Donzdorf Blütenpracht mit Vorbildcharakter

Katzenminze, Phlox und Sonnenhut – die Stadt Donzdorf setzt bei der Bepflanzung öffentlicher Flächen, wie im Schlossgarten, auf heimische Stauden statt auf Wechselflor und hat damit gute Erfahrungen gemacht.
Katzenminze, Phlox und Sonnenhut – die Stadt Donzdorf setzt bei der Bepflanzung öffentlicher Flächen, wie im Schlossgarten, auf heimische Stauden statt auf Wechselflor und hat damit gute Erfahrungen gemacht. © Foto: Staufenpress
Donzdorf / Karin Tutas 04.09.2018
Das Grünkonzept der Stadt Donzdorf ist zum Vorbild für viele Kommunen geworden – auch für die Remstalgartenschau 2019.

In den Beeten vor dem Schlossrestaurant Castello blühen Mädchenauge, Katzenminze, Phlox und Sonnenhut. Versteckt zwischen uralten Parkbäumen schießen auf der 1000 Quadratmeter großen Hochstaudenwiese heimische Arten wie Blutweiderich, Astern und Taglilien bis zu zwei Meter in die Höhe – ein Festmahl für Insekten und Lebensraum für allerlei Kleingetier. Seit 15 Jahren bepflanzt die Stadt Donzdorf Beete, Straßenränder, Böschungen konsequent mit heimischen Stauden, verzichtet auf Pestizide im öffentlichen Grün und setzt auf organische Düngung und selbst gemischte Substrate.

„Wir waren Vorreiter“, erklärt Donzdorfs Grünflächenplaner und Umweltbeauftragter, Georg Krause. Inzwischen findet dieser Weg viele Nachahmer. Die Gemeinde Korb hat jüngst ein bereits für die Remstal-Gartenschau 2019 entwickeltes Grünprojekt verworfen, stattdessen beschloss der Gemeinderat einstimmig, das Grünflächenkonzept der Stadt Donzdorf zu übernehmen.

Es wuchs und wuchs und wuchs

Von Insektensterben war 2003 noch keine Rede, als sich die Stadt Donzdorf bei der Neugestaltung der Ortsmitte von Winzingen aus Kostengründen dafür entschied, auf öffentlichen Grünflächen Stauden statt Wechselflor zu pflanzen. Ein Konzept gab es damals nicht, „Wir haben einfach angefangen“, erzählt Krause. Ein Jahr später verabschiedete sich die Stadt endgültig von der klassischen Begrünung. Sukzessive entstanden neue Staudenbeete, auch auf repräsentativen Flächen. Und seit städtische Wiesen – auch im Schlossgarten – nur noch zweimal im Jahr gemäht und nicht mehr gedüngt werden, breiten sich dort wieder Feldblumen aus.

Das Donzdorfer Konzept, Natur in die Stadt zu bringen, ist mittlerweile im ganzen Land gefragt, nicht zuletzt, um Insekten und Kleintieren Nahrung und Lebensraum zu bieten. In Donzdorf sei es inzwischen Standard, bei Bauprojekten im Außenbereich auf Grünflächen gebietseigenes Saatgut auszusäen, sagt Krause, der landesweit ein gefragter Referent und Experte ist. Zum Beispiel blühen auf einer Fläche von rund 20 Hektar an den Böschungen entlang der Ortsumfahrung heimische Gräser, Kräuter und Wildblumen.

Interessant für Forschung

Das Hochstaudenbeet im Schlossgarten, einst als Pilotprojekt für eine wiesenartige Staudenfläche angelegt, steht dauerhaft unter Beobachtung und wird bei Fachtagungen, etwa der Landesumweltakademie, als beispielhaft vorgestellt. „Wir sind rege im Austausch mit denen, die forschen“, erzählt der Diplom-Biologe, dessen Rat auch bei der Einsaat des Rasens vor dem Landtag gefragt war.

Die blühenden Magerwiesen und Staudenbeete sind nicht nur gut fürs Ökokonto der Stadt, das derzeit gut gefüllt sei. Denn bei Baulanderschließungen muss die Kommune Ausgleichsflächen für die Natur ausweisen, zum Beispiel bei der Erschließung des geplanten Interkommunalen Gewerbegebiets mit Süßen und Gingen. Ein weiterer Vorteil des Donzdorfer Grünkonzepts liegt auf der Hand: Die Pflege der Stauden und heimischen Pflanzen sei viel einfacher – vorausgesetzt, sie passt zum jeweiligen Standort. Dabei stehe die Robustheit im Vordergrund, nicht die farbliche Abstimmung. In diesem Jahr hat die wochenlange Hitze den eigentlich unempfindlichen Pflanzen etwas zugesetzt. „Wir mussten gießen“, berichtet Krause. Aber in 15 Jahren sei das erst zweimal vorgekommen.

Biokonzept der Stadt Eislingen will auch Landwirtschaft ins Boot holen

Insektenschutz hat sich auch die Stadt Eislingen auf die Fahne geschrieben und in ein Rahmenkonzept zur Förderung der biologischen Vielfalt gegossen.  Rasenflächen werden zu Magerwiesen umgestaltet und Blühflächen angelegt, wo Insekten Nahrung finden.

Ziel ist, bis zum Jahr 2020  50 Prozent der öffentlichen innerstädtischen Grünflächen naturnah auszubilden und extensiv zu pflegen. Allein in diesem Jahr werden rund 25 000 Quadratmeter im Stadtgebiet und am Stadtrand umgestaltet.

Vertragsnaturschutz Grundstückseigentümer sollen für die naturverträgliche Bewirtschaftung ökologisch wertvoller Flächen belohnt werden.

Landwirtschaft Das Eislinger Konzept setzt auch auf ökologische Verbesserungen bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen. Zum Beispiel soll auf städtischen Pachtflächen der Einsatz des Pestizids Glyphosat verboten und Stickstoffdüngung an magereren und feuchten Grünland-Standorten ausgeschlossen werden. Weiter ist vorgesehen, die Neuverpachtung mit ökologischen Leistungen zu koppeln.

Personal Die Stadt schafft in der Verwaltung die Stelle eines zusätzlichen Grünplaners, der die Umsetzung der Vorhaben vorantreibt und überwacht.

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