Sich warm zu spielen für die anstehende London-Tournee - dazu sollte das Konzert des Jugendsinfonieorchesters Göppingen auf Schloss Filseck dienen. So jedenfalls vermeldete es das Programmheft. Damit benannte es freilich nur einen Aspekt des Auftritts der jungen Instrumentalisten im Rahmen des Sommerfestivals. Ein weiterer war wohl die Demonstration spieltechnischer Fertigkeiten und - auf ihnen basierend - orchestraler Präsenz, die, vom Dirigenten Martin Gunkel sorgfältig erarbeitet und effektvoll vorgeführt, höchst eindrucksvoll geriet und so das Konzert nicht nur zur geglückten Generalprobe, sondern auch zum anderen Vorhaben des Festivals zumindest gleichwertigen konzertanten Ereignis formte. Zumal das Programm nicht nur an das instrumentale Vermögen der jungen Musiker beträchtliche Anforderungen stellte, sondern auch an deren stilistische Gewandtheit, an ihr Gestaltungsvermögen. Denn die Vortragsfolge beschied sich nicht nur mit den im zweiten Konzertteil versammelten Encores, als Zugaben geeigneten Gusto-Stückchen von großer Ausdrucksvielfalt, sondern wartete vor der Pause mit einem veritablen konzertanten Schlachtross auf, Beethovens fünfter Symphonie mit ihrem schicksalhaften "Klopfmotiv", deren Darstellung, will sie den Hörer so recht überzeugen, Spannungen aufbauen und aus diesen äußerste gestalterische Intensität gewinnen muss.

Dies gelang dem Jugendsinfonieorchester Göppingen unter Martin Gunkels fordernder Leitung in beeindruckender Manier, auch wenn im Andante die spielerische Expressivität dann und wann nachließ oder der vertrackte Übergang vom Scherzo zum Finale bisweilen etwas holperte. Der Schlusssatz freilich bestach dann durch angemessenes Pathos und instrumentalen Glanz.

Solcher fand sich auch wieder, nun launig aufgefrischt, im unterhaltsamen zweiten Konzertteil, der mit der Ouvertüre zu Franz von Suppés Operette "Leichte Kavallerie" orchestral nachgerade in bravourös gezeichneter Eleganz begann, auch wenn die ersten Geigen hie und da der Galoppade des übrigen Ensembles nicht mit der bei ihnen sonst gewohnten Präzision folgen konnten. Dafür überwältigten sie in Jean Sibelius folgendem Andante festivo op. 117 durch spielerische Intensität und seidigen Streicherglanz. Vollends im ersten Teil des Vorspiels zu Georges Bizets Oper "Carmen" wetteiferten sie mit (ob Holz oder Blech) den ganz vorzüglichen Bläserabteilungen des Orchesters, die sich zunächst in zwei ungarischen Tänzen von Johannes Brahms, sodann in Offenbachs Orpheus-Quadrille effektvoll in Szene zu setzen wussten, ehe mit den diesen Stücken folgenden Zugaben, mit Chabriers "Espa·a" und nochmals Brahms, das Konzert bravourös ausklang.

So "warmgespielt", ist das Göppinger Jugendsinfonieorchester auf seiner Tournee ein heißer Tipp für die Londoner Musikfreunde.