Göppingen Göppinger Theatertagen droht das Aus

Göppingen / Joa Schmid 22.03.2018
Schlechte Aussichten für die Göppinger Theatertage: Das Kreisjugendamt möchte das renommierte Festival nicht mehr länger ausrichten.

Als Kulturbanause will Lothar Hilger nicht gelten. Und die Göppinger Theatertage hält der Leiter des Kreisjugendamtes für ein hohes kulturelles Gut. Das hindert ihn jedoch nicht daran, die weitere Ausrichtung des Festivals durch das Kreisjugendamt in Frage zu stellen.  Die finanziellen und personellen Anforderungen stünden nicht im Einklang mit den Pflichtaufgaben seines Amtes, fasst Hilger zusammen, was auch eine vom Landkreis beauftragte  Unternehmensberatung jüngst moniert hatte. „Das muss auf den Prüfstand.“

Tatsächlich schlagen die Theatertage – ein internationales Festival, zu dem Amateurtheatergruppen aus dem In- und Ausland alle zwei Jahre eingeladen werden – beim Kreisjugendamt mit jährlich 45.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen nach Angaben des Amtsleiters 750 Arbeitsstunden jährlich.  Sie müssten als Überstunden gerechnet werden und entsprächen einer halben Personalstelle, sagt Hilger.  Die Stadt Göppingen beteiligt sich mit 15.000 Euro, Unternehmen steuern weitere 26.000 Euro bei. „Es stellt sich die Frage, wie viele Personen von diesem Aufwand profitieren“, gibt der Kreisjugendamtseiter zu bedenken. Bei der klassischen Klientel des Kreisjugendamtes würde das Geld jedenfalls nicht ankommen.  Da passt es  ins Bild, dass die Zahl der Zuschauer erstmals stark gesunken ist.

Hilger erinnert daran, dass das Kreisjugendamt eigentlich für andere Dinge zuständig ist, etwa die Sicherung des Unterhalts und des Kindeswohls. Für diese Pflichtaufgaben gibt der Landkreis jährlich 27 Millionen Euro aus. Noch einmal drei Millionen Euro sind für die freiwilligen Leistungen fällig. „Damit fördern wir das Haus  der Familie, Beratungsstellen den Wettbewerb ‚Jugend musiziert’ und auch die Theatertage.   Entschieden sei zwar noch nichts. „Wir von der Fachbehörde beabsichtigen aber, nach alternativen Ausrichtern zu suchen“, kündigt Hilger an.

 Bisher mit mäßigem Erfolg.  Sowohl die Stadt Göppingen als auch freie Theater hätten abgewunken, berichtet Hilger. Und  der Freundeskreis Theatertage sei nicht  in der Lage, die Theatertage alleine  zu stemmen.  Trotzdem will Hilger weitere Gespräche mit den bisherigen Kooperationspartnern führen.  Es gehe darum, die Organisation und Ausrichtung der Theatertage auf neue Beine zu stellen – man wolle ihnen keinesfalls schaden.

Die Geschichte der Göppinger Theatertage

1963 fanden die ersten „Göppinger Spieltage“ statt. Initiiert wurden sie von dem Theaterpädagogen Richard Wild. Professor Andergassen wurde mit ins Boot geholt. Der Österreicher prägte mit Wild zusammen die Anfangszeit der Spieltage und machte sie zu einem der renommiertesten Festivals für anspruchsvolles Amateurtheater. Im Jahr 1990 wurde das jährliche Treffen in „Göppinger Theatertage“ umbenannt. Veranstalter ist das Kreisjugendamt gemeinsam mit dem Freundeskreis Göppinger Theatertage.

2007 wurde das internationale Festival um die Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis Göppingen erweitert. Im Jahr 2011 fielen die Theatertage, seit 2005 ohnehin nur noch alle zwei Jahre ausgerichtet, dem Spardiktat des Landkreises zum Opfer. 2013 feierten die Theatertage ihre Rückkehr und zugleich ihren 50. Geburtstag. Heute gelten die Theatertage nach dem hessischen Korbach als ältestes Amateurtheatertreffen Deutschlands.

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