Kirche Grüß Gott Frau Pfarrerin (18)

Die 57-jährige Katrin Schipprack-Tröndle ist Pfarrerin in Börtlingen und Birenbach.
Die 57-jährige Katrin Schipprack-Tröndle ist Pfarrerin in Börtlingen und Birenbach. © Foto: Staufenpress
SWP 25.02.2017

In ihrer eigenen Kirchengemeinde sind Pfarrer bekannt oft auch weit darüber hinaus. Doch welche Menschen stecken dahinter? Wie denken sie? Ein Fall für unseren Fragebogen, der immer samstags an dieser Stelle erscheinen wird. Grüß Gott, Frau Pfarrerin.

Warum haben Sie Ihren Beruf gewählt?

Katrin Schipprack-Tröndle: Ins Theologiestudium bin ich über eine Freundin „hineingerutscht“. Es war keine bewusste Entscheidung für diesen Beruf. Nach einem Praktikum bei einem Pfarrer konnte ich mir diesen Beruf für mich vorstellen.

Welche Gründe gibt es heute, Pfarrer zu werden?

Der Beruf ist sehr vielseitig mit vielen Möglichkeiten diesen zu gestalten. Man hat mit Menschen jeden Alters und mit der Bandbreite des ganzen Lebens zu tun. Auch unsere Zeit braucht Menschen, die sich Gedanken machen über „Gott und die Welt“ und die die christliche Botschaft weitergeben. Nebenbei: Die evangelische Kirche sucht Nachwuchs – die Aussichten auf eine Arbeitsstelle sind nicht schlecht.

Woran glauben Sie?

Ich glaube, dass Gott mit seiner schöpferischen Kraft Menschen und Situationen zum Guten verändern kann. Ich glaube, dass nach dem Tod mein Leben bei Gott weitergeht, in welcher Form auch immer. Und ich hoffe, dass mich dieser Glaube, wenn es „ernst“ wird, auch trägt.

Wie passen für Sie Wissenschaft und Glaube zusammen?

Das ist kein Widerspruch, sondern sind zwei Seiten einer Medaille. Die Wissenschaft fragt wie etwas geworden ist, der Glaube fragt, wer hinter allem steht.

Wie wirkt eine leere Kirche bei Gottesdiensten auf Sie?

Ich feiere gerne mit denen, die da sind, den Gottesdienst. Über Zahlen mache ich mir wenig Gedanken. Und manchmal bedaure ich diejenigen, die sich diese Stunde zum Nachdenken, Kraft finden, zum Feiern und Singen entgehen lassen.

Was muss die Kirche tun, damit wieder mehr Menschen in die Kirchen kommen?

Sich nicht in Aktionismus und ständig neuen Projekten verlieren, sondern dem heiligen Geist etwas mehr zutrauen. Menschen seelsorgerlich begleiten und Gesprächspartnerin sein. Und versuchen zu vermitteln, dass Glaube und Bibel nichts „Verstaubtes“ sind, sondern dass die biblische Botschaft aktuell und wichtig ist.

Wie beurteilen Sie die Haltung der Kirche/der Kirchen zu gesellschaftlichen Veränderungen (z. B. Umgang mit Homosexualität, geschiedene Kirchenmitglieder, die wieder kirchlich heiraten wollen)?

Wenn Menschen, die sich lieben und Verantwortung füreinander übernehmen, dazu um Gottes Segen bitten, dann sehe ich darin nichts Verkehrtes, im Gegenteil. Mir ist nicht bekannt, dass es bei der Trauung von Geschiedenen Probleme geben würde. Ich finde es gut, dass die Landeskirche sich dieses Jahr mit dem Thema „Segnung von homosexuellen Paaren“ beschäftigen wird. Auch andere aktuelle Fragen greift die Kirche auf. Die Landeskirche hat sich im November 2016 für ein Exportverbot von Kleinwaffen und für eine Beschränkung von Waffenexporten ausgesprochen und legt damit den Finger in eine offene Wunde. Sie spricht sich klar für den Schutz von Flüchtlingen aus und problematisiert die zunehmende Kluft von Arm und Reich in unserer Gesellschaft. Und ohne den stillen, aber beharrlichen Widerstand der Kirche wäre bald jeder Sonntag ein verkaufsoffener Sonntag. Also ich finde, da tut sich einiges und das begrüße ich.

Ist der Zölibat für Sie heute noch zeitgemäß?

Das war er für mich noch nie. Wenn jemand sich aus freien Stücken für diese Lebensform entscheidet – Respekt. Das diese Lebensform für Priester zur Pflicht gemacht wird, finde ich sehr schwierig.

Was ist Ihre Lieblingsstelle in der ­Bibel?