Donzdorf/Lauterstein Gerüchte über Flüchtlinge

Donzdorf/Lauterstein / DIRK HÜLSER 10.11.2015
Immer wieder wird mit Gerüchten Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht. Meist lassen sie sich nicht widerlegen - anders ist es aber bei zwei aktuellen Fällen.

Die Anruferin hinterließ in der NWZ-Redaktion weder Namen noch Rufnummer - dafür zwei brisante Geschichten. Einmal hieß es, Flüchtlinge bedienten sich im Donzdorfer Schuhgeschäft Staudenmayer, die Rechnung werde vom Landratsamt beglichen. Zum anderen berichtete die Frau von unhaltbaren Zuständen in der Flüchtlingsunterkunft in Nenningen.

Ganz schnell aufgeklärt ist dieses zweite Gerücht: Im Lautersteiner Stadtteil Nenningen gibt es gar keine Flüchtlingsunterkunft. Erst unlängst hat die Stadt ein Haus in Weißenstein gekauft, dort sollen künftig Asylbewerber untergebracht werden, was in der Kommune bislang nicht der Fall ist.

Laut der Anruferin schliefen die nicht vorhandenen Flüchtlinge in Nenningen jeden Tag bis 17 Uhr und randalierten später beim Bäcker, weil dieser kurz vor Ladenschluss nichts mehr an sie verkauft habe.

In Donzdorf wohnen mehr als 20 Asylbewerber - doch in ihrem Schuhgeschäft hat Silke Staudenmayer mit ihnen keine Probleme: "Das ist ja völlig an den Haaren herbeigezogen", meint sie zu der Geschichte. "Natürlich ist das nicht wahr, wo sind wir denn?"

Unbekannt ist ihr das Gerücht aber nicht. Ein älterer Herr habe sie dieser Tage auch darauf angesprochen. Demnach kämen Flüchtlinge in den Laden, suchten sich neue Schuhe aus und stellten ihre alten ins Regal. Bezahlen wollten sie nicht. Die herbeigerufene Polizei stelle demnach nur fest, dass sie da nichts machen könne - das Schuhgeschäft solle die Rechnung ans Landratsamt schicken, die Behörde komme für die Kosten auf.

"Definitiv nicht, das kann ich ausschließen", sagt dazu der Leiter des Kreissozialamts, Rudolf Dangelmayr. Die Asylsuchenden bekämen Geldleistungen, "davon müssen sie ihren täglichen Bedarf bestreiten". Aber er habe auch schon "alles Mögliche gehört", sagt Dangelmayr - "und alles Unmögliche". Auch die Polizei weiß von derartigen Einsätzen nichts, auch nicht, dass Einzelhändler aufgefordert würden, sich mit ihren Rechnungen ans Landratsamt zu wenden. "Nein, in der Form gibt es das sicher nicht", sagt Sprecher Uwe Krause.

Die Geschichte mit den Schuhen wird nicht nur in Donzdorf kolportiert. Immer wieder taucht sie in Netzwerken wie Facebook auf. Vor wenigen Tagen erst machte der Beitrag einer Frau aus Bayern die Runde, die berichtete, dass ein Flüchtling teure Schuhe mit einem Gutschein des Landratsamts bezahlt und die Behörde sogar noch Geld draufgelegt habe.

Als der Pressesprecher des Landkreises Weilheim-Schongau das Gerücht zugeschickt bekam, dementierte er umgehend auf Facebook und stellte klar, dass seine Behörde keine Gutscheine ausstelle, sondern jeder Asylbewerber monatlich 33,57 Euro für Bekleidung bekomme - wie überall anders auch. Die Frau hat ihren Beitrag inzwischen gelöscht, der Pressesprecher Hans Rehbehn tat es ihr vergangene Woche gleich. Gegenüber den Schongauer Nachrichten begründete er seinen Schritt so: "Darauf sind Anschuldigungen verfasst worden, die extrem ins Persönliche gehen. Das möchte ich nicht verantworten."

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