Schule GEW: Lehrer auf Schippe genommen

Kreis Göppingen / Jens Buchholz 06.02.2018

Verpflichtende Fortbildungsangebote in den Ferien, Präsenzpflicht für die Lehrkräfte an ihrer Schule, Notengebung auch in den Gemeinschaftsschulen, mehr Disziplin durch die Stärkung erzieherischer und disziplinarischer Maßnahmen – das fordert der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Manuel Hagel in der Schöntaler Erklärung. „Daran sieht man, wie weit die Vorstellungen der CDU und der Grünen auseinandergehen“, meinte der grüne Göppinger Landtagsabgeordnete Alexander Maier. Das höre sich schon sehr nach den Fünfziger Jahren an.

Maier war vom Göppinger Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einem Gespräch eingeladen worden. Man dürfe die Schöntaler Erklärung nicht überbewerten, beruhigte Alexander Maier die anwesenden Lehrer, sie sei nur eine Parteierklärung und keine Regierungspolitik. Wichtiger als solche Erklärungen sei es, etwas gegen den Lehrermangel zu unternehmen, führte Maier aus.

„Ich fühle mich von der Landesregierung auf die Schippe genommen“, ärgert sich eine anwesende Lehrerin. Sie unterrichte über 30 Erstklässler. Eine Klasse, in der Inklusionskinder und Geflüchtete seien. Und den größten Teil der Zeit sei sie alleine. „Der ganz normale Wahnsinn“, lacht sie bitter. An einem Wintertag binde sie sechzig Schnürsenkel, ziehe dreißig Paar Handschuhe und dreißig Jacken an. „Und dann erzählt mir das Schulamt, dass der Klassenteiler kein Rechtsanspruch sei, sondern nur eine Empfehlung.“

„Das hochverschuldete Hamburg hat einen Klassenteiler von 25, und in unserem reichen Bundesland ist das nicht möglich?“ So verprelle man nur gute und engagierte Lehrkräfte, findet der grüne Lokalpolitiker Walter Kißling. „Die Herangehensweise von Kultusministerin Eisenmann ist nicht gut, sie bestimmt von oben nach unten, das ist ein schlechter Stil“, urteilt Kißling. Alexander Maier äußerte sich dazu zurückhaltender. Der Bildungsausschuss des Landtages habe sehr wohl Einfluss auf die Bildungspolitik. Und in diesem Ausschuss sitze die grüne Bildungspolitikerin Sandra Boser.

Der Gewerkschafter Eddie Neuffer kritisierte die befristeten Arbeitsverträge, mit denen seiner Ansicht nach viele Pädagogen gegängelt würden. Das Land wolle hier Geld sparen, indem es die Pädagogen über die Sommerferien entlasse und somit auch nicht bezahlen müsse. „Da stehen die Grünen moralisch in der Pflicht“, mahnte Neuffer, „man kann sich nicht im Allgemeinen gegen den Niedriglohnsektor stellen, bei den Lehrern aber „hire and fire“ akzeptieren.“

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