Oratorium Händels Messias beim Sommerfestival: Ein großer Wurf

Mit Lockerheit, Intensität und Ausdruckskraft überzeugten der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata in der Oberhofenkirche bei ihrer Interpretation von Händels Messias.
Mit Lockerheit, Intensität und Ausdruckskraft überzeugten der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata in der Oberhofenkirche bei ihrer Interpretation von Händels Messias. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Ulrich Kernen 28.07.2017

Mit Georg Friedrich Händels „Messias“ hatte Gerald Buß das „Oratorium aller Oratorien“ für das Konzert in der Oberhofenkirche im Rahmen des Sommerfestivals Schloss Filseck ausgewählt. Die prächtigen Chöre haben schon manchen Dirigenten zu „Massenveranstaltungen“ verleitet mit gemeinsamem Bad im Schlamm des Pathos’. Buß ging den entgegengesetzten Weg und gewann dadurch viel. Sogar der zeitweilige Wechsel von der Orgel zum Cembalo nahm Klangballast heraus.

Die eher klein besetzte Capella Nova, bestehend aus erfahrenen und engagierten Sängerinnen und Sängern, behielt daher bis zum Schlusschor ihre Lockerheit. Zusätzlich leicht gemacht wurde es den Sängern durch das ebenfalls schlank besetzte Kammerorchester Nota Cambiata, das sehr einfühlsam auf Chor und Solisten reagierte. Da gewannen die einzelnen Chöre an Intensität und Ausdruckskraft, und der eine oder andere Geniestreich war auch dabei. Besonders schön zeigte sich dies zum Beispiel in dem Chor „Let us break their bonds asunder“. Auf das wütende Toben des Bösen  reagierten die Sänger mit heiterem Kichern und befreitem Lachen.

In den berühmten Jubelchören öffnete Gerald Buß die Schleusen aber doch ein wenig; da durften Pauken und Trompeten auch eine Klangkrone oben draufsetzen. Dennoch vermied er gerade hier pathetische Breite, zu der alles heruntergebügelt wird.

Als Solisten waren erfahrende Konzertsänger gewonnen worden (Leonie Zehle, Sopran; Sibylle Kamphues, Alt, Hans Jörg Mammel, Tenor, Michael Roman Bariton). Alle vier verfügten über große Stimmsubstanz. Im Messias wird ja keine biblische Geschichte erzählt; das innere Geschehen spielt sich auf der emotionalen Ebene ab. Da waren die Solisten besonders gefordert.

Die Sopranistin glänzte durch ein strahlendes Höhenregister und riskierte auch einmal ein bis an die Grenze gehendes Tempo („Rejoice greatly“). Völlig gelöst sang sie das persönliche Glaubensbekenntnis „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Mit wandlungsfähiger und ausdrucksstarker Stimme nahm sich die Altistin der Klage an: „Er ward verachtet und von den Menschen zurückgestoßen.“ Und im zweiten Teil füllte sie den Kirchenraum mit der Auferstehungsarie „Thou art gone up on high“. Tenor und Bariton waren vor allem bei den dramatischen Augenblicken in ihrem Element, der Tenor meisterte darüber hinaus die vielen Koloraturen souverän. Große Beweglichkeit bewies der Bariton in der Arie vom Jüngsten Gericht, wobei die engagiert geblasene Solotrompete in der hohen Lage vielleicht etwas zuviel tat.

Nicht unterschlagen werden darf schließlich aber auch nicht, mit welcher Spielfreude das Orchester seinen abwechslungsreichen, bunten Part meisterte – das macht einen Großteil des Charmes von Händels Messias aus. Eine stimmige, zu Herzen gehende Aufführung, die ein eigenes Gesicht hatte.

Lebensweg des Gesalbten vertont

Oratorium Händels „Messias“ ist seit seiner glänzenden Uraufführung im Jahr 1742 in Dublin ein Dauerbrenner. Beim Sommerfestival war nicht die deutsche, sondern die originale englischsprachige Fassung Händels zu hören. Erzählt wird in de, vor Evergreens strotzenden Oratorium der Lebensweg des „Gesalbten“ (wörtlich übersetzt für Messias) von der Verkündigung über Geburt und Kreuzestod bis zur Offenbarung.