangelische Diakonin, die seit der Jahrtausendwende für die Betroffenen da ist und nach ihren Gesprächen schon häufig zu hören bekam: „Das hat mir gutgetan.“ Ab 2018 soll noch ein weiterer evangelischer Kollege dazukommen. Egal, wer sich den Leidtragenden nähert, es gilt, menschliche Verbundenheit und Nähe zu zeigen, daraus schöpfen die Menschen Kraft.

Gute Medizin, gute Pflege und gute Seelsorge gehören zusammen, sind sich die Klinikseelsorger einig. Ganz besonders in Situationen, wo Menschen nach Wochen oder Monaten im Krankenhaus an die Grenzen des Lebens geraten oder sich ausgeliefert fühlen, ist Beistand und Ermutigung nötig. Wie diese behutsame Begleitung aussieht, spiele keine Rolle. Ob ein einfacher Plausch über Banales, ein aufbauender Blick oder Hand in Hand zu schweigen, etwas vorzulesen, ein gemeinsames Spiel, ein Gebet, ein kurzer biblischer Vers – den Spezialisten für Seelsorge und Begegnung ist es wichtig, diskret und unaufdringlich auf die Menschen zuzugehen.

„Ohne jemanden zu bedrängen, bieten wir den Kranken, Angehörigen, aber auch den beruflich damit Beschäftigten unsere Unterstützung an“, erklären die christlichen Helfer, die über die Stationen oder in ihren jeweiligen Büros zu erreichen sind. Auf Wunsch bieten sie auch religiöse Rituale an, wie beispielsweise Abendmahl und Kommunion, Beichte, Gebet und Segnung, Krankensalbung sowie Abschiedszeremonien für Sterbende und deren Angehörige. Obendrein ist die Kapelle Tag und Nacht für Andacht, den persönlichen Gedankenaustausch und als Ort der Stille geöffnet. „Der große Freiraum ist, nur einen Chef zu haben, und der sitzt im Himmel“, betont Beate Schlumberger, und Erich Karp ergänzt: „Totale Verschwiegenheit ist unser oberstes Gebot.“ Das gilt nicht nur im Krankenhaus, sondern auch bei seinen Einsätzen, zu denen er nichts anderes als seine eigene Person und seinen vollgepackten Notfallkoffer mitbringt. Denn der katholische Pastoralreferent ist darüber hinaus einer von gut 35 Notfallseelsorgern im Landkreis Göppingen, gibt Menschen in Unglückssituationen schon seit vielen Jahren Halt. Egal ob er zu einem Unfall, einer Tötung oder einem Suizid gerufen wird, die Mechanismen die in einer solchen Situation greifen, seien sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen oft die gleichen. „Wie Ärzte oder Rettungskräfte, sind Notfallseelsorger genauso Ersthelfer am Unglücksort“, betont Erich Karp und fügt hinzu: „Aber unsere Arbeit beginnt dort, wo die der anderen zu Ende ist.“

Fakten zur Klinik- und Notfall-Seelsorge

Klinikseelsorge Evangelisch: Diakonin und Aidsseelsorge Beate Schlumberger, Zimmer 0647, Tel. (07161) 64-2996; Katholisch: Pfarrer Christian Brencher, Zimmer 0649, Tel. (07161) 64-2253, Pastoralreferent, Psychotherapeut und Notfallseelsorger Erich Karp, Zimmer 0648, Tel. (07161) 64-2736.

Klinik-Kapelle Ein Ort der Stille für das persönliche Gebet. Dort finden auch jeden Sonntag um 9 Uhr im Wechsel ein evangelischer bzw. katholischer Gottesdienst und jeden Mittwoch ab 18 Uhr ein ökumenisches Abendgebet statt.

Notfallseelsorge Eine Initiative der katholischen und evangelischen Kirche, aller Hilfsorganisationen (Feuerwehr, DRK, JUH, MHD, THW), der Polizei, der Notärzte, des Landkreises Göppingen und der Beratungsstellen.

Alarmierung Bei Notfällen nur über die Rettungsleitstelle DRK, (07161) 19222. Kontakt: Arbeitskreis Notfallseelsorge Landkreis Göppingen, Ziegelstraße 14, Tel. (07161) 96 336-10.

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