2148 Fahrer musste die Polizei im vergangenen Jahr im Bereich des auch für Göppingen zuständigen Polizeipräsidiums Ulm anzeigen, weil sie unerlaubt ihr Telefon benutzten. Das bedeutet ein sattes Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Und dennoch ist damit vermutlich nur ein winziger Bruchteil derjenigen erfasst, die tatsächlich mit dem Telefon am Steuer hantieren. "Das Risiko, erwischt zu werden, ist sehr gering. Für die Polizei ist es überaus schwer, jemanden am Telefon zu erwischen", sagt Uwe Neher von der Fahrschule Speedy. Dabei gehörten telefonierende Fahrer fast schon zum täglichen Straßenbild. Das bestätigt auch Wolfgang Jürgens, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Ulm: "Das kennt jeder: Wenn wir im Auto unterwegs sind und uns umschauen, sehen wir immer mehr Menschen, die während der Fahrt telefonieren oder sonst das Telefon bedienen. Das ist extrem gefährlich." Und bei einem Unfall sei es sehr schwer nachzuweisen, dass die Ablenkung durch Smartphone-Nutzung die Ursache war, erklärt der Pressesprecher.

Bußgelder schrecken nicht ab

Die Abschreckung durch Bußgelder ist also eher gering. Zumal die Strafen bei Ersttätern überschaubar sind: 40 Euro plus Verwaltungsgebühr und ein Punkt sind die Regel. Abhilfe kann daher wohl nur eine Bewusstseinsänderung bewirken. Und dafür unternehmen die Fahrschulen einiges. "Wir zeigen Unfallstatistiken und Filmtrailer", bei denen es anhand konkreter Fälle deutlich wird, was passieren kann: "Zum Beispiel, wenn man deshalb ein Kind übersieht", sagt Daniel Cirfera von der Fahrschule Avanti. Es gebe mehrere Lektionen zu dem Thema, bestätigt Uwe Neher.

"Zwei Sekunden bei Tempo 50 aufs Handy zu schauen, bedeuten 28 Meter Blindflug", erklärt Pressesprecher Jürgens und betont: "Kein Telefonat, keine SMS oder WhatsApp-Nachricht ist es wert, das eigene Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer zu gefährden - deshalb werden wir auch versuchen, auch in diesem Feld die Kontrolldichte hochzuhalten."

Selbst Fahrschüler wollen ihre What´s-App-Nachrichten lesen

Wie stark die Gefahren zum Teil unterschätzt werden, zeigen die Erfahrungen der Fahrlehrer. Selbst während der Fahrstunden versuchten manche Fahrschüler das Telefon zu zücken. "Das Handy ist das Ein und Alles", sagt Fahrlehrer Jürgen Keller. Manche fragten auch, ob sie kurz rangehen könnten, berichten die Fahrlehrer. Dabei werde vor der Fahrstunde dazu aufgefordert, das Handy auszuschalten. "Manche schalten dann nur auf vibrieren", kennt Daniel Cirfera die Tricks.

Unterricht, klare Worte der Fahrlehrer, Kontrollen und Pressemeldungen scheinen aber doch Wirkung zu zeigen. Bevor die Smartphones Einzug gehalten hätten, sei beim Unterrichtsschwerpunkt Ablenkung zuerst der Beifahrer genannt worden. "Heute ist es das Handy", sagt Daniel Cirfera.

Auch Freisprechanlagen lenken ab

Weiteres Indiz dafür, dass die Botschaften in der Fahrschule ankommen, ist eine Beobachtung, die Uwe Neher gemacht hat: Das Smartphone am Steuer sei weniger ein Problem für jüngere Fahrer. In den Nachschulungskursen für Fahranfänger, die sich während der Probezeit etwas haben zuschulden kommen lassen, sei das Handy fast nie der Grund.

Besonders gefährlich ist das Hantieren mit dem Telefon, während man am Steuer sitzt. Doch auch die Nutzung einer Freisprechanlage kann vom Verkehr ablenken. Es komme auf die Art der Gespräche an, erklärt Jürgen Keller. Entsprechend weise er auch die Fahrschüler darauf hin und mache es an konkreten Beispielen deutlich. Einer aktuellen Studie aus den USA zufolge erhöht sich die Unfallgefahr durch den Faktor Handy ums Vierfache. Vor allem seit dem Aufkommen der Smartphones sei dieses Thema zum Problem geworden. Früher, zu Zeiten einfacher Handys, sei es noch etwas besser gewesen..