„Es ist ein langer Weg, Kinder zu kritischen Medienoptimisten zu erziehen. Fangen Sie noch heute damit an“, mit diesem Appell beendete Jan-Eric Albrecht am Mittwoch einen 45-minütigen Vortrag über Cybermobbing. Albrecht ist Realschullehrer in Süßen und als solcher mit Cybermobbing-Problemen seiner Schüler in der Praxis konfrontiert. Darüber hinaus ist er Schulnetzberater im Ostalbkreis am Kreismedienzentrum Schwäbisch-Gmünd. In dieser Funktion haben ihn Schulleiterin Simone Frank von der Grundschule Treffelhausen und Schulleiter Johannes Bartenbach von der Grund-und Werkrealschule Böhmenkirch nach Böhmenkirch eingeladen, um möglichst präventiv Tipps zu erhalten, wie Eltern Cybermobbing vorbeugen können.

Die Antwort lautet in erster Linie: Aufklärung und klare Smartphone-Regeln für Kinder. Jan-Eric Albrecht verdammt die digitalen Medien nicht, er macht jedoch auf ihre Gefahren aufmerksam. „Das Smartphone ist die perfekte Waffe, um andere fertigzumachen“, erklärte er den 40 Vätern und Müttern und „Sie stellen es bereit. Meistens ohne Regeln.“

Im Lauf seines Vortrags machte der Referent klar, dass Cybermobbingopfer sich selbst zu Hause nicht erholen könnten, weil sie auf dem Handy jederzeit neue „Angriffe“ ertragen müssten. Ein Cybermobber agiere anonym, publiziere seine Verleumdungen oder Fotos an viele Empfänger und sein Schuldbewusstsein gehe meistens gegen null. „Weil er sein Opfer nicht ansehen muss“. Oft seien die Eltern davon überzeugt, dass ihr Kind zu so etwas nicht fähig sei. „Aber sehr häufig sind gerade diejenigen Kinder Täter, denen so etwas selber schon passiert ist – als Art Selbstschutz“, informierte der Experte.

Oft fänden Chats und Whatsapp-Austausch nachts statt – und Kinder gewöhnten sich schnell daran, selbst im Schlaf auf Lautlos-Vibrationen zu reagieren. „Fernseher, PC und Handys haben in Kinderzimmern nichts verloren. Vor allem nicht nachts“, betonte Albrecht und bezog sich auf Studien der Wissenschaftler auf „kinderaerzte-im-netz.de“.

Er warnte davor, Kindern einfach vom WLAN abzuhängen und dann der Meinung zu sein, alle Internetgefahren gebannt zu haben. WLAN-Hotspots gebe es inzwischen an vielen Stellen einer Stadt wie etwa Fastfoodrestaurants oder neuerdings sogar in diversen großen Kleidungsgeschäften. „Außerdem können die Kids problemlos einander mit ihren Handys Hotspots ermöglichen.“

Albrecht informierte, welchem Typus Opfer und Täter oft zuzuordnen sind – und dass sehr oft ein Cybertäter als Grund angibt: „Ist doch nur Spaß!“

„Thematisieren Sie solche Cyberangriffe bei Ihren Kindern, reden Sie darüber, was man nicht macht und warum!“, forderte der Medienexperte die Eltern auf und ergänzte: „Bringen Sie Ihren Kindern bei, Medien kritisch zu nutzen und vermitteln Sie soziale Kompetenzen – etwa indem Sie selber in E-Mails oder auf Whatsapp höflich sind“, schlug er vor und gab als „besonders wichtigen Rat“ mit: „Überlegen Sie sich Regeln, bevor Sie Ihrem Kind ein Smartphone aushändigen, zum Beispiel, dass Sie den Inhalt regelmäßig kontrollieren dürfen.“

Die Fragen nach Ende seiner Ausführungen zeigten, dass die Besucher in vielen Bereichen unsicher waren, aber auch gut zugehört hatten. Als Tipp gab Jan-Eric Albrecht ihnen noch die enge Zusammenarbeit mit den Schulen und Lehrern mit auf den Weg.

Info Unter www.internet-abc.de/eltern sowie unter www.klicksafe.de können Eltern und andere Interessierte genaue Infos abrufen oder downloaden.