Eislingen Grandios gescheitert

Die Schauspieler Heike Feist und Stephan Plepp gestalteten mit Texten von und über Joachim Ringelnatz sowie Papier-Requisiten einen ganz besonderen literarischen Abend.
Die Schauspieler Heike Feist und Stephan Plepp gestalteten mit Texten von und über Joachim Ringelnatz sowie Papier-Requisiten einen ganz besonderen literarischen Abend. © Foto: Axel Raisch
Eislingen / AXEL RAISCH 20.10.2015
Ein grandioses Scheitern erlebten die Besucher am Sonntag in der Stadthalle Eislingen. Dort gaben die Schauspieler Heike Feist und Stephan Plepp einen ganz besonderen Ringelnatz-Abend.

"Wir wollen mit Ihnen baden gehen, abstürzen, scheitern." Heike Feist und Stephan Plepp ließen keinen Zweifel daran, wie der Abend am Sonntag in der Eislinger Stadthalle enden sollte. Das richtige Programm zur richtigen Zeit. Doch Feist und Plepp bewegen sich mit ihrem Programm in einem anderen Jahrhundert, konkret zwischen 1883 und 1934.

Feist und Plepp beleuchteten die Zeitspanne, in der Joachim Ringelnatz, der als Hans Bötticher geboren wurde, meist verkannt wurde, zu kämpfen hatte und vieles doch mit Humor und Glaube meisterte. Die beiden Schauspieler, die ihren erweiterten Absturz mit einem großen Aber verbinden, könnten sich daher keinen besseren Kronzeugen als Ringelnatz wünschen: "Wir wollen schöner scheitern, denn jedes Scheitern ist auch eine Chance."

Wie das gelingen kann, demonstrieren Heike Feist und Stephan Plepp eindrucksvoll anhand des Lebens von Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz, das sie von der Geburt im sächsischen Wurzen bis zum Tuberkulosetod in Berlin anhand zentraler Ereignisse des Scheiterns, aber auch des Weitermachens, des Nicht-Aufgebens zeigten. Fein eingewoben waren in das Programm die Texte des Poeten und Malers. Die reduzierten Requisiten waren dabei ganz aus Papier, dem Material, das viele Texte von Ringelnatz konservierte, die uns bis heute im Gedächtnis sind. Das Papier wirkt unscheinbar, aber man kann so viel daraus machen. Auf der Bühne stellte es mal Lederhose, mal Schiff dar, bei widrigen Bedingungen ist es anfällig, hat schnell einen Knick und wirkt so ein wenig wie die Metapher auf Böttichers Leben.

In 90 Minuten ließen die beiden Schauspieler Ringelnatz mit Liedern, Zitaten, Briefen und Anekdoten lebendig werden und hinter seine Texte blicken. Und bezogen das Publikum ganz direkt in das Auf und Ab der Ringelnatz'schen Vita ein. Am Tiefpunkt wurden Groschen gesammelt, um das Überleben Hans Böttichers zu sichern, auf dem Höhepunkt wurden die Erfolge gefeiert und berühmte Kollegen wie Tucholsky in den Reihen entdeckt.

Letztendlich starb Ringelnatz völlig verarmt - wegen des Auftrittsverbots durch die Nationalsozialisten - aber auch mit der Erkenntnis, in seinem Privatleben nicht gescheitert zu sein. Seine Frau Leonharda stand ihm in schlechten wie guten Tagen bedingungslos bei, lediglich Nachwuchs blieb dem kinderlieben Paar vorenthalten.

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