Glasfaser Göppingen ist beim Glasfaser-Ausbau führend

Um nicht jedes Mal aufs Neue die Straße aufbaggern zu müssen, werden zum Teil bereits Leerrohre fürs schnelle Internet bei Straßenbauarbeiten verlegt – falls die Glasfaser nicht ohnehin schon im Zuge der Arbeiten mit unter die Erde kommt.
Um nicht jedes Mal aufs Neue die Straße aufbaggern zu müssen, werden zum Teil bereits Leerrohre fürs schnelle Internet bei Straßenbauarbeiten verlegt – falls die Glasfaser nicht ohnehin schon im Zuge der Arbeiten mit unter die Erde kommt. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Nadine Vogt 02.10.2017
Schnelles Internet für mehr Lebensqualität: Der Kreis Göppingen ist beim Ausbau der zukunftsorientierten Glasfasertechnologie ein mustergültiges Vorbild.

Der Landkreis sticht heraus. Im Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums sind Göppingen und Umgebung als heller Fleck in einem dunkelgrauen Flächenbild gekennzeichnet, neben Kornwestheim einer der einzigen in weiter Ferne. Das bedeutet: Beim Glasfaserausbau und speziell bei der FTTB-Technologie, bei der die Glasfaserkabel fürs schnelle Internet direkt bis ans Gebäude verlegt sind, ist Göppingen in Baden-Württemberg ganz vorne mit dabei.

Der Landkreis hat sich vor einigen Jahren eine Strategie zum schnellen Internet erarbeitet und diese kontinuierlich verfolgt. Und das ohne großen Kostenfaktor. Denn vom Kreis sind kaum Gelder in den Ausbau geflossen, sondern vor allem in die Manpower im Hintergrund. Das ist vor allem der Verdienst von Kreiswirtschaftsförderer Alexander Fromm. Auf seine Initiative hat der Kreis, als einer der ersten im „Ländle“, einen sogenannten „Backbone-Masterplan“ erstellt. Eine Karte, aus der hervorgeht, wo es bereits Glasfaser gibt und wo noch Nachholbedarf besteht.

Bereits vor vier Jahren hat Göppingen damit einen großen Schritt in Richtung digitale Zukunftsorientierung getan. Die Stadt Stuttgart hat beispielsweise ihren Masterplan erst in diesem Jahr in Auftrag gegeben. „Ich habe mir den Breitbandausbau auf die Fahnen geschrieben“, sagt Alexander Fromm. „Glas ist Daseins-Vorsorge.“

Mit der Firma Imos hat der Kreis einen Partner gefunden, der die Verleg- und Anschlussarbeiten übernommen hat. „Imos hat sich von Beginn an sehr stark engagiert“, sagt Fromm. Das habe der Strategie des Landkreises in die Karten gespielt: Zahlreiche Gespräche hat Fromm mit Internetanbietern und Kommunen geführt, um Göppingen und Umland durch private Anbieter ans schnelle Netz zu bekommen. Die Firma Imos, bei der die Energieversorgung Filstal (EVF), eine Tochter der Stadtwerke Göppingen und Geislingen, als Gesellschafter tätig ist, hat einen Großteil dieser Aufgabe geschultert. Angefangen hat es beim Anschluss eines Gewerbegebietes, mittlerweile durchzieht eine Glasfaserachse die Kreisstadt, an die über 95 Prozent der Haushalte angeschlossen sind.

Dennoch, so vorbildhaft sich der Landkreis dem Thema Digitaler Zukunft angenommen hat, gibt es noch offene Baustellen. So stellen sich dem Wirtschaftsförderer in Rechberghausen rechtliche Hürden in den Weg. Die Gemeinde wollte im Gewerbegebiet selbst Glasfaser verlegen. Kurz zuvor baute die Telekom dort aber mit dem sogenannten Vectoring ihr Angebot aus. Dabei wird das Glasfaser an Verteilerkästen angeschlossen. Die letzten Meter zum Haus werden mit Kupferkabeln überbrückt. Beim Vectoring sind Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich. Die Gesetzeslage sieht vor: Wer Anschlüsse von 50 Mbit/Sekunde in seiner Gemeinde hat, darf als Kommune selbst nicht mehr tätig werden. „Wir sind ständig dabei Lobbyarbeit zu betreiben“, sagt Fromm, der mit Anbietern verhandelt, um für Rechberghausen einen Konsens zu schaffen. Zwar ist Fromm der Meinung, dass ein solider Internet-Anschluss über Kupferkabel besser sei, als gar keiner. Zum Beispiel in entlegenen Gehöften, wo sich wirtschaftlich Glasfaser nicht lohnt. Aber er sagt auch deutlich: „Das reicht im nächsten Jahr vielleicht schon nicht mehr.“ Viele Kommunen ergreifen immer öfter selbst die Initiative und wollen nachrüsten: Jüngst hat der Gemeinderat Donzdorf den Breitbandausbau beschlossen. Die Planung für das innerörtliche Netz ging an die RBS wave GmbH. Vom Bund werden Projekte zum Breitbandausbau mit bis zu 50 000 Euro gefördert.

Der Landkreis hat in Alexander Fromm einen engagierten Experten im Amt, der den Breitbandausbau so fordert und fördert, wie es der Bund in seiner Digitalen Agenda festgeschrieben hat. Denn er findet: „Das gehört auch zur Lebensqualität“. Ein dunkler Fleck, auf „seiner“ sonst so hellen Breitbandkarte des Kreises, ist Fromm der Rasthof Gruibingen. Weder Internetanschluss noch Handyempfang, gebe es dort. Auch Auendorf und Aufhausen nennt er als Beispiele mit (Glasfaser)-Aufbaupotenzial. Diesen will er sich in Gesprächen mit möglichen Providern annehmen, um so die letzten, dunklen Stellen im Kreis zu beseitigen.

Schneller vernetzt: Digitale Zukunftstechnologien

FTTB (Abkürzung aus dem Englischen für: „Fibre to the basement“): Bei dieser Herangehensweise werden die Glasfaserkabel bis zum Gebäude verlegt. Von FTTH (engl.: „Fibre to the house“) ist die Rede, wenn die Kabel bis ins Gebäude hinein verlegt sind. Die Glasfaser gilt als Technologie der Zukunft, ist empfindlicher als das Kupferkabel, zwar mit sehr hohen Anschlusskosten verbunden, aber in der Übertragungsrate von Netzdaten am Schnellsten und Stabilsten.

Vectoring: Beim Vectoring werden die Glasfaserkabel bis zu den Verteilerkästen verlegt, von dort gehen die Daten über (bestehende) Kupferkabel in die Gebäude. Vor allem die Telekom ist hier als Netzbetreiber aktiv. Da beim Vectoring-Ausbau auf bestehende Strukturen zurückgegriffen wird, sind die Ausbau-Kosten bedeutend geringer. dine