Uhingen Grünes Licht für Weilenberger Hof 3

Das geplante Neubaugebiet von Westen aus. Anders als die Darstellung nahelegt, sind bei den kleineren Häusern nicht nur Satteldächer erlaubt. Rechts unten sieht man das bestehende Gebiet Weilenberger Hof 2, rechts oben den Charlottensee.
Das geplante Neubaugebiet von Westen aus. Anders als die Darstellung nahelegt, sind bei den kleineren Häusern nicht nur Satteldächer erlaubt. Rechts unten sieht man das bestehende Gebiet Weilenberger Hof 2, rechts oben den Charlottensee. © Foto: Visualisierung: Büro mquadrat
Uhingen / Ingrid Zeeb 24.07.2018
Sehr viele Anregungen aus der Bürgerbeteiligung seien in den Bebauungsplan eingeflossen, sagt der Bürgermeister.

Der Bebauungsplan „Weilenberger Hof 3“ ist auf den Weg gebracht. Der Uhinger Gemeinderat fasste bei einer Gegenstimme aus der SPD den Aufstellungsbeschluss. „Anregungen aus dem Workshop sind zu einem sehr großen Teil in den Bebauungsplan eingeflossen“, sagte Bürgermeister Matthias Wittlinger. Nach dem abgelehnten Bürgerentscheid hatte die Stadtverwaltung mehr Bürgerbeteiligung zugesagt. „Wir haben hier deutlich mehr Bürgerbeteiligung als vom Gesetzgeber vorgesehen,“ so der Bürgermeister.

Die Erschließung erfolgt über die Verlängerung der Stauferlandstraße. Von dieser aus führen drei längliche Ringstraßen nach Norden, sodass man in Abschnitten erschließen kann, sagte der Planer Manfred Mezger vom Bad Boller Büro „mquadrat“. Fünf Bautypen gibt es: Mehrere zwei- bis dreistöckige Mehrfamilienhäuser mit Flachdach, die teils 9,50 und teils 6,50 Meter hoch sind. Zu den Außenrändern des Gebiets hin überwiegt Einzel- und Doppelhausbebauung, deren Dachform variabel ist. Pro Wohneinheit müssen 1,5 Stellplätze nachgewiesen werden, bei den Mehrfamilienhäusern in Tiefgaragen. Außer Wohnhäusern sind auch Läden, Gaststätten und „nicht störende Handwerksbetriebe“ erlaubt.

 Erschlossen wird das Gebiet, das laut Regionalplan 90 Einwohner pro Hektar bringen muss, über eine einzige Zufahrt. Das Straßenverkehrsamt sieht das kritisch, doch der Planer stellte fest: „Es fehlen die Alternativen. Eine zweite Zufahrt wäre, wenn überhaupt, nur unter sehr hohem Aufwand möglich.“ Sollte die Stauferlandstraße einmal gesperrt sein, werde eine Zufahrt über den Baronenwald-Feldweg ermöglicht, das gelte auch für die Drehleiter der Feuerwehr.

Rainer Frey (FWV) stellte fest: „Die Begrenzung auf drei Geschosse ist uns ganz wichtig, das haben wir den Bürgern versprochen“, und: „Die Zufahrt über die Stauferlandstraße stand von Anfang an fest.“ Weil die Bebauung im Nordosten auf 35 Meter an den Baronenwald heranreicht, wünschte er, dort die äußersten drei Bauplätze vorerst nicht zur Bebauung freizugeben, ein Wunsch, dem sich alle anderen Fraktionen anschlossen. Die FDP wollte sogar sechs ‚Bauplätze „einfrieren“, fand aber dafür keine Mehrheit.

Susanne Widmaier (SPD) vermisste Aussagen zu einem Energiekonzept: „Auch Fassadenbegrünung ist nicht enthalten, das war aber ein Anliegen aus den Workshops.“ Auch wünschte sie genauere Regelungen, wie die Privatgärten zu begrünen sind, denn: „Sonst reicht ja ein Rollrasen mit Glyphosatbehandlung.“

Manfred Mezger sagte, Solar- und Fotovoltaikanlagen seien zulässig. Man dürfe im Bebauungsplan nur das regeln, was im Gesetz stehe. Er schlug stattdessen vor: „Die Stadt kann beim Verkauf Auflagen zum Energiestandard machen.“ Fassadenbegrünung sei bei Privathäusern mit ihren kleinteiligen Fassaden schwierig, meinte er. Und Pflanzvorschriften für die Gärten müsse die Stadt dann auch kontrollieren.

Sabine Braun (CDU) wollte beim Energiestandard nicht zu viele Vorschriften machen: „Junge Leute sind oft umweltbewusster, als wir denken.“ Ihre Fraktion jedenfalls freue sich auf das Wohngebiet. Keine Mehrheit fand ein Antrag aus den Reihen der FWV, in der äußersten Baureihe im Süden, Westen und Norden nur Satteldächer zu erlauben, damit die Optik dem bestehenden Gebiet Weilenberger Hof 2 ähnlicher ist.

Ackerbodennutzung, Buntbrache und Hecken als ökologischer Ausgleich

Gutes Ackerland geht durch das Neubaugebiet verloren, das stellte Planer Manfred Mezger klar. Durch eine Reihe ökologischer Maßnahmen wird für den Eingriff in die Landschaft, wie es das Gesetz verlangt, ein Ausgleich geschaffen. 4,4 Hektar des acht Hektar großen Gebiets würden durch die Bebauung versiegelt, sagte er. Verloren gehe kein wertvolles Biotop, wohl aber Lebensraum für Goldammern und Feldlerchen, was aber kein Bebauungsverbot begründe. Der wertvolle Ackerboden muss abgetragen und zur Aufwertung weniger wertvoller Ackerflächen verwendet werden. Auf Flachdächern ist Dachbegrünung vorgeschrieben. Die Kaltluftabflussbahn entlang des Tobelbaches muss freigehalten werden. Zisternen zur Brauchwassernutzung sind ebenso Vorschrift wie Gräben zur Ableitung von Dachflächenwasser. Außerdem wird es detaillierte Pflanzgebote geben, sowohl für die privaten wie die öffentlichen Flächen.

Hohe Bedeutung bei den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen hat die Aussaat einer „Buntbrache“, einer Wiese mit Wildkräutern am südlichen Rand des Gebiets. Gepflanzt und von der Stadt Uhingen dann auch gepflegt werden müssen eine freiwachsende Hecke im Süden Richtung Baronenwald und ein kleiner „Landschaftspark“ mit einzelnen Bäumen am Nordostende des Gebiets.

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