Kreis Göppingen Handwerk ehrt die besten Gesellen aus dem Landkreis

Kreis Göppingen / STEPHAN MAYER 11.12.2015
Gleich vier Gesellen aus dem Landkreis wurden beim 64. Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Bundessieger in ihrem Berufsfeld. Die Sieger wurden in Frankfurt am Main mit einer Urkunde geehrt.

"Es war ein gigantisches Erlebnis", freut sich Simon Läugner aus Ebersbach, einer von vier Bundessiegern aus dem Kreis Göppingen. Der 20-Jährige, der bei der Kunstgießerei Strassacker in Süßen sein Handwerk gelernt hat, gewann im Berufsfeld der Metallbildner mit Fachrichtung Ziseliertechnik. Dafür erstellte er eine vorgegebene Arbeitsprobe aus Kupfer und ein selbstgewähltes Gesellenstück. Bei Letzterem entschied sich Läugner, das eigene Familienwappen von 1572 in Bronze zu fertigen. Neben der Detailgenauigkeit überzeugte die Jury die Idee und Umsetzung der Arbeit. Über den Sieg freute sich auch sein Meister Ewald Heisig, den er mit der Nachricht in der Firma überraschte. Derzeit feilt Läugner selbst an der Ausbildung zum Meister, die er 2017 beenden wird. Und dann: "Es gibt sicherlich Möglichkeiten in der Firma zu bleiben", lacht der frisch gebackene Sieger bescheiden.

Beste in ihrem Handwerk ist auch Laura Rieg aus Eislingen. Die Zahntechnikerin bei der Firma Frey in Esslingen musste für ihre Gesellenprüfung in einem Zeitraum von fünf Tagen eine Totalprothese, einen Klammermodellguss und eine Brücke fertigen. Die Qualität überzeugte die Jury. Trotzdem kam der Sieg für Rieg überraschend: "Ich hätte mir nie erträumt zu gewinnen, schon beim Landeswettbewerb nicht", erzählt sie. Für Chef Hans-Alexander Frey war die Überraschung nicht so groß. Er habe das Talent der jungen Kollegin früh erkannt. Entsprechend konnte er die Ausbildungszeit für Laura Rieg um ein halbes Jahr verkürzen.

Ein glänzendes Bild lieferte Lea Theweleit aus Göppingen in Frankfurt ab. Als Siegerin im Berufsfeld der Fotografen bereitet sie sich nun auf ihre Karriere als selbstständige Fotografin vor. Zurzeit absolviert die 22-Jährige noch Praktika und arbeitet in Teilzeit in einer Marketingabteilung. Die Arbeit dort kommt ihr entgegen, denn Produktfotografie war auch Schwerpunkt ihrer Gesellenprüfung. Neben Kopfhörern und einem Weinkeller setzte Theweleit einen Schneebesen ins Bild. Das Küchenutensil suchte die Nachwuchsfotografin bewusst aus. Die Idee sei gewesen, Bewegungen, Schattenspiel und Wasseraufnahmen eines Alltagsgegenstands in einem Bild zu bewahren. Die Prüfungskommission überzeugte das: "Für einen selbst ist es eine Bestätigung und Wertschätzung der eigenen Arbeit", sagt die Fotografin.

In seinem Beruf überzeugt hat auch der 24-jährige Charles Fischer aus Hattenhofen. Der Lehrling der Firma Almü in Zell unter Aichelberg gewann im Bereich Schneidwerkzeugmechaniker. Das Spezielle an seinem Gesellenstück sei, dass der Vollhartmetall-Stufenbohrer mehrere Bearbeitungen ausführen könne. Bohr- und Fräsarbeiten an Stahl oder Aluminium seien damit kein Problem.

"Da der Beruf eher selten ist, konnte ich mir nach dem Landessieg schon etwas ausrechnen", erzählt Fischer. Gefreut hat er sich trotzdem: "Es war eine schöne Erfahrung und die Kulisse war toll", berichtet der Junghandwerker von der Ehrung in Frankfurt am Main. Derzeit absolviert Fischer neben der Arbeit im Betrieb die Fachhochschule, um ein Ingenieurstudium aufnehmen zu können. Die Doppelbelastung stört ihn dabei nicht.

Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, sagt angesichts dieser tollen Leistungen: "Mit ihrem Können und Tatendrang sind diese jungen Menschen Vorbilder für den handwerklichen Nachwuchs". Die Ausbilder könnten stolz auf sie sein.

Nachwuchs misst sich

Auswahl Bereits seit 1951 findet der Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks statt. Schirmherr der Veranstaltung ist der Bundespräsident. Teilnahmeberechtigt sind junge Handwerker aus 140 Berufen. Sie dürfen allerdings nicht älter als 28 Jahre sein. Die Gesellen treten dann in drei Wettbewerben gegeneinander an:

Die jeweilige Handwerkskammer ermittelt den Kammersieger anhand der höchsten erreichten Punktzahl im praktischen Prüfungsteil. Die ausgewählten Sieger erhalten eine Einladung und konkurrieren dann automatisch gegeneinander um den Titel des Landessieger. Am Ende wird der Bundessieger in einem nationalen Wettbewerb ermittelt. SWP

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