Uhingen Handgemachte Seife ist Luxus Stück für Stück

Uhingen / Andrea Maier 10.01.2019
Ganz klein fing alles an. Heute ist die Seifenmanufaktur Eulenhof weit über die Region hinaus bekannt.

An die 500 Jahre ist er alt, der denkmalgeschützte Eulenhof am Ortsrand von Uhingen. Seit zwölf Jahren leben und arbeiten hier Erika und Markus Hock mit ihren vier Kindern. Hühner picken ums Haus, eine Katze döst auf dem Fenstersims, Hunde flitzen umher. Noch weist kein Schild hierher, trotzdem ist der ‚Geheimtipp‘ längst weithin bekannt: die Eulenhofer Seifen-Manufaktur.

Dass es dort besonders riecht, ist anzunehmen – aber so? Welten entfernt von bedrohlichen Gerüche-Springfluten in Drogerie-Abteilungen, wird man hier von einem hinreißenden Düfte-Orchester empfangen: würzig, blumig, fruchtig, erdig, fröhlich, kraftvoll, geheimnisvoll, beschwingt – alles zusammen riecht wunderbar harmonisch. Über 40 verschiedene Seifen, dazu Körperbutter, Sheasahne, Lippenbalsam, Haar- und Rasierseifen plus jede Menge Zubehör bieten Erika und Markus im winzigen Hofladen an. Das tun sie auch auf zahlreichen Märkten weit über die Region hinaus und weltweit über ihre Homepage.

Jedes einzelne Produkt stellt Erika Hock selbst her, alles wird von ihr in der ziemlich engen Seifenküche berührt, gerührt und gegossen. Christine, Ute und eine weitere Kollegin kommen stundenweise, füllen ab, schneiden, lagern, sortieren, verpacken – sorgfältig von Hand. Markus und viele Helfer transportieren, bewerben und verkaufen die Hautschmeichler, und ein großer qualitätsbewusster Kundenkreis kauft und schenkt sich und anderen damit ein Stück Luxus.

Erika Hock wiegt gerade große Brocken reine Sheabutter ab, während sie erzählt, dass Markus und sie vor zwölf Jahren mit zwei kleinen Kindern in das damals leer stehende Gemäuer gezogen sind und sich in das Abenteuer Renovierung gestürzt haben. Sie hatte Kunstgeschichte studiert, Markus Hock verdiente in der Gastronomie, später in der IT-Branche ein bisschen Geld. Es reichte hinten und vorne nicht. Sie sammelten Kräuter und Äpfel, pressten Saft, mischten Öle und trugen das Selbstgemachte zum Markt. Irgendwann probierte Erika Hock, aus der Milch ihrer Ziegen Seife zu machen. Sie mochte das, was dabei entstand. „Mit vier verschiedenen Seifen und einem Klapptisch zogen wir auf den Markt.“ Sie lacht und gießt wertvolles Mandel- und Sesamöl zu der sanft geschmolzenen Sheabutter. „Ziegenmilchseife – das hatte sonst niemand.“

Sie trafen den Nerv der Zeit. Die Menschen sehnten sich nach ehrlichen, nachhaltig und gewissenhaft produzierten Pflegeprodukten. Erika Hock zwängt sich jetzt mit der Schüssel voll warmer weicher Masse an dem ausgedienten Bäckergestell vorbei, in dem auf zig Blechen weit über hundert Seifen aushärten. Mithilfe einer Küchenmaschine rührt sie alles sehr ausdauernd, sehr gleichmäßig, sehr cremig. „Noch fehlt der feine Duft,“ murmelt sie und tröpfelt naturreine Limetten- und Ginkgo-Extrakte in die ‚Sheasahne‘. „Eines unserer begehrtesten Produkte: vegan, ohne Konservierungsstoffe, reichhaltig pflegend.“ Jetzt schnell in die bereitstehenden Tiegel abfüllen, Deckel drauf und ruhen lassen.

Wenn am Nachmittag Christine und Ute wieder kommen, werden sie viele Näpfchen in vorbestellte Pakete packen und die ausgekühlten Seifen in Kartons sortieren, wo die duftenden Kostbarkeiten ruhen, bis der Verseifungsprozess nach ein paar Wochen abgeschlossen ist. Dann kann wieder frisch angerührte Seife in hübsche Förmchen oder in  ausgedienten Schubladen in Blöcke gegossen werden.

Die Sache mit der Ziegenmilch und den selbst gesammelten Kräutern wurde damals bald wegen rasant steigender Nachfrage abgelöst von Rohstoffen, die das Ehepaar unter strengen ökologischen und ethischen Gesichtspunkten auswählt und dazu kauft. Weil sie „aus Überzeugung nah an unseren Kunden“ waren und sind, genau zuhören und aufmerksam beobachten, haben sie sich das Vertrauen eines ständig wachsenden Kundenstammes erarbeitet.

Tochter Hannah lugt herein, Markus hat sie eben von der Schule abgeholt und Brezeln für alle mitgebracht. Zügig nimmt er sich die Nachrichten der Helfer auf den Märkten vor, um schnellstmöglich Nachschub zu liefern. Erika lässt ihn an einer der frischen Seifen in Blumenform riechen, die sie nebenbei aus den Formen gelöst hat. „Was meinst du?“ Er nickt, schnuppert nochmal. „Die ist es.“ Markus Hock kümmert sich vorwiegend um die Logistik, doch aus ungezählten Gesprächen mit Kundinnen und Kunden filtert er präzise Wünsche heraus, erspürt Entwicklungen und gibt die Informationen an seine Frau weiter. Die recherchiert Rezepte, probiert Neues und verfeinert Bewährtes. Gemeinsam entscheiden sie, was bei den Kunden ankommt. Beide hinterfragen immer wieder die Sinnhaftigkeit ihrer Produkte, ihrer Arbeitsweise, ihre Rohstoffe und Lieferanten. „Wir verkaufen nur, was wir selbst für gut erachten.“

Das Telefon klingelt pausenlos, die Vorräte schwinden rasend, Bestellungen fliegen in die Seifenküche, Erika Hock wiegt und mischt in bewundernswerter Gelassenheit, nebenbei erzählt sie, wie früher die Seifensieder mit Asche gearbeitet haben, dass ihre Oma noch Tierfett gegen Seife tauschen konnte und sie es als Kind geliebt hat, ihren Großeltern in deren Konditorei beim Rühren von Köstlichkeiten zu helfen …

Info Die Eulenhofer Seifen-Manufaktur von Erika und Markus Hock findet man im Eulenhofweg 7 in Uhingen, Tel. (07161) 9874557, Internet: www.dereulenhof.de.

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