Geschichte Gruß aus der Heimat an den Luftschiffer Bittlingmaier

Der Salacher August Schäfer hat diese Karte 1917 per Feldpost an seinen in Bulgarien stationierten Freund geschickt.
Der Salacher August Schäfer hat diese Karte 1917 per Feldpost an seinen in Bulgarien stationierten Freund geschickt. © Foto: Margit Haas
Salach / Margit Haas 21.08.2018

„Deine Karte erhalten,  besten Dank dafür“, schreibt ein Salacher am 28. März 1917. Und später wünscht er dem Empfänger „frohe Ostern im Feindesland“. Es ist August Schäfer Junior, der diese Karte nach Bulgarien schickt – seinen Absender hat er auf dem Kopf stehend geschrieben. Die Karte ist unfrankiert, denn Feldpost wurde kostenlos befördert. Dort, weit im Osten, ist sein Freund, der Luftschiffer Bittlingmaier stationiert.

Wie der Empfänger mit Vornamen heißt, konnte Bernd Brzuske nicht recherchieren. Das Mitglied des Postwertzeichen-Sammelvereins Göppingen hat die Postkarte aus einem Nachlass erhalten. Sie zeigt auf der Vorderseite die Kaiserfamilie. Das ist aber nicht das Bemerkenswerte an dieser Karte. Das Besondere ist vielmehr die Tatsache, dass ein Salacher bei der kaiserlichen Luftschutztruppe 18 in Bulgarien stationiert war. „Von dort aus wurde der gesamte Mittelmeerraum angeflogen“, weiß Brzuske, Sammler aus Leidenschaft ist. Denn er begnügt sich nicht damit, die Postkarten, Briefmarken oder Geldscheine zu katalogisieren und dann in der Schublade verschwinden zu lassen. Vielmehr recherchiert er die Hintergründe, hat im Sammeln seine „Form der Auseinandersetzung mit der Geschichte gefunden“.

Und deshalb weiß der Göppinger, dass in Jamboli in Bulgarien verschiedene Luftschiffe, nicht nur der Firma Zeppelin, stationiert waren. Ein Foto zeigt das LZ 101. Ein weiteres war das L 59. Es war von Jamboli aus auf Befehl des Oberkommandos der kaiserlichen Marine Richtung Deutsch-Ost-Afrika aufgebrochen, um den dortigen Truppen zu Hilfe zu kommen. „Die Entfernung betrug fast 6000 Kilometer“, betont der Bartenbacher.

Ob der Salacher Luftschiffer bei diesem Flug dabei war, kann er nicht sagen. Gleichwohl ist es für Brzuske bemerkenswert, dass ein Soldat aus der schwäbischen Provinz als Luftschiffer gedient hat. „Das war eine Elite-Einheit“, weiß der Sammler. „Sicher wurde er von seinen Zeitgenossen um diesen Standort beneidet“, vermutet Brzuske. Denn: „Die Technik der Luftschifffahrt war gerade einmal zehn Jahre alt und absolut faszinierend.“ Das habe sich auch an Pfingsten 1909 gezeigt, als das Luftschiff des Grafen Zeppelin in Jebenhausen an einem Birnbäumchen hängen blieb und tausende nach Jebenhausen pilgerten. Wie der Luftschiffer – das war die offizielle Bezeichnung – Bittlingmaier zu der Kriegsluftschiffflotte kam, ob er einen entsprechenden Beruf erlernt hatte, ob er den Krieg überlebt oder mit einem der Luftschiffe über dem Meer verschollen ist, ob noch Nachfahren in Salach leben, das hat er bislang nicht in Erfahrung bringen können.

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