Konzert Goldberg-Variationen auf Marimba in Donzdorf

Donzdorf / Ulrich Schlecht 02.10.2018

Johann Gottlieb Goldberg, ein 1727 geborener Schüler Johann Sebastian Bachs, wird, obwohl er ein guter Pianist war, nicht davon geträumt haben, dass sein Name in die Musikgeschichte eingehen wird. Das geschah jedoch dadurch, dass Bach ein Variationenwerk schrieb, das jenem Schüler zugedacht worden war und deshalb später dessen Namen erhielt – die Goldberg-Variationen BWV 988. Dieses Meisterwerk war am Samstagabend im Roten Saal des Donz­dorfer Schlosses zu erleben.

Bach hat das Werk für ein zweimanualiges Cembalo konzipiert, doch wird es heute meist auf dem Konzertflügel gespielt. Es gibt aber auch eine Fassung für zwei Klaviere, eine Transkription für Streichtrio und für noch andere Besetzungen, und diesmal war eine Fassung für Marimba zu hören, gespielt von Katarzyna Mycka und Conrado Moya, einem Duo, das sich als hochmusikalisch und bestens aufeinander eingestimmt erwies.

Die in ihrer heutigen Gestalt noch recht junge Konzertmarimba mit Holzklangstäben und metallenen Resonanzrohren würde man zunächst nicht unbedingt mit Barockmusik in Verbindung bringen; doch der Einsatz einer Bassmarimba als Zweitinstrument bot Möglichkeiten des Differenzierens ähnlich wie bei einer zweimanualigen Spielweise, was dem Vortrag gut bekam, und nach einer Eingewöhnungsphase des Ohrs stellte sich ein großer Hörgenuss ein.

Ausgehend von einer eigenen Komposition, einer Aria aus dem Notenbüchlein für seine Frau Anna Magdalena, schrieb Bach nach präzisem Plan dreißig Variationen. In zehn Dreierfolgen werden je eine tanzartige Form, ein freies Virtuosenstück und ein Kanon vorgetragen, die vielseitiger nicht sein könnten. Man muss jedoch die durchdachte Architektur nicht kennen und die perfekte Symmetrie nicht in Acht nehmen, um die humorvolle, immer wieder  anders ansprechende Musik genießen zu können.

Fast tänzerisch glitten die Ausführenden an ihrem Instrument entlang, tupften hier und klapperten dort, zeichneten mit ihren jeweils vier Schlägeln die musikalischen Muster nach und erzeugten gelegentlich fast raumsprengende Klangballungen. Exemplarisch geriet der Schluss. Nach einem Moll-Lamento (Variation 25) geht es über kurze virtuose Passagen zum letzten Kanon, der als Quodlibet zwei Volkslieder kombiniert. Auch diesen Satz, sonst gern etwas behäbig oder gar derb genommen, gestalteten die beiden ungemein dezent und elegant, um dann mit der Wiederholung der Aria einen fast wehmütigen Abgesang zu zelebrieren. Großer Applaus für große Kunst! Ulrich Schlecht

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