Neubau Hang in Albershausen rutscht in Baugrube

Albershausen / Dirk Hülser 27.06.2017
Schäden an Häusern und Grundstücken: Das Landratsamt stoppt Bauarbeiten in Albershausen. Anwohner hatten frühzeitig vor dem Rutschhang gewarnt.

Ein rutschender Hang, Risse in einem Haus, klaffende Spalte in einer Hofeinfahrt: Eine offenbar nicht fachgerecht ausgehobene Baugrube sorgt in Albershausen für helle Aufregung. Trotz Warnungen der Anwohner und Hinweisen ans Landratsamt in der vergangenen Woche hat die Baubehörde erst am Montag reagiert. Nun wurde ein Baustopp verhängt, die Baugrube muss erst einmal wieder aufgefüllt werden.

„Wir haben vor zwei Jahren schon darauf hingewiesen, dass das ein Rutschhang ist“, sagt Anwohner Matthias Weiler. Der Technische Ausschuss des Albershäuser Gemeinderats hatte dem Baugesuch im September 2015 das Einvernehmen verweigert. Doch das Landratsamt stellte seinerzeit fest, dies sei auch nicht notwendig, da ein qualifizierter Bebauungsplan vorliege.

Auf den kleinen Bauplatz in dem Wohngebiet am Wolfhaldenweg will ein Bauherr ein Achtfamilienhaus mit Tiefgarage bauen. Entsprechend tief fiel die Baugrube aus. Bereits am Donnerstag sei zu erkennen gewesen, dass der Hang zu rutschen beginnt, berichtet Anwohner Weiler. „Am Samstag hat die Baufirma dann festgestellt, dass der Hang rutscht.“

Weilers Schwiegervater Waldemar Kunz berichtet, dass es seitens des Landratsamts am Freitag geheißen habe, „das wird schon seine Richtigkeit haben“. Als dann am Freitag doch noch ein Baukontrolleur kam, verlief der Besuch aus Sicht der Anwohner ernüchternd: „Eine dann doch vor Ort durchgeführte Besichtigung führte zu keinerlei Entscheidungen.“ Am Samstag wurde die Baugrube dann nochmals zwei Meter tiefer ausgebaggert. „Eine mittlerweile zweite hinzugezogene Baufirma stellte sofort fest, dass die ersten Baggerarbeiten dilettantisch waren, die Baugrube zu tief und zu nahe an den angrenzenden Grundstücken verlief“, sagt Kunz.

Im Prinzip bestätigt der Leiter des Bauamts im Landratsamt, Stefan Kraft, diese Einschätzung. Er war am Dienstag vor Ort und stellte fest: „Die Bauausführenden haben nicht sorgfältig gearbeitet.“ Das Landratsamt hat einen Geologen hinzugezogen. „Ich habe gestern angeordnet, dass die Baugrube wieder verfüllt wird“, sagte Kraft am Dienstag. So solle ein weiteres Abrutschen des Hangs verhindert werden. „Die Baufreigabe wird entzogen“, unterstrich Kraft. Wie es dann weitergehe, werde man sehen. Klar ist jedenfalls, dass der Hang im zweiten Versuch fachmännisch gesichert werden muss, etwa mit Erd-Ankern und Spritzbeton. Kraft glaubt auch, dass der Bauherr vor Baubeginn ein geologisches Gutachten hätte einholen müssen, was nicht geschah.

Bürgermeister Jochen Bidlingmaier ist derzeit im Urlaub, mehrere Stunden war am Dienstag die Albershäuser Hauptamtsleiterin Ilka Sieder vor Ort. „Mir war wichtig, dass man die Geschädigten zufriedenstellt“, sagt sie. Der Bauherr habe ihr versichert, für alle Schäden aufzukommen.

Unterdessen können die Kinder des Ehepaars Weiler ihren Spielbereich im Garten nicht mehr nutzen. Er wurde vom Geologen aus Sicherheitsgründen gesperrt. Anwohnerin Carmen Russ vermisst einen Teil ihres Gartens. „Die haben vom Grundstück einiges weggebaggert zum Auffüllen“, sagt sie und zeigt auf den Rasen, der unvermittelt an der Baugrube endet. Auch ihr Grenzstein wurde vom Bagger weggerissen und in das große Loch befördert. Carmen Russ ist enttäuscht über das Vorgehen der Behörden: „Man weiß manchmal nicht, was man machen soll und wie man sich wehren kann.“

Ähnlich sieht dies Waldemar Kunz: „All dieses hätte vermieden werden können, hätte sich irgendwer zuständig und vor allem kompetent gezeigt.“ Er erwarte von der „gesamten, zuständigen Verwaltung kompetentes und ernst genommenes Verhalten, mit zugehörigem Verantwortungsgefühl“.

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