Bad Ditzenbach Heiße Kostbarkeit aus der Tiefe

Technikleiter Timon Hänel (rechts) erläutert den Weg des Wassers von der Quelle bis ins Badebecken der Vinzenz-Therme.
Technikleiter Timon Hänel (rechts) erläutert den Weg des Wassers von der Quelle bis ins Badebecken der Vinzenz-Therme. © Foto: Simon Tastl
Bad Ditzenbach / SIMON TASTL 10.09.2016
Wie kommt eigentlich das Thermalwasser zur Vinzenz Therme? Beim „Sommer der Ver-Führungen“ wurde jetzt der Weg des Wassers von der Quelle bis ins Becken gezeigt.

Ulrich Prehm freut sich schon auf das nächste Angebot beim „Sommer der Ver-Führungen“. Zusammen mit seiner Frau hat der Göppinger schon viele Veranstaltungen besucht und ist nun gespannt auf die bevorstehende Führung: Prehms sind oft im Thermalbad und finden es daher „sehr interessant, auch mal zu sehen, wie es unter den Becken aussieht“.

Schwester Raphaela Heimpel vom Orden der Vinzentinerinnen begrüßt die 19 Gäste und klärt sie zunächst über die Gesellschaftsstruktur der Einrichtungen des Ordens auf: Vinzenz-Klinik, Vinzenz-Therme, Luise- von-Marillac-Klink und Marienhospital Stuttgart sind Betriebe der Vinzenz-von-Paul-Kliniken gGmbH. Gesellschafterin ist die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul aus Untermarchtal.

Nachdem die Besitzverhältnisse geklärt sind, übergibt Schwester Raphaela das Wort an den Leiter der Haustechnik Timon Hänel. Der führt seine  Gäste anschließend durch ein unterirdisches Labyrinth aus langen Gängen zur Canisiusquelle. Die Bohrung der Quelle 1971 war nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der Klinik, sondern auch die erste Thermalquellenbohrung auf der Schwäbischen Alb. Hier sprudelt das kostbare Thermalmineralwasser aus dem 600 Meter tief gelegenen Muschelkalk. Das Wasser der staatlich anerkannten Heilquelle ist mehrere Tausend Jahre alt und daher so gut wie frei von schädlichen Umwelteinflüssen. Die außergewöhnlich hohe Konzentration natürlicher Kohlensäure ist in Baden-Württemberg einmalig und macht das Wasser zur Heilkraft. Die Kohlensäure wird beim Baden über die Haut in den Körper aufgenommen, senkt den Stresshormonspiegel, verbessert die Durchblutung und erhöht die Sauerstoffversorgung im Gewebe, erläutert Hänel.

Vorbei an unzähligen Rohrleitungen laufen die Gäste weiter zu den Filteranlagen. Um Verfärbungen in den Becken zu vermeiden, wird dem Wasser Eisen und Mangan entzogen. In vielen Thermalbädern geht der natürliche Gehalt der Kohlensäure dabei verloren. „Wir verwenden ein sehr aufwendiges Verfahren, bei dem die wertvolle Kohlensäure erhalten bleibt“, betont der Technikchef. Zwischenzeitlich steht einigen aufgrund der Hitze der Schweiß auf der Stirn, die hohe Temperatur des Thermalwassers ist zwischen den Anlagen deutlich spürbar. Das Wasser hat eine Temperatur von 46 Grad und muss erst heruntergekühlt werden, bevor es in die Badebecken geleitet werden kann. Ein Wärmetauscher kühlt das Wasser ab und erzeugt dabei gleichzeitig Heizungswärme für das Thermalbad und die benachbarte Klinik. „Wenn es im Sommer über 30 Grad hat und keine Heizung gebraucht ist, kühlen wir das Wasser zusätzlich mit einem Kühlturm“, erklärt Hänel.

Pro Stunde strömen 40.000 Liter abgekühltes und gereinigtes Mineralwasser in die Becken der Vinzenz-Therme. Erika Prehm ist beeindruckt: „Es war mal wieder eine hochinteressante Veranstaltung. So lange wir laufen können, werden wir immer wieder am Sommer der Ver-Führungen teilnehmen.“