Heimat Hägenmark und Fleckviehzucht

Bei der Manufaktur Rösch in  Auendorf gibt es viele Infos zur Produktion von Hägenmark.
Bei der Manufaktur Rösch in Auendorf gibt es viele Infos zur Produktion von Hägenmark. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Auendorf / Patricia Jeanette Moser 14.09.2018

Seit vielen Jahren führt Johannes Schulz, Landwirt und Gemeinderat aus Auendorf,  Menschen durch seine Heimatgemeinde. Das Interesse an dem idyllischen Flecka scheint ungebrochen zu sein, zum „Sommer der Ver-Führungen“ kamen wieder mehr Menschen als sich angemeldet hatten.

Am Treffpunkt, dem evangelischen Gemeindezentrum, erhielten sie gleich die ersten Infos zu Auendorf. Demnach wurde das damalige „Ganslosen“ erstmals  im Jahr 1100 urkundlich erwähnt. Um 1137 gab es die ersten Adligen im Dorf. Die Burg des Adelsgeschlechts stand seinerzeit da, wo heute der Funkmasten steht.

Bis aus Esslingen, Uhingen, Eislingen, Geislingen, Weiler und Schnittlingen kamen die Teilnehmer der Tour, um mehr über Auendorf zu erfahren, das einst Ganslosen hieß. Das hängt auch mit familiären Wurzeln zusammen, die in den Ort führen. So brachte ein Bürger aus Bad Boll, mit Vorfahren aus Auendorf, Bilder für Johannes Schulz mit. Zu sehen darauf das Häuschen der Großeltern und seines Vaters, das einst vor der evangelischen Kirche stand. Johannes Schulz kann sich noch gut an dieses Haus erinnern.

Bauer erhängt seinen Stier

Berühmt waren die Menschen aus Ganslosen einst für ihre Streiche, ähnlich denen der „Schildbürger Streiche“. Humorvoll erzählte Johannes Schulz die Anekdote, die zum Namen der heutigen Fasnetsgesellschaft, den „Hommelhenkern“ führte:

Einst wuchs ein Büschel Gras auf dem Kirchturm und die Bürger fragten sich, wie sie es entfernen könnten. Ein Bauer schlug vor, seinen Stier (Hommel) zu holen, der es fressen sollte. Der Bauer zog das Tier an einem Strick den Kirchturm hinauf. Schnell aber hing dem Bullen die Zunge aus dem Maul: Der Bulle war erstickt.

Diese und weitere Anekdoten finden sich auf dem Auendorfer Streichepfad.

Nicht fehlen durfte eine Spezialität, für die Auendorf bekannt ist: Hägenmark. Bei der Manufaktur Rösch sahen die Teilnehmer der Tour, wie das Gsälz entsteht. Seit 1850 wird es dort hergestellt. Waldemar Kraus führte mit schwäbischer Herzlichkeit durch die Hägenmarkproduktion. Im Hofbereich gab es zur Stärkung Hefezopf mit Hägenmark und zahlreiche hofeigene Produkte.

„Zopfa isch a Arbet“, meinte Seniorchef Waldemar Kraus zur Hagebutten-Ernte. Diese bezieht das Familienunternehmen zum Großteil aus Bulgarien. Zahlreiche Hagebuttensträucher sind einst der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Außerdem sei es schwer, Pflücker zu finden. Aus 500 bis 600 Kilo entstehen 400 Gläser Marmelade. Ganzjährig erzielt die Manufaktur Rösch 50 000 Gläser Hägenmark. Tee und andere Produkte werden auch noch hergestellt. Diese werden sogar in München auf dem Viktualienmarkt verkauft.

Ende der Beweidung

Ein letzter Anlaufpunkt am Nachmittag war der landwirtschaftliche Betrieb von Johannes Schulz. Junge Kälbchen blickten mit Neugier auf die Besucher. Frische Milch servierte Nicole Schulz, studierte Landwirtin und Tochter von Johannes Schulz, den Anwesenden. Etwa  100 Hektar Land umfasst der Betrieb. 20 Hektar davon sind Ackerland, auf dem Mais und Getreide wachsen. Ganzjährig füttert Familie Schulz ihr Fleckvieh mit Silage. Die Tiere werden im engen Auendorfer Tal nicht mehr auf die Weide geführt. Das habe laut Johannes Schulz eine schlimme Ursache: Einmal jagte eine Kuh einem Hund hinterher, wobei ein Auto beschädigt wurde.

Am alten Rathaus erwarteten die Backhausfrauen Johanna und Nicole Schulz und Monika Doll die Gäste mit frisch gebackenem Brot und original Auendorfer Mütschele – ein Hefeteiggebäck gefüllt mit Hägenmark. Den Hock begleitete Heinz Drexler aus Schlat, der auf einer Steirischen spielte.

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