Uhingen Gewerbegebiet polarisiert weiter

Die Bürgerinitiative „Kein Gewerbepark Fils“ wirbt mit Plakaten, aber auch mit umstrittenen Flyern für ihr Anliegen.
Die Bürgerinitiative „Kein Gewerbepark Fils“ wirbt mit Plakaten, aber auch mit umstrittenen Flyern für ihr Anliegen. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Ingrid Zeeb 15.05.2018
Am Mittwoch wird das Verkehrsgutachten  zum geplanten Gewerbepark Fils zwischen Ebersbach und Uhingen vorgestellt. Der Widerstand der Gegner hält an.

Mit Spannung dürften viele in Uhingen und Ebersbach auf den Informationsabend am Mittwoch in Nassachmühle warten. Dann wird das Verkehrsgutachten zum geplanten interkommunalen Gewerbepark Fils der Öffentlichkeit vorgestellt, das neben anderen Expertisen Grundlage für die Planung sein wird.

Eine Bürgerinitiative kämpft seit Monaten gegen das Gewerbegebiet und beschwört in einem aktuellen Flyer eine drohende „Nutzung als Logistikzentrum mit Hochregallagern und minimalem Arbeitsplatzangebot“. herauf. Solche Szenarien seien völlig aus der Luft gegriffen, versichert Matthias Wittlinger, Uhinger Bürgermeister und Vorsitzender des  Zweckverbandes Gewerbepark. Die Bürgerinitiative „Kein Gewerbepark Fils“ wisse das, und arbeite trotzdem mit unwahren Behauptungen. Er kritisiert: „Wir gehen bewusst zu einem so frühen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit, und dann wirft man mir vor, dass ich noch nichts Genaues sagen kann.“

Kritik kommt jedoch auch aus der Uhinger SPD. Mit Blick auf den Mittwochabend sagt die Fraktionsvorsitzende Susanne Widmaier: „Wir als Gemeinderäte haben das Gutachten leider nicht vorab bekommen. Das hätten wir uns aber gewünscht, damit wir vorher reinschauen und am Mittwoch gleich auf Bürgerfragen antworten können.“ Bürgermeister Wittlinger sagte zu, den Gemeinderäten das Gutachten noch rechtzeitig vor der Veranstaltung zukommen zu lassen. Am Montag vergangener Woche war das Verkehrsgutachten nichtöffentlich in einer Sitzung des Zweckverbandes vorgestellt worden. Den darin vertretenen Gemeinderäten liege das Gutachten vor, so Wittlinger.

Einigen – nicht allen – Mitgliedern ihrer SPD-Fraktion sei die Gründung des Zweckverbandes zu schnell gegangen, kritisiert Widmaier: „Erst hätten die Gutachten in Bezug auf Klima, Verkehr, Frischluft und Ökologie vorliegen müssen, dann hätte man in eine echte Bürgerbeteiligung einsteigen müssen.“ In Workshops zusammen mit der Bürgerschaft hätte man gemeinsam etwas entwickeln können, ist sie überzeugt. Die SPD habe von Anfang an mehr Bürgerbeteiligung gefordert. Einen Zweckverband müsse man gründen, das sei schon klar, „aber vorher muss man erst einmal die Grundstücke kaufen.“

Der Vorsitzende widerspricht: „Den Zweckverband mussten wir gründen, um einen Ansprechpartner für alle weiteren Schritte zu haben. Der muss sich nun Schritt für Schritt mit Leben füllen, um handlungsfähig zu sein, wenn es darauf ankommt“, so Wittlinger. Als nächstes müsse sich der Verband einen Haushalt geben, damit die Kosten jeweils zur Hälfte auf die beiden Städte Ebersbach und Uhingen umgelegt werden können. Er widerspricht dem Vorwurf mangelnder Transparenz: „Wir stehen gerade erst am Anfang der Überlegungen und machen schon die dritte Informationsveranstaltung.“ Außerdem stünden alle Gutachten und sonstigen Informationen auf der Homepage der Stadt Uhingen zur Verfügung. „Ich wüsste nicht, was wir noch transparenter machen könnten“, sagt er.

Grundsätzlich sei das Gewerbegebiet für Uhingen wichtig, um den ansässigen Firmen Entwicklungsflächen anbieten zu können. Er wolle verhindern, dass Firmen abwandern, weil sie nicht expandieren können, so Wittlinger. Das 18 Hektar große Gebiet solle in erster Linie dem örtlichen Bedarf der beiden Städte dienen.

Die Region Stuttgart indessen drängt darauf, im Kreis Göppingen Flächen für regionale Firmen zu schaffen, da im Wirtschaftsraum Stuttgart 110 Hektar Gewerbeflächen pro Jahr benötigt würden. Das sei kein Widerspruch, so der Leitende Technische Direktor der Region, Thomas Kiwitt. „Wir sehen die Region als eng verflochtenen Wirtschaftsraum und müssen auch in den Kreis Göppingen Wachstumsimpulse hineinbringen.“ Hier verkrafte man sie räumlich besser als in der Kernregion Stuttgart, und hier täten sie außerdem besonders gut.

Das Dilemma im Kreis Göppingen: Es gibt hier kaum noch Flächen, die sich für ein regionales Gewerbegebiet eignen. „Sie muss eben und ohne Ortsdurchfahrt an die B 10 angeschlossen sein.“ Kiwitt argumentiert, gerade weil diese Flächen so knapp seien, dränge man darauf, dass die Kommunen dort „vernünftige Konzepte erarbeiten“. Dass die letzte Acker- und Wiesenfläche nördlich der Fils zwischen den beiden Städten bebaut wird, sieht er aus ökologischer Sicht als nicht problematisch: „Im Nassachtal schließt sich gleich nebenan ein Grünzug an.“ Die anderen Kreise der Region seien sehr viel stärker durch Gewerbe belastet: „Der Kreis Göppingen weist am wenigsten Siedlungs- und Verkehrsflächen aus“, so der Chefplaner der Region. „80 Prozent des Landkreises sind unbebaut.“

Info Die Informationsveranstaltung zum Gewerbepark Fils findet am Mittwoch, 16. Mai, um 19.30 Uhr in der Turnhalle Nassachmühle statt.