Salach Geschichte einer Weltfirma

Viele Besucher haben sich am Tag des offenen Denkmals in Salach für die Geschichte der Firma Schachenmayr interessiert.
Viele Besucher haben sich am Tag des offenen Denkmals in Salach für die Geschichte der Firma Schachenmayr interessiert. © Foto: Ulrike Luthmer-Lechner
Salach / ULRIKE LUTHMER-LECHNER 14.09.2015
Die Kammgarnspinnerei Schachenmayr in Salach, einst weltweit für ihre Garne bekannt, war für rund 200 Besucher Ziel beim Tag des offenen Denkmals. Erinnert wurde an die Geschichte der Firma.

Schachenmayr und Salach sind untrennbar verbunden. Die Firma prägte nicht nur den Ort, sie bescherte der Gemeinde Salach ein Stück der großen weiten Welt und zahlreiche, bis heute genutzte Einrichtungen. Gemeindearchivar Hans Paflik zeigte sich ebenso wie Bürgermeister Bernd Lutz überwältigt angesichts der Menschenmenge, die sich zum Thema Schachenmayr am Tag des offenen Denkmals im Rathaus eingefunden hatten. Seit 1993 wird dieser Tag bundesweit begangen, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren.

Zahlreiche der rund 200 Besucher standen einst selbst in Lohn und Brot bei der Kammgarnspinnerei Schachenmayr. Andere Besucher hatten Angehörige, die bei Weltfirma arbeiteten. Große Schautafeln im Rathaus informierten über die Firmengeschichte, bevor Hans Paflik mit den Besuchern ins ehemalige Firmenareal spazierte.

Auf dem Weg machte Paflik Halt, um in launigen Worten an den Verlauf des ehemaligen Mühlkanals zu erinnern. Dort wurde 1769 zunächst der Grundstein für eine Tabakspinnerei gelegt, dem die Umfunktionierung zu einer Baumwollspinnerei folgte. Von nun an gings bergauf. 1817 wurde erstmals Wolle produziert. Kurz darauf fanden über 100 Arbeiter in der Spinnerei Beschäftigung und der florierende Betrieb zählte schon bald zur Spitze der württembergischen Textilindustrie. 1935 beschäftigte das Unternehmen rund 3000 Männer und Frauen aus der ganzen Region.

Schachenmayr verstand es immer ausgezeichnet auf der Klaviatur der zeitgemässen Werbung zu spielen. Das Bild der drei Wollsocken in Orange, Grau und Blau war weithin bekannt, da die Werbetafeln fast an jedem Bahnhof in Deutschland angeschlagen waren. Mit der "Nomotta-Regia-Sockenwolle" brachte Schachenmayr 1950 ein Spitzenprodukt auf den Deutschen Markt. Die Idee, Fasern ihrer Wolle ein Perlongarn zuzufügen um deren Tragbarkeit zu erhöhen, revolutionierte alles bisher Gewohnte. Noch heute schwärmen passionierte Strickerinnen von "Regia".

Archivar Paflik ließ im Film die früheren Produktionsstätten Revue passieren und berichtete über wichtige Namen in der Firmengeschichte. Wilhelm August Duncker, Johann Gottfried Kolb und schließlich Leonhard Schachenmayr. 1872 geht die Leitung an dessen Schwiegersohn Friedrich Bareiß über. Der tüchtige Geschäftsmann etablierte in Salach die Feuerwehr und die Musikkapelle, beide haben bis heute Bestand. Seine Söhne Otto und Eduard traten nach seinem Tod das Erbe an. "Auf sie sind in Salach die Namen Eduardstrasse und Ottostrasse zurückzuführen", erklärte Paflik.

Nach dem Tod der Brüder übernahm Conrad, der Adoptivsohn von Friedrich Bareiß, mit seiner aus Chicago stammenden und sehr vermögenden Frau Hattie die Firmenleitung. Das Paar investiert in die Gemeinde Salach. So stifteten sie 1927 eine Kleinkinderschule (heute der nach Hattie-Bareiß benannte Kindergarten), das Schachenmayr-Bad, die Schachenmayr-Siedlung und der Schachenmayr-Tennisclub.

Doch 1988 wehte die schwarze Fahne über dem Imperium. Eine der traditionsreichsten Firmen des Filstals schockierte mit 436 Entlassungen. Vier Jahre später wurde Schachenmayr an die englische Firma Coats verkauft und jüngst gab es einen erneuten Inhaberwechsel zur Firma Aurelius. Allen Unbillen zum Trotz, die Besucherschar machte deutlich: Der Name Schachenmayr hat in Salach nichts an Faszination verloren.

Offene Denkmale

Denkmale Unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie" stand in diesem Jahr der Tag des offenen Denkmals. Viele Gebäude öffneten ihre Pforten. Nicht nur die Firma Schachenmayr wurde zum Thema, in Göppingen ging es zum Beispiel um die Firmen Schuler und Märklin. Die Faurndauer Stiftskirche lud ebenso zu Besichtigungen, wie auch die Friedhofskapelle in Nenningen und andere Denkmale. dgr

SWP

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