„Das ist die erfreulichste Nachricht in meiner 33-jährigen Zeit als Börtlinger Bürgermeister“, sagte am Dienstag Franz Wenka. Denn die geplante 380-kV-Stromtrasse von Bünzwangen nach Goldshöfe ist nach dem jetzigem Stand verzichtbar. Stattdessen soll die Trasse nun im Raum Wendlingen enden, um näher an die Industrieregion Stuttgart heranzurücken. Das geht aus dem zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans 2014 hervor, den die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber, darunter Transnet BW, am Dienstag der Bundesnetzagentur übergeben haben.

Allerdings muss dieser Entwurf noch bestätigt und gesetzlich verankert werden. Zudem ist die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) auch in dem neuen Entwurf noch nicht vollständig eingearbeitet. „Dies wird erst im Netzentwicklungsplan 2015 der Fall sein und erst dann kann eine abschließende Klärung hinsichtlich des Netzausbaus im Raum Ostwürttemberg erfolgen. Bis dahin wird Transnet BW auch weiterhin alle Planungen im Vorhaben Bünzwangen-Goldshöfe ruhen lassen“, so Transnet BW. Der Netzbetreiber spricht aber auch davon, die „bestehende, gut ausgebaute Netzinfrastruktur für die weitere Verteilung des Stroms aus dem Norden zu nutzen“.

„Vielleicht wird jetzt die schon bestehende 380-kV-Leitung vom Atomkraftwerk Gundremmingen nach Wendlingen genutzt“, hofft Wenka. „Auf diese Option habe ich schon bei der ersten Sitzung zu diesem Thema hingewiesen. Denn 2018 soll das Atomkraftwerk vom Netz genommen werden. Dann würde der Schurwald außen vor bleiben.“ „Die bestehende 380-kV-Leitung nach Wendlingen zu nutzen, ist eine Möglichkeit, aber es bestehen auch noch andere“, meinte Transnet-BW-Pressesprecherin Regina König dazu. „Die genauen Planungen müssen erst noch erfolgen.“

In Sachen 380-kV-Leitung gibt es übrigens einen fraktionsübergreifenden Konsens im Landkreis: Franz Wenka, der Wäschenbeurer Bürgermeister Karl Vesenmaier, die Landtagsabgeordneten Jörg Matthias Fritz (Grüne) sowie Peter Hofelich (SPD) lobten die geschlossene Haltung der Bürgerinitiativen (BI), betroffenen Kommunen und Landkreisen. Und auch die CDU-Landtagsabgeordneten Jutta Schiller und Nicole Razavi teilten mit, dass sich die „Zweifel an der Trasse eindrucksvoll bestätigt“ hätten.

„Wenn die Leitung endgültig gestorben ist, können wir im nächsten Jahr das Fest aller BIs, Kommunen und Landkreise am Börtlinger Reinhold-Maier-Turm feiern“, sagte Wenka. Und auch sein Kollege Vesenmaier zeigte sich am Dienstag „mehr als begeistert. Unser Gutachten hat Licht ins Dunkel gebracht“. Allerdings mahnte er, weiter vorsichtig zu sein. „Hoffen wir, dass die künftige Planung uns nicht betrifft“, sagte er. Bis dahin werde man „kräftig durchschnaufen und weiter beobachten. Denn man weiß ja nie.“

Conny Stegmaier von der Bürgerinitiative 380-kV-Wäschenbeuren sagte am Dienstag: „Es ist eine große Überraschung, dass sich Transnet BW so stark bewegen kann. Die Gemeinschaft aus BIs und Kommunen ist ein auch wichtiges Zeichen für bürgerschaftliches Engagement.“

Der geplante Termin zum weiteren Vorgehen in Sachen Stromtrasse unter anderem mit Minister Franz Untersteller findet übrigens trotzdem am Dienstag, 11. November, ab 15 Uhr im Landratsamt Aalen statt.
 

Ein Kommentar von Michael Schorn: Wachsam bleiben!

Der Netzbetreiber Transnet BW verkündete am Dienstag eine frohe Botschaft: Die geplante 380-kV-Leitung zwischen Bünzwangen und Goldshöfe ist nach jetzigem Stand verzichtbar. Dies ist für die betroffenen Kommunen, Landkreise und die zahlreichen Bürgerinitiativen eine sehr positive Nachricht, die zugleich zeigt, dass sich nun bewahrheitet hat, was viele Vertreter der Trassen-Gegner schon lange behauptet haben: Die Trasse ist nicht notwendig. Dass Transnet BW jetzt vor allem die bereits bestehende Netzinfrastruktur nutzen will, ist der richtige Schritt. Zum einen verringert dies die Kosten der Energiewende, und zum anderen belastet es nicht auch noch weitere Landstriche, wie beispielsweise den Schurwald. Ob Transnet BW allerdings ohne den großen Widerstand der Kommunen, Landkreise und Bürgerinitiativen von alleine darauf gekommen wäre, darf bezweifelt werden. So zeigt dies auch, dass sich ein gemeinsames Engagement auszahlt. Nur gemeinsam ist man stark. Endgültig ist die Stromtrasse durch den Schurwald aber noch nicht vom Tisch. Erst mit dem Netzentwicklungsplan 2015 werden die Betroffenen endgültig Sicherheit erlangen. Bis dahin besteht theoretisch immer noch die Möglichkeit, dass eine neue Leitung nach Wendlingen auch durch den Kreis Göppingen führen kann. So muss dem Wäschenbeurer Bürgermeister Vesenmaier beigepflichtet werden: Wachsam bleiben!