Zwei Mitarbeiter der ENBW, die die Anlagen auf dem Vorranggebiet am Kaisersträßle bauen will, erläuterten die Planung und ernteten dafür Beschimpfungen bis hin zu Beleidigungen.

In einem kurzen Rückblick auf die Windkraftplanung bei Adelberg stellte Bürgermeisterin Carmen Marquardt klar: "Wir sind nicht gegen die Energiewende und sind nicht nach dem St-Florians-Prinzip vorgegangen, sondern mit Argumenten." Damit schaffte es die Verwaltung tatsächlich, eins von drei vorgesehenen Bereichen auf Gemeindegebiet zu verhindern. Der Regionalverband strich die geplanten Anlagen nahe dem Kloster wegen des zu geringen Abstands zur Mittelmühle. Adelberg hatte dagegen unter anderem den Denkmalschutz des Kloster angeführt. Es sei jedoch keine "raumgreifende Landmarke wie beispielsweise das Kloster Neresheim", hatte die Denkmalschutzbehörde dagegen gehalten.

Nun stellten Michael Soukup und Matthias Trenkel von der ENBW fest, Ziel des drittgrößten deutschen Energiekonzern sei es, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien im Unternehmen von derzeit 19 auf 40 Prozent zu steigern.

Ursprünglich sollten auf dem als GP 01 bezeichneten Vorranggebiet zwischen Adelberg und Plüderhausen sechs Windräder entstehen. Nach einer weiteren Planungsstufe wurden sie auf drei reduziert. Jetzt ist es dem Rotmilan zu verdanken, dass eines in der Flugroute des auf der roten Liste stehenden Vogels, dessen Bestand als gefährdet gilt, gestrichen wurde. Dafür sollen nun Windräder einer neuen Generation mit einer Nabenhöhe von 164 Metern und einer Gesamthöhe von rund 230 Metern 750 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt aufgestellt werden.

Und ja - für die Anlagen liege eine positive wirtschaftliche Prognose vor, erklärten die ENBW-Mitarbeiter auf mehrfache Nachfrage. Und dass die Wirtschaftlichkeit bei derartigen Planungen eine große Rolle spiele, könnten die Adelberger daran erkennen, dass in Esslingen ein Projekt nach einjähriger Windmessung mangels Wirtschaftlichkeit aufgegeben worden sei.

Das Geständnis der beiden EnBW-Ingenieure, in Adelberg seien die Windmessungen nur fünf Monate lang von Dezember 2014 bis April 2015 erfolgt, nährte bei Gemeinderäten und Zuschauern - unter denen auch viele Mitglieder von Anti-Windkraft-Initiativen waren - den Verdacht, hier solle ein Projekt "durchgepeitscht" werden. Einerseits weil die Bundesförderung im nächsten Jahr gekürzt werden soll, andererseits weil derzeit auch neue, strengere DIN-Normen zur Schallmessung in Arbeit sind.

Die ENBW würde den Aufwand auch dann betreiben, wenn es keine Subventionen gäbe, erklärten die ENBW-Gäste auf die Frage von Gemeinderat Rolf Hasenwandel. Sie gaben aber zu, es habe der Förderung wegen in der Vergangenheit durchaus "Exzesse gegeben".

Ein Zuhörer ereiferte sich derart, dass er voller Wut in den Saal schrie: "Sie machen unsere Landschaft kaputt und unsere Natur! Das ist ein Saustall hoch zehn!" Und auch Gemeinderat Peter Regelmann fragte: "Was treibt die ENBW dazu, hier zwei so lumpige Windräder hinzustellen wo kein Wind weht?" Die Antwort war zuvor bereits mehrfach gefallen: "Nach unseren Windmessungen sind sie wirtschaftlich."

Pro Windrad muss beim Bau ein Hektar Wald (10 000 Quadratmeter oder in etwa die Größe von zwei Fußballfeldern) gerodet werden. Etwa die Hälfte lasse sich wieder aufforsten, erklärten die ENBW-Mitarbeiter. In die bis zu 3,50 Meter tiefen Fundamente werden 4000 bis 5000 Tonnen Beton und Armierung gegossen.

Wenn das Landratsamt die Planung genehmigt, der Antrag soll Ende April eingereicht werden, rechnet der Konzern damit, die Windräder im Oktober oder November 2017 in Betrieb nehmen zu können.