Gruibingen Gruibingen wandelt sein Gesicht

Blick in die Gruibinger Ortsdurchfahrt: Etliche Häuser sind saniert worden. Auch neue sind entstanden, wie das am rechten Bildrand.
Blick in die Gruibinger Ortsdurchfahrt: Etliche Häuser sind saniert worden. Auch neue sind entstanden, wie das am rechten Bildrand. © Foto: Giacinto Carlucci
Gruibingen / Jürgen Schäfer 30.08.2018
Das Sanierungsgebiet in der Ortsmitte läuft nach 15 Jahren aus. Mit 1,5 Millionen Euro hat es viel Aufwertung beflügelt.

Lange war sie ein Mauerblümchen, die Ortskernsanierung von Gruibingen. Aber dann blühte sie doch noch auf. In 15 Jahren Laufzeit entschlossen sich 15 Hausbesitzer, die Zuschüsse von Land und Kommune für Sanierungen zu nutzen. Hinzu kam die Sanierung der Alten Turnhalle in der Maierhofstraße. 522 000 Euro flossen so in den Gebäudebestand. So resümiert das Bürgermeister Roland Schweikert am Ende einer Wegstrecke, das gar nicht das Ende sein soll, sondern nur eine erste große Etappe. Denn weitergehen soll es mit einem anderen Fördertopf, dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR).

Die Ortskersanierung war ein Segen für Gruibingen. Der Blick in die Hauptstraße zeigt es. Die Ortsdurchfahrt hat ihr Gesicht verändert – auch dank des Landessanierungsprogramms. Die breiten hellen Gehwege, ein Merkmal der neuen Mitte, sind damit gefördert worden. Fast 3000 Quadratmeter waren das, sagt Schweikert, und noch einmal 900 Quadratmeter sollen hinter dem Rathaus dazukommen. Dort sind drei Häuser abgebrochen worden, zwei neue sollen kommen, und ein Dorfplatz dazu. Nur bekommt die Gemeinde für diese Flächen aus der Ortskernsanierung nicht mehr die vollen Zuschüsse, sondern nur noch für die Planung. Weil jetzt der Schlussstrich gezogen wird. Im September wird abgerechnet, und gleichzeitig sollen die Grundlagen für die anschließende Förderung aus dem Entwicklungsprogramm erarbeitet sein. Schweikert ist damit gut beschäftigt.

Ideen gibt es noch genug

Noch weiterer Straßenraum ist mit der Ortskernsanierung aufgewertet worden. Am Lammhof und Schafhof, zusammen 1800 Quadratmeter, sodann am Kirchplatz. Offen ist für Schweikert noch der Wunsch, den breiten hellen Gehweg vom Kirchplatz bis zur Fußgängerampel beim Martinshaus weiterzuführen. „Dann wäre er durchgängig bis auf Höhe der Adlergasse, die auf der anderen Straßenseite zum Mohrengarten führt“, erläutert er. Gut möglich, dass sich das mal mit ELR-Zuschüssen machen lässt. Die seien sogar habhafter für Projekte im Straßenraum, sagt Schweikert.

Nicht zu vergessen: 26 Hausabbrüche sind mit dem Landessanierungsprogramm gefördert worden. So viele Häuser sind im alten Ortskern in 15 Jahren verschwunden. Die Zuschüsse waren kein Pappenstiel. Sie summierten sich auf 461 000 Euro. Ein Abbruch kostet ganz schön, weiß der Schultes, und 80 Prozent Zuschuss ist ein Wort. Sieben Neubauten sind entstanden, in der Regel größer als die alten Häuser, und es kämen noch weitere hinzu, weiß Schweikert. Die Gemeinde war selber dabei mit Abbrüchen, bei den Häusern hinterm Rathaus und einem alten Bauernhaus an der Königstraße. Es stand auf einem Grundstück, das die Gemeinde im Hinblick auf Betreutes Wohnen gekauft hat.

Gemeinde zahlte 40 Prozent aus eigener Tasche

In der Summe sind das 1,5 Millionen Euro, die in die Bausubstanz und Infrastruktur geflossen sind. Guter und neuer Wohnraum ist entstanden. Dabei kamen 60 Prozent der Zuschüsse vom Land, 40 Prozent musste die Gemeinde selber beisteuern. Bürgermeister Schweikert zieht Bilanz: „Anfangs ist es schleppend gelaufen, hintennaus kam Schub. Es wäre jetzt auch gut weitergelaufen.“  Zuletzt kamen einige Hausbesitzer nicht mehr zum Zug. „Aufstocken ging nicht mehr, und verlängern auch nicht“, so Schweikert. Auch hier hofft er auf Ersatz durch das ELR.

Was Schweikert besonders freut: Die Hauptstraße hat von der Ortskernsanierung profitiert. Acht Häuser seien saniert, zwei neu gebaut worden. Eines davon sei gleich mal ein Sechs-Familienhaus mit Mietwohnungen. Das sei auch schon vermietet – für Schweikert keine Überraschung. „Wenn ich fünf Häuser und fünf Wohnungen anzubieten hätte, würde ich nur noch am Telefon hängen.“ Die Nachfrage sei groß.

Junge Leute kaufen und sanieren

Es ziehen sogar junge Leute aus dem Ort in die Hauptstraße, betont Schweikert. Sie haben Häuser gekauft und saniert. Man muss wissen: Nicht jeder will in der Hauptstraße wohnen. Von hier aus hat sich mal eine Bürgerinitiative formiert, die gegen Umleitungsverkehr zu Felde zog, der aus diversen Baustellen an der Autobahn und an der künftigen Bahnstrecke resultierte. Schweikert sieht die Situation an der Hauptstraße geteilt. Vorne sei Lärm, hinten im Garten sei’s ruhig. Und wenn mal der Albaufstieg der Autobahn gebaut sei, in hoffentlich zehn Jahren, habe Gruibingen ein ganz normales Verkehrsaufkommen.

Schweikerts Fazit: „Die Ortskernsanierung hat sich absolut gelohnt.“ Er spricht damit auch den finanziellen Einsatz der Gemeinde an, für die 40 Prozent Eigenbeteiligung eine Menge Holz war. Es müsse jetzt aber weitergehen mit dem anderen Zuschussprogramm, das dann ohne Geld der Gemeinde laufen würde. Es sei noch viel zu sanieren oder auch abzubrechen in Gruibingen.

Zuschüsse für kleinere Gemeinden mit dörflicher Prägung

Ziele Das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) fördert Sanierungen von älteren Häusern und kommunalen Vorhaben – allerdings ohne Garantie. Der Topf hat ein Limit und das Land setzt Schwerpunkte, was gefördert wird. Die Förderung muss jährlich beantragt werden.

Interesse Etliche Kreisgemeinden und Teilorte sind oder waren im ELR. So zum Beispiel Schlat, Eschenbach, Börtlingen, Mühlhausen, Oberwälden, Teilorte von Böhmenkirch und Geislingen. Aufhausen ist sogar eine Schwerpunktgemeinde, sie hat Fördervorrang. Es müssen Gemeinden oder Orte bis zu 3000 Einwohnern und mit dörflicher Prägung sein.

Nutzen Beispiel Schlat: Zuschüsse gab’s für den Dorfplatz, den Backhausplatz oder die Sanierung der Turnhallenstraße – letzteres gleich mal mit 200 000 Euro. Der Umbau des einstigen Farrenstalls wurde gefördert. ebenso privater Mietwohnungsbau. Für Bürgermeisterin Gudrun Flogaus ist dieser Zuschusstopf nicht mehr wegzudenken.

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