Kreis Göppingen Gemeinschaftsschule steht im Fokus

Kreis Göppingen / PM 29.11.2014
Die Grünen-Reihe "Bildung im Gespräch" ist angelaufen. Im Mittelpunkt der Premieren-Veranstaltung stand das Thema "Gemeinschaftsschule".

In Göppingen fiel der Startschuss der Reihe "Bildung im Gespräch", veranstaltet vom Kreisverband der Grünen. Man wolle mit Blick auf das gesellschaftlich kontrovers diskutierte Thema Bildung mit Eltern, Lehrern, der Wirtschaft, Kommunalpolitikern und allen Interessierten ins Gespräch kommen über "Erwartungen, Kritik und Ziele", sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Walter Kißling bei der Begrüßung.

Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung stand die Gemeinschaftsschule. Wolfgang Straub, Tübinger Schulamtsdirektor und Bildungsexperte der Grünen, stellte am Beispiel Tübingens den schon seit Jahren anhaltenden Rückgang der Schülerzahlen an den Hauptschulen dar. Demnach besuchen nur noch zehn Prozent aller Schüler die Haupt- oder Werkrealschule. Zudem gebe es nur noch eine Realschule. Statt dessen sei die Gemeinschaftsschule die Antwort auf die gestiegenen Bildungserwartungen der Eltern. Das Konzept des individuellen Lernens fördere schwächere Schüler besser, gebe den leistungsorientierten mehr Freiraum und Anreize, ihre individuellen Fähigkeiten zu entwickeln, und führe zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Grünen-Kreisrätin und Moderatorin Ulrike Haas wollte von Ottmar Dörrer, Schulleiter der Gemeinschaftsschule am Tegelberg in Geislingen, wissen: "Was ist durch die Umstellung auf die Gemeinschaftsschule anders geworden?" Die Antwort des Pädagogen: "Die Schule ist Leben." Angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse wird es nach Dörrers Ansicht immer wichtiger, dass sich die Schule in Zusammenarbeit mit Eltern, Schulsozialarbeitern, Kirchen, Vereinen, Polizei und anderen vermehrt an Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder beteiligt. In der Gemeinschaftsschule könne jedes Kind dort weitermachen, wo es stehe - auch Kinder mit Behinderungen, denn die sollten dazugehören.

"Das Konzept der Gemeinschaftsschule ist kindgerecht", meinte auch der leitende Schulamtsdirektor des Schulamtes Göppingen, Hans-Jörg Polzer. Bei deren Einführung stünden aber leider oft politische Interessen im Vordergrund und weniger der Nutzen für die Kinder. Sein Amt stehe bei der Schulentwicklungsplanung deshalb konträr zu den Kommunen.

Elke Tippelt, Elternbeiratsvorsitzende an der Gemeinschaftsschule Süßen, begrüßte aus Sicht der Eltern die Einführung dieser Schulform. Allerdings wies sie darauf hin, dass eine Gemeinschaftsschule für einzelne Schüler wegen der geforderten Flexibilität, der größeren Selbstverantwortung und des Ganztagesbetriebs ein Problem darstelle.

Aus Lehrersicht sei positiv, dass sich das Schul- und Arbeitsklima an den Gemeinschaftsschulen positiv entwickle, meinte Regine Ilg vom Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie kritisierte jedoch die "untragbare Arbeitsbelastung" der Kollegen vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren weitere Anforderungen ohne Ausgleich auf die Lehrkräfte zugekommen seien wie Dokumentationspflichten und verbindliche Elterngespräche.