Heiningen / Jens Buchholz  Uhr
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat in Heiningen die „Aktion JA 13!“ gestartet. Gefordert wird  eine bessere Bezahlung für Grund- und Hauptschullehrkräfte.

Auftakt der  „Aktion JA 13!“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Heininger Hof. Den Startschuss gab mit einem Vortrag die Landesvorsitzende Doro Moritz.

„Die Schlechterstellung der Grundschullehrkräfte, auch bei der Bezahlung, halte ich für strukturelle Diskriminierung,“ meint Doro Moritz, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei einer Versammlung von Gewerkschaftsmitgliedern im Heininger Hof. An Baden-Württembergs Grundschulen arbeiten vor allem Frauen. Seit der Studienreform im Jahr 2011 studieren Sekundarstufenlehrkräfte zehn Semester und werden anschließend mit A 13 besoldet. Das Studium des Grundschullehramtes dagegen ist acht Semester lang. Entsprechend werden Grundschullehrkräfte mit A 12 eine Stufe niedriger bezahlt.

Eine Grundschullehrkraft, die ihren Namen nicht nennen will, berichtet: „Dass wir bei der Vergleichsstudie des IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Anm. d. Red.) schlecht abgeschnitten haben ist doch kein Wunder, bei uns sind die Geflüchteten und bei uns sind die inklusiven Kinder, aber wir bekommen keine einzige Förderstunde.“ Laut den Zahlen der GEW haben die Grundschulen in Baden-Württemberg die schlechteste Lehrer-Schüler-Relation. „Da liegt das Ländle auf Platz 16“, stellt Doro Moritz fest. Andererseits seien aber 60 Prozent der Inklusionskinder in den Grundschulen. Das waren im vergangenen Schuljahr 4097 Kinder. Zum Vergleich: In allen Gymnasien Baden-Württembergs gab es insgesamt 21 Inklusionsschüler.

Zu dieser Herausforderung komme der eklatante Lehrkräftemangel dazu, der ja vor allem die Grundschulen betreffe, berichtet Doro Moritz. Die Maßnahmen, die das Kultusministerium ergriffen habe, seien fehlgeschlagen. „Die Kultusministerin wollte Gymnasiallehrkräfte für die Grundschule anwerben“, die Landesvorsitzende lacht bitter, „die sollen in 25 Tagen Onlineschulung auf die Grundschule vorbereitet werden.“ Das sei ein Witz. Gemeldet hätten sich landesweit etwa 30 Interessenten. Eine Höhergruppierung der Grundschullehrkräfte sei unerlässlich, findet auch der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Gerhard Brand im Gespräch mit unserer Zeitung. „Alles andere wäre eine Groteske“, ereifert er sich. „Wenn man sieht, dass die Grundschule die heterogenste Schülerschaft mit den mannigfaltigsten Ansprüchen an die Lehrkräfte aufweist und dass in der Grundschule die Basis für die weiteren Erfolge der Kinder gelegt werden, dann ist die Eingruppierung in A 13 das Mindeste.“ Darüber hinaus müsse auch das Deputat auf 27 Wochenstunden angepasst werden. Lehrkräfte in Grundschulen haben ein Deputat von 28 Stunden. In der Sekundarstufe sind es 27 oder 26 Stunden, je nach Schulart.

Ganz anders sieht das Bernd Sauer, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes in Baden-Württemberg, der Gymnasiallehrkräfte vertritt. „Wenn A 13 für Grund- und Hauptschullehrkräfte kommen sollte, dann würden wir A 14 als Einstiegsbezahlung für die Gymnasiallehrer fordern, weil diese höheren fachwissenschaftlichen Ansprüchen in Studium und Lehrtätigkeit genügen müssen und nachweislich aller Arbeitszeitstudien auch die höchste Arbeitsbelastung der Lehrkräfte aller Schularten haben.“ Dem müsse auch die Besoldung Rechnung tragen, findet Sauer.

GEW und VEB setzen sich auch für Hauptschullehrkräfte ein, die mit den Grundschullehrkräften auf einer Gehaltsstufe stehen. Vor allem an Gemeinschaftsschulen könne das zu Problemen führen, meint der VEB-Vorsitzende Gerhard Brand. „Die ungleiche Bezahlung bei gleicher Tätigkeit kann an Schulen Unfrieden stiften und führt nicht selten zu Missstimmungen.“ Auf Dauer gesehen könne das zu einer erheblichen Störung des Schulfriedens führen. „Es wäre durchaus wünschenswert, wenn das Ministerium diesen Umstand ernst nehmen würde und um Ausgleiche, die nicht nur finanziell unterlegt sein müssen, bemüht wäre.“

Keine schlüssige Gewichtung

Andreas Meincke arbeitet als Hauptschullehrer an der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule in Albershausen. „Meiner persönlichen Ansicht nach gilt die Regel gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, erklärt er. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum Grundschulkräfte anders bezahlt werden, jeder Lehrbereich stellt eigene Anforderungen an den Lehrenden und es gibt auch im Bereich Verantwortung, gegenüber dem Kind und der Gesellschaft für mich keine schlüssige Gewichtung.“