wahlkreis:Göppingen (10) Heinrich Fiechtner tritt für die AfD im Wahlkreis Göppingen an

Heinrich Fiechtner bei einem Wahlkampfauftritt in Geislingen: Alle Gespräche drehen sich um Flüchtlinge.
Heinrich Fiechtner bei einem Wahlkampfauftritt in Geislingen: Alle Gespräche drehen sich um Flüchtlinge. © Foto: Rainer Lauschke
Kreis Göppingen / DIRK HÜLSER 07.03.2016
Bildung, Finanzen, innere Sicherheit, Infrastruktur. Wohin geht die Reise in den kommenden fünf Jahren? Unsere Zeitung stellt die aussichtsreichsten Landtagskandidaten vor. Heute: Heinrich Fiechtner von der AfD.

Heinrich Fiechtner ist Arzt, nach eigener Aussage "pietistisch geprägter Christ", Stuttgarter Stadtrat und Kreisvorsitzender sowie Kandidat für die AfD im Wahlkreis Göppingen. Und er ist Optimist: 13 Prozent für seine Partei laut der jüngsten Umfrage? "Ich hoffe, es bleibt nicht dabei und geht noch höher." Weil 13 Prozent bekommt demnach auch die SPD, für Fiechtner nur noch die "Splitterpartei Deutschlands", die selbst schuld an ihrem Niedergang sei: "Sie hat sich's selbst zuzuschreiben." Also muss die AfD natürlich besser abschneiden - sonst wäre sie ja auch nur eine Splitterpartei.

Markige Sprüche, dafür ist der promovierte Mediziner in der Landeshauptstadt und innerhalb der Partei bekannt. Auf einem turbulenten Parteitag im Oktober 2014 wird Fiechtner aus dem Landesvorstand herausgewählt, sein schärfster innerparteilicher Konkurrent Bernd Kölmel bleibt vorerst Landesvorsitzender. Etwa 40 Unterlassungserklärungen hatte Fiechtner vor dem Parteitag über seinen Anwalt an jene Kritiker verschicken lassen, die seine Abwahl verlangt hatten, weil er Parteiinterna nach außen getragen haben soll. Genützt hat es ihm nichts.

Heute bezeichnet Fiechtner Kölmel rückblickend als "bornierten Kerl", als einen, "der sich immer gedreht hat, wie der Wind in der Partei war". Und der heutige Landesvorsitzende Jörg Meuthen? Auch der forderte damals Fiechtners Rauswurf. "Meuthen hat sich in Unkenntnis auf die Seite von Kölmel geschlagen", sagt Fiechtner und ist sich sicher: "Er ist ein Mann, der was im Hirn hat und der was will."

Unter anderem Meuthen war es dann nämlich im Sommer 2015, der nach dem Abgang von Bernd Lucke und dessen Unterstützern als neuer Bundesvize ein Parteiausschlussverfahren gegen Fiechtner stoppte. Der hatte den Koran mit Hitlers "Mein Kampf" verglichen und den Stuttgarter OB Fritz Kuhn als "miesen faschistoid-populistischen Scharfmacher" bezeichnet, der Kreisverband Stuttgart wollte den Arzt aus der Partei werfen. Aber die Affäre ist laut Fiechtner gar keine gewesen: "Ich habe den Koran nicht mit ,Mein Kampf' verglichen, sondern nur gesagt, dass es Teile gibt, die deckungsgleich sind." Der 55-Jährige verrät, dass er die Bibel mehrfach ganz gelesen habe, "damit kenne ich mich wirklich aus". Deshalb glaubt er: "Die Bibel hat nie den Anspruch erhoben, Grundlage einer Herrschaftsform zu sein, ganz anders der Koran." Mitglied in einer Kirche sei er zwar nicht, dennoch gehe er in Gottesdienste einer pietistisch geprägten Kirche. Und Fiechtner ist auch Gründungsmitglied des "Pforzheimer Kreises", einer Gruppe von Christen mit AfD-Parteibuch, die unter anderem auch gegen den Bildungsplan der Landesregierung opponiert und demonstriert.

An die Adresse der Grünen gerichtet, schrieb Fiechtner vor wenigen Tagen zum Thema Bildungsplan auf Facebook: "Aber ihr habt aus euren Fehlern gelernt, diesesmal fordert ihr nicht ,Straffreiheit für Sex mit Kindern'. Ihr habt es geschickter verpackt. Gender-Mainstreaming - klingt auf den ersten Moment doch schon sehr fortschrittlich und modern. Doch es ist letztendlich das gleiche Thema in hübschem Gewand." Der Bildungsplan eine Anleitung zum Kindersex? "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Grünen wirklich geläutert sind", meint der AfD-Kandidat.

Sollte Fiechtner für die AfD als Göppinger Vertreter in den Landtag einziehen, will er über ein Wahlkreisbüro vor Ort nachdenken. "Wenn ich für Göppingen antrete, muss ich auch Göppinger Lokalkolorit vertreten - nur hubschraubermäßig einzufliegen, wäre merkwürdig." Diskussionen mit Bürgern im Landkreis drehten sich in der Regel immer um ein Thema, berichtet Fiechtner. "Es ist interessant, dass die Wanderungsbewegung - die unter dem Begriff Flüchtlinge firmiert - Thema in jedem Gespräch ist." Aber es sei nun eben auch ein wichtiger Punkt in der Landespolitik, denn: "Der Rechtsbruch, der auf Bundesebene erfolgt, wird auf Landes- und Kommunalebene heruntergebrochen." Das vermeintlich rechtswidrige Handeln der Bundesregierung will der Arzt nicht unterstützen: "Es gibt keine Rechtspflicht zum Rechtsbruch."

Die AfD, da ist sich Fiechtner sicher, muss auch extreme Meinungen wie jene von Björn Höcke aus Thüringen aushalten. Er sagt an die Adresse des Landesvorsitzenden der SPD gerichtet: "Hey Nils Schmid, jetzt hör doch mal auf mit deinem Rassismusgesang." Seine Partei sei nicht rassistisch, nicht extremistisch. Heinrich Fiechtner, der frühere CDU- und FDP-Mann, glaubt fest daran. Und sagt: "Extremisten würden sofort ein Ausschlussverfahren bekommen." Fiechtner weiß, wovon er redet. Sein Verfahren hat er überstanden. Die AfD hat ihn behalten. Jörg Meuthen meinte nämlich vergangenes Jahr über den Arzt, dass dieser "eigentlich ein ganz lieber Mensch ist".

Zur Person vom 7. März 2016

Geboren: 1960 in Stuttgart-Bad Cannstatt

Wohnt in: Stuttgart-Birkach

Schule: Abitur am Paracelsus-Gymnasium in Hohenheim

Ausbildung/Beruf: Studium in Tübingen, Staatsexamen und Approbation 1987. Seit Anfang 2000 als Kompagnon in einer Stuttgarter Praxis für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin.

Politik: Nach Mitgliedschaften in CDU und FDP Gründungsmitglied der AfD 2013, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD bis Oktober 2014, seit November 2015 Kreisvorsitzender im Landkreis Göppingen. Seit Sommer 2014 Stadtrat in Stuttgart.

Privat: Zwei Söhne, verheiratet, begeisterter Läufer

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