Hohenstadt Heilung für die Heiligen

Hohenstadt / Von Brigitte Scheiffele 14.09.2018
Seit April sind Restauratoren im Einsatz, um Figuren und Altäre der Kirche Sankt Margaretha in Hohenstadt aufzufrischen. Eine Arbeit für Spezialisten.

Da liegen sie und warten geduldig auf Heilung: Der Heilige Wendelin liegt sorgsam in ein Regal gebettet neben den drei Heiligen Antonius, Sebastian und Nepomuk. Intensiv bemühen sich die Stuttgarter Diplom Restauratorin Lydia Schmidt und Denise Madsack um den Erhalt von Kirchenskulpturen, die seit Jahren den Hauptaltar und die Kanzel der katholischen Kirche Sankt Margaretha in Hohenstadt zieren. Hinzu kommen kleine Figuren von der Empore, Engel aus dem Altarraum sowie der große Strahlenkranz und das Relief von der Kanzel.

„Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Konservierung, die Festigung der Farbschicht und Reinigung der Objekte“, sagt Lydia Schmidt und zeigt auf deutlich sichtbare Ergebnisse bei drei Frauenskulpturen aus den Nischen des Hauptaltars: Die Heilige Katharina, Maria und Margaretha weisen nach ersten Reinigungsarbeiten einen wesentlich helleren Farbton auf. Die ältesten, spätgotischen Holzfiguren in Sankt Margaretha stammen aus dem 15. Jahrhundert. Weitere Skulpturen kamen im 18. und auch 19. Jahrhundert hinzu. Alle sind farbig gefasst, wurden bereits überarbeitet und sind somit nicht mehr im Originalzustand.

Unterschiedlich sind damit auch die Vergoldungen: Katharina, Maria und Margaretha erhielten einst eine Polimentvergoldung, andere Figuren eine Ölvergoldung. Die Restauratorin spricht von einer „lediglich anderen Technik das Gold aufzubringen“. Bestandserhaltung, Festigung und Reinigung seien dringend nötig, wiederholt sie, ebenso der Holzschutz, denn die Holzwürmer waren fleißig. Deren Aktivität zeigt sich an einigen Skulpturen, auch am Taufsteindeckel mit der Figur von Johannes dem Täufer haben sie Schäden angerichtet: „Die fressen das Holz bis unter die Grundierung weg“, erklärt Lydia Schmidt und verweist auf die Ausflugslöcher der winzigen Schädlinge an der Rückseite der Figur. Wegen des Befalls ist eine Behandlung mit Holzschutzmitteln notwendig, ebenso der luftdichte Verschluss. Seit April ist die Restauratorin für die Kirchengemeinde im Einsatz, im Herbst will sie ihre Arbeit am Altar und der Kanzel von St. Margaretha weiterführen.

Inmitten der kleinen Werkstatt liegt zwischen den Regalen die Jesusfigur mit der Geiselsäule schön eingebettet in die alten Polster der Kirchenbänke. Auf einem Tisch lagernd gibt die Rückseite des vergoldeten Strahlenkranzes, der sonst die Kanzel abschließt, ein Rätsel auf: Die Nummerierung der Strahlen ist durcheinander. Mitglieder der Kirchengemeinde erinnern sich daran, dass der Kranz einmal voller war. „Wir haben weitere Strahlen auf dem Dachboden gefunden“, sagt Schmidt und sucht jetzt nach alten Fotos, die den Strahlenkranz in seiner ursprünglichen Form zeigen.

Von zwei vergebenen „Losen“ hat die Stuttgarter Werkstatt die Arbeiten für den Hauptaltar, die Kanzel und die Skulpturen übernommen. Für die Seitenaltäre und die Kreuzwegstation ist ein anderes Restauratorenteam zuständig.

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