Ferienkultur Grüne Mitte: Tausende bestaunen Lichtermeer

Rechberghausen / Evelyn Krix 05.08.2018
Zahlreiche Lichtquellen wurden in Rechberghausen für das zehnte Sommernachtsfest aufgestellt.

Brennen, leuchten, glimmen: Ein Lichtermeer durchzieht Rechberghausens Landschaftspark – typisch für das traditionelle Sommernachtsfest. „Weiß der Geier oder weiß er nicht“, spielt die Band Alarm Live, während ein Stelzenläufer an der Bühne vorbei läuft. Es ist noch längst nicht Dämmerung, da spazieren schon zahlreiche Menschen durch den Landschaftspark oder pilgern gerade dorthin. Fast alle Bierbänke vor der Bühne sind voll besetzt.

Ulrike Stegmiller und Velemir Pankratov vom Stuttgarter Orpheus Theater basteln gemeinsam mit einigen Kindern Fische und Meerjungfrauen. Pappformen bekommen Haare, ein bisschen Glitzer und werden an Holzspieße geklebt. Ihre Werke sollen später bei der Vorstellung „Die kleine Meerjungfrau“ nach Hans Christian Andersen zum Einsatz kommen. „Dadurch schaffen wir noch tiefer den Einstieg in die Fabel“, erklärt Stegmiller. Auch die Eltern stiegen so tiefer mit in das Erlebnis ein.

Als sich die kleine Meerjungfrau ihren Traum vom Menschsein erfüllen will, schwimmt sie zur Meereshexe. Den Weg dorthin dürfen die fünf Mädchen mit ihren gebastelten Meerjungfrauen darstellen. Für ihren Wunsch muss die kleine Meerjungfrau ihre Stimme hergeben und sich von der Hexe die Zunge rausschneiden lassen. Ihr Prinz, für den sie ein Mensch sein will, verliebt sich aber in eine andere. Die kleine Meerjungfrau wird dann zu einem Lichtwesen. „Sie muss auf die irdische Liebe verzichten, um eine unsterbliche Seele zu bekommen“, sagt Stegmiller.

Zum vierten Mal trägt die Narrenzunft Furchenrutscher eine eigens geschriebene Geschichte um Wicki und die starken Männer zum Fest bei. „Starke Männer haben wir ja genug“, sagt Vizepräsident Michael Schilling. Anfangs habe man sich noch gemeinsam Filme angeschaut, um Geschichten schaffen zu können. Die diesjährige sei schon in drei Tagen fertig gewesen: Die Idee wurde freitags besprochen, am Samstag geschrieben und am Sonntag überarbeitet. Diesmal mit Erzählerin: „Das hilft uns ungemein weiter.“ Sie könne die Handlung um die Sprechrollen der einzelnen Wikinger aufbauen.

Mit ihrem Drachenboot, dass der örtliche Bauhof einst gebaut hat, wollen die Wikinger der Furchenrutscher auf die Suche nach dem schrecklichen Sven gehen. Immer wieder versuche er, an die Schätze der Wikinger zu kommen, sagt die Erzählerin. Glück habe er bisher keines gehabt. Von ihrem Schiff aus beobachten die Wikinger ihren Feind, wie er vergeblich versucht, seinen Thron aufzustellen. Weil er das nicht schafft, stellen sie fest, dass von ihm wohl keine Gefahr ausgeht und fahren zurück nach Hause.

Im Hintergrund hört man die Tanzvorstellungen der Gruppen „Flawless“ und „Kamikaze Crew“, die sich zwei Mal mit der Band Alarm Live abwechseln. Kinder tanzen, hüpfen und grölen zu der Musik auf der Freifläche vor der Bühne. Selbst bei der ersten Lasershow springen sie noch durch die bunten Lichtstrahlen. Je später es wird, desto voller wird die Grüne Mitte. „Ich bin zufrieden. Erstens mit dem Wetter und dass es beim Publikum noch so gut ankommt“, sagt Kulturbeauftragte Olga Arendt. Mit der Dunkelheit wird es im Park immer gemütlicher: Bäume werden bunt angestrahlt. Teelichter, Fackeln und Feuerstellen flackern am Wegrand. Aufgestellte Baumstämme brennen und glühen von innen. Herausgebrochene Teile, die auf der Wiese landen, löscht die Feuerwehr.

Für die Atmosphäre habe man sich für die zehnte Auflage des Festes richtig ins Zeug gelegt, sagt Arendt: „Wir haben doppelt so viele Lichter aufgestellt.“ Sie schätzt, dass 240 Fackeln und 400 Teelichter im Park verteilt sind. Am Hang liegen rund 30 neue, leuchtende Bälle. Mit Lichtern endet das Sommernachtsfest im Landschaftspark auch: Pyrotechniker Charlie Bartosch aus Wangen hat dafür ein siebenminütiges Feuerwerk geplant. Die Musik habe er passend ausgewählt. Ruhig fange es an und steigere sich bis zum Schluss. Neu in seinem Programm sei die „rote Crossette“: „Da geht eine Kugel hoch und die zerteilt sich in vier.“

Für das Finale hat der Pyrotechniker Silberweiden ausgewählt, die „kommen langsam den Himmel herunter wie bei dem Baum“. Auf jeder einzelnen Batterie klebt eine Nummer, die die Sprengreihenfolge kennzeichnet. Etwa 700 Schuss werden per Funk ausgelöst, erzählt Bartosch.

Infokasten

34 Zeilen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel