Kreis Göppingen/Berlin Gruppe aus dem Landkreis erkundet Berlin

Vor dem Reichstagsgebäude: Damen der Eislinger Frauen-Aktion und Feuerwehrführungskräfte aus dem Landkreis bei ihrem Besuch in Berlin.
Vor dem Reichstagsgebäude: Damen der Eislinger Frauen-Aktion und Feuerwehrführungskräfte aus dem Landkreis bei ihrem Besuch in Berlin. © Foto: Inge Czemmel
INGE CZEMMEL 08.09.2015
Erfahren wie es im politischen Apparat funktioniert - die Einladung der Abgeordneten Heike Baehrens (SPD) ermöglichte 50 Bewohnern aus dem Kreis Göppingen einen Blick hinter die Kulissen in Berlin.

Wie und wo genau wird in Berlin Politik gemacht? Was treibt eigentlich der Bundesnachrichtendienst (BND) und wem gehört der rote Koffer in der ehemaligen Stasi-Zentrale? 20 Damen der Eislinger Frauen-Aktion (Efa) und 30 Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Göppingen sind vor kurzem in Richtung Berlin gestartet, um gemeinsam diesen und anderen Fragen nachzugehen.

Zunächst konnte festgestellt werden, dass bei der Bahn die Uhren tatsächlich anders ticken. "Hamses nicht passend?" Mit Genauigkeit hatte es nur die Bistro-Servicekraft. Endlich angekommen hieß es: ab über die Mauer. Nicht über die Berliner, sondern über die Chinesische und das in einem Höllentempo. Ausgestattet mit 3D-Brillen und in einer virtuellen Rikscha sitzend, kreischten emanzipierte Frauen und gestandene Feuerwehrmänner im Babelsberger Filmstudio um die Wette. "GZSZ? Nie gehört, nie gesehen. Wo kommt das? Auf RTL? Muss ich morgen mal anschauen."

"Taschen abgeben", "Hut ab", "Eng beieinander bleiben, damit es nicht zu Vermischungen kommt". - Wer anderntags den Plenarsaal von innen sehen wollte, folgte den harschen Aufforderungen. Zur Belohnung gab es eine Abkühlung von heißen 36 auf gefühlte 21 Grad und eine Vielzahl an interessanten Informationen. Am Ende wussten die Besucher nicht nur auf welchem Stuhl Angela Merkel immer sitzt, sondern auch wie "das Regieren" vonstatten geht. Auch über die Geschichte und die Architektur des Hauses war viel zu erfahren.

Sitzen und schwitzen, hieß es beim anschließenden Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD). Während sie detailliert über ihre Arbeit, ihre Ziele und ihr Gehalt Auskunft gab, vergrößerten sich die feuchten Stellen auf T-Shirts, Blusen und Hemden rasant.

"Lachen oder heulen?" - Was die Referentin in der ehemaligen Stasizentrale zeigte und berichtete, machte betroffen, klang teilweise unglaublich und reizte trotz allem in der Nachbetrachtung manchmal zum Lachen. Plünderte doch die Stasi beispielsweise monatelang Päckchen aus dem Land des Klassenfeindes, um die eigene Bevölkerung mit rationiertem Kaffee zu versorgen. Heute gibt's in Berlin fast nichts, was es nicht gibt und so erhielten die Gäste aus dem Schwabenland im italienischen Restaurant selbstverständlich Maultaschen zum Abendessen.

Ob der Bundesnachrichtendienst die Schwaben im Visier hat, wurde in der BND-Zentrale nicht verraten. Dafür aber vieles über die Geschichte, die Struktur und die Aufgaben. Mit nachrichtendienstlichen Methoden, die natürlich nicht verraten wurden, beobachten BND-Mitarbeiter politische, wirtschaftliche und militärische Entwicklungen anderer Staaten sowie den internationalen Terrorismus, die organisierte Kriminalität, die Cyber-Sicherheit und die Weitergabe von ABC-Waffen und Wehrtechnik.

Einer interessanten Stadtrundfahrt und der Besichtigung der Eastside-Gallery folgte ein Vortrag im Willy-Brandt-Haus, der Parteizentrale der SPD. Pünktlich zur anschließenden Schifffahrt auf der Spree kühlte ein Regenguss die Berliner Luft, deren ganz besonderen politischen Duft die Teilnehmer drei Tage lang einatmen durften.