Frau Baehrens, was fällt Ihnen spontan zum Sommer im Landkreis Göppingen ein?

HEIKE BAEHRENS: Als erstes fallen mir die Sommerfeste ein, die ich besucht habe. Einige davon waren etwas verregnet (lacht). Aber ich hatte schöne Eindrücke, zum Beispiel beim Starenfest in Heiningen oder beim Geislinger Hock. Das war richtig nett, die Stimmung war toll.

Sie haben also ein paar Fassanstiche miterlebt . . .

BAEHRENS: Ja, und ich habe auch miterlebt, wie die Menschen beim Kreisfeuerwehrtag in Gruibingen mächtig geschwitzt haben.

Sie wohnen nicht im Landkreis, aber er gefällt Ihnen gut?

BAEHRENS: Ja, sehr. Ich genieße die Landschaft hier. Leider hatte ich dieses Jahr keine Zeit, um mit dem Rad unterwegs zu sein. Es gab viele Sitzungswochen in Berlin. Für das kommende Jahr habe ich mir aber wieder eine Sommerrundfahrt oder eine Wanderung durch den Landkreis vorgenommen. Ich bin total froh, wenn ich mich nach den vielen Sitzungen bewegen kann.

Lüften wir doch mal ein kleines Geheimnis: Sie fahren sehr gerne Motorrad. Auch im Landkreis?

BAEHRENS: Ja, auch im Landkreis. Ich bin zuletzt eher wenig gefahren, vor dem Einzug in den Bundestag war es mehr. Da bin ich mit dem Motorrad - einer alten BMW-Maschine - mal die Strecke der Radtour Alb-Extrem abgefahren. Das war klasse.

Sind Sie eher ein Stadtmensch oder ein begeistertes Landei?

BAEHRENS: Mir gefällt es auf dem Land. Ich bin in Bevern, einem Dorf im Kreis Holzminden im Weserbergland groß geworden. Vieles hier im Landkreis Göppingen erinnert mich an meine Kindheit und Jugend. Die vielen Feste sind für mich etwas Vertrautes. Meine Eltern waren in einem Sportverein engagiert, da gab es bei Festen auch Umzüge. Insofern kann ich das hier genießen. Außerdem kommt man auf dem Land mit den Menschen leichter ins Gespräch.

Und wo bleibt da die Politik?

BAEHRENS: Zu den politischen Themen kommt man in den Gesprächen meist von ganz alleine. Die Rente mit 63 ist zum Beispiel so ein Thema, auf das ich im Wahlkreis angesprochen werde. Ich habe Menschen getroffen, die sind richtig glücklich, dass es diese Möglichkeit für sie jetzt gibt.

Es gibt für Sie also keine politikfreie Zeit, auch nicht im Sommer?

BAEHRENS: Nein. Ich bin erst einmal froh gewesen, als die Berliner Sitzungswochen vorbei waren und ich im Wahlkreis unterwegs sein konnte, um Menschen zu treffen und Kontakte aufzubauen oder zu pflegen. So habe ich mich unter anderem mit dem Betriebsrat der Alb-Fils-Kliniken und auch mit deren Geschäftsführung getroffen. Ich finde es wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu sein.

Ein zentrales Thema im Kreis war für Sie in den vergangenen Wochen die Energiewende . . .

BAEHRENS: Ja, es gab mehrere Veranstaltungen zu diesem Thema, das ich als sehr wichtig für unsere Zukunft empfinde. Im Landkreis Göppingen sind wir, was die Energiewende angeht, schon teilweise ganz gut aufgestellt. Das Albwerk zum Beispiel liefert 35 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen. Ich merke aber auf der anderen Seite, dass es im Landkreis auch noch Widerstände gibt, zum Beispiel gegen Windkraftanlagen.

Wie wollen Sie als Politikerin die Menschen überzeugen und den gordischen Knoten durchschlagen?

BAEHRENS: Ein guter Weg zur Energiewende macht es erforderlich, dass wir noch intensiver als bisher über die Ziele diskutieren. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) war zum Beispiel ein wichtiger Schritt, weil sie die Energiewende für alle planbarer macht.

Wie planbar ist denn der Weiterbau der neuen B 10? Da warten die Menschen seit Jahrzehnten . . .

BAEHRENS: Das Thema begegnet mir natürlich in meinen Gesprächen immer wieder, genauso wie der neue Albaufstieg der A 8. Die Themen sind auch mir wichtig.

Aber es gibt nach wie vor keine konkreten Ergebnisse . . .

BAEHRENS: Leider ist es nicht möglich, ganz unmittelbar etwas zu tun. Das Land will, aber aus Berlin gibt es bislang keine Antwort auf unsere Anfragen.

Im Bundestagswahlkampf vor einem Jahr haben Sie gesagt, Sie seien gut darin, Allianzen zu schmieden. Das hätten Sie gelernt. Und das sei auch für den Weiterbau der B 10 wichtig. Gibt es diese Allianzen denn inzwischen?

BAEHRENS: Mit der Allianz vor Ort klappt es ganz gut. Ich bin ja zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hermann Färber initiativ geworden. Und gemeinsam haben wir uns mit Landrat Edgar Wolff, der IHK und einigen Bürgermeistern an Verkehrsminister Dobrindt gewandt. Jetzt müssen wir noch mit unseren Argumenten auf der Bundesebene durchdringen.

Es gibt andere Probleme und Herausforderungen, die sind noch viel, viel größer. Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Weltpolitik. Es gibt viele Kriege und furchtbares unendlich großes Leid. Macht Ihnen das als Politikerin und Mensch Angst?

BAEHRENS: Mich besorgt es sehr und die Erschütterung in mir ist groß, wenn ich die Bilder und Berichte aus dem Irak, aus Palästina, aus Syrien, Libyen oder der Ukraine sehe und lese. Es erfüllt mich mit großer Sorge, dass es so viele Konflikte gibt, die alle sehr schnell eskalieren.

Einer der Freunde des russischen Präsidenten Wladimir Putins ist ausgerechnet ihr Parteikollege und frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Macht Sie das nicht wütend?

BAEHRENS: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass Putin auch Vertraute im Westen hat. Vielleicht ist Schröder auch ein kritischer Begleiter Putins. Wir wissen ja nicht, was bei den Begegnungen passiert und gesprochen wird. Ich halte Gerhard Schröder für so klug, dass ich ihm zutraue, seine Kontakte so zu nutzen, dass es dem Wohl der Menschen dient.

Wo hat die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens in diesem Jahr Urlaub gemacht? Wo können Sie gut abschalten?

BAEHRENS: (lacht) Sie werden sich wundern, aber ich bin mit meinem Mann nach Berlin gefahren.

Jetzt machen Sie aber einen Scherz. Da sind Sie doch so oft . . .

BAEHRENS: Nein, das ist kein Scherz. Ich habe den Urlaub diesen Sommer tatsächlich in Berlin und im Berliner Umland verbracht, das wir mit dem Rad erkundet haben.

Hat es Ihnen denn gefallen?

BAEHRENS: Ja, sehr. Zuerst ging es in Richtung Osten, nach Köpenick, zum Müggelsee und zurück, und dann drei Tage von Berlin-Mitte aus auf dem Havel-Radweg über Potsdam, Werder, Brandenburg, den Breitlingsee nach Rathenow. Berlin und Umgebung sind echt eine Reise wert. Davor waren wir noch ein Wochenende mit dem Motorrad im Schwarzwald unterwegs. Das war auch richtig schön.

Sie sind in Berlin aber hoffentlich nicht in Ihr Büro gegangen?

BAEHRENS: Nur einmal. Das war so ausgemacht mit den Kollegen.

Und wo haben Sie während Ihres Urlaubs in Berlin gewohnt?

BAEHRENS: (lacht wieder) In meiner Wohnung, in der ich auch während der Sitzungswochen wohne. Die wollte ich endlich mal mit Leben füllen. Denn wenn Sitzungen sind, bin ich so gut wie kaum dort.

Seit knapp einem Jahr gehören Sie dem Deutschen Bundestag an. Macht Ihnen die Arbeit dort Spaß?

BAEHRENS: Ja, das macht es. Es ist natürlich nochmal eine größere Termindichte als in meinem früheren Leben. Und der Rhythmuswechsel zwischen den Sitzungswochen in Berlin und meinen Aufenthalten im Wahlkreis ist schon anstrengend. Aber die Aufgaben und Themen sind ausgesprochen spannend.

Jeder Sommer geht einmal zu Ende. Was wird für Sie als Göppinger SPD-Bundestagsabgeordnete im Herbst das wichtigste Thema sein?

BAEHRENS: Für mich persönlich wird das die Pflegereform sein. Im September wird es die Expertenanhörung geben, der Beschluss im Bundestag ist für den Oktober geplant. Ich denke, das von uns auf den Weg gebrachte Pflegestärkungsgesetz geht in die richtige Richtung. Die Pflegenden werden finanziell entlastet, die ambulante Pflege wird gestärkt, es wird mehr Betreuungskräfte geben. Das freue ich mich, wenn wir das hinbekommen.

Zur Person vom 26. August 2014

Heike Baehrens war bis zu ihrem Einzug in den Bundestag im vergangenen Jahr

Kirchenrätin und Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks Württemberg. Dort war die heute 58-Jährige unter anderem für die Themen Gesundheit, Alter und Pflege verantwortlich. Die Bankkauffrau und Diplom-Religionspädagogin, die seit 1988 SPD-Mitglied ist, gehörte von 1989 bis 1996 dem Stuttgarter Gemeinderat an. Heike Baehrens hat zwei erwachsene Töchter und wohnt in Stuttgart.