Miteinander Gottesdienst vereint Flüchtlinge

„Das einzig Konstante ist das Inkonstante“, sagt Pastor Holger Panteleit über den Gottesdienst für Flüchtlinge. Was nicht fehlen darf, ist das gemeinsame Singen.
„Das einzig Konstante ist das Inkonstante“, sagt Pastor Holger Panteleit über den Gottesdienst für Flüchtlinge. Was nicht fehlen darf, ist das gemeinsame Singen. © Foto: Giacinto Carlucci
Ebersbach / MARLEN KOSPER 26.07.2018

Im Bezirkszentrum Credo finden sich jeden zweiten Freitag um 19 Uhr Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt ein, beispielsweise aus dem Irak, Kurdistan, und Nigeria, um am Gottesdienst „Special Services for Refugees with Lots of Songs and Prayers“ teilzunehmen. Dieser steht unter der Leitung von Martin Villafana, der selbst aus Trinidad-Tobago stammt. Villafana habe einen ganz anderen Draht zu den Menschen, da er selbst einmal in einer ähnlichen Situation war, erklärt Pastor Holger Panteleit von der evangelisch-methodistischen Kirche.

Seit Februar findet die Andacht im Credo statt, davor wurde eine Kirche genutzt. Panteleit erklärt: „Dieser Gottesdienst ist unkonventionell und nicht so, wie man ihn sich vorstellt.“ Da er sich jedes Mal anders gestaltet, bereite er nur noch Bausteine dafür vor. „Das einzig Konstante daran ist das Inkonstante“, fügt der Pastor mit einem Augenzwinkern hinzu.

Einen wichtigen Bestandteil nimmt das gemeinsame Singen ein. Es wird in verschiedenen Sprachen gesungen, darunter Deutsch, Englisch und Arabisch. Auch einige Soli der Gottesdienstteilnehmer dürfen nicht fehlen. Der Gesang und die lobpreisenden Liedtexte führen zu einer friedlichen, stimmungsvollen Atmosphäre.

Nach der ausgedehnten musikalischen Einlage verabschieden sich die Jüngeren, die mittlerweile zahlreich zur Andacht erscheinen, in die Kinderstunde. Währenddessen trägt der Pastor den Erwachsenen, oft auch mehrsprachig, eine biblische Geschichte vor und analysiert anschließend, die Zuhörer miteinbeziehend, was man daraus lernen kann und was die Kernaussage ist. Das habe sich bisher am besten bewährt, meint Panteleit. Dieses Mal schildert er die Geschichte vom blinden Bettler Bartimäus, der Jesus um Hilfe bittet. Die Anwesenden und der Geistliche arbeiten heraus, dass Jesus alle beim Namen kennt und sich die Menschen ihm anvertrauen sollen. Anschließend leitet Villafana wieder den Gottesdienst. Nach einem gemeinsamen Gebet und dem Segen durch Pastor Panteleit neigt sich die Andacht dem Ende zu. Einigen der Gottesdienstbesuchern gefällt die Veranstaltung so gut, dass sie auch zur Sonntagspredigt erscheinen und dort mithelfen.

Vor zweieinhalb Jahren während der Flüchtlingswelle wurde dieser Gottesdienst unter der Obhut von Martin Villafana ins Leben gerufen. Er selbst lebt schon seit 14 Jahren in Deutschland und ist Gemeindemitglied. Auf die Frage, wie ihm die Idee zu dieser Veranstaltung kam, erzählt er folgendes: In einer Flüchtlingsunterkunft in Ebersbach habe er einen Nigerianer kennengelernt und angefangen, Bibelstunden anzubieten. Nach einiger Zeit ging er auf die Gemeinde zu und fragte, ob es möglich sei, einen Gottesdienst für diese Menschen auf die Beine zu stellen. Seitdem arbeite er ehrenamtlich aus Liebe zu Gott. „Das Schönste ist zu sehen, wie sich die Kinder daran erfreuen und dass ich allen von Jesus erzählen kann.“

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