Donzdorf Gemeinderatsprotokolle im Dialekt

Donzdorf / IRIS RUOSS 21.09.2013
Archivarbeit ist spannend und vielfältig, deshalb stellen wir derzeit die großen und kleinen Archive des Landkreises, die "Archivarbeiter" und besondere Archivalien vor. Heute: das Stadtarchiv Donzdorf.

In Teilen steht das Donzdorfer Stadtarchiv derzeit sozusagen noch Kopf. Es wird umgezogen. "Wir schaffen alles aus den bisherigen Räumen in der Stadthalle in die neuen Archivräume im Schloss", berichtet Hauptamtsleiter Gerd Rayer. Wie zum Beweis sind Umzugskartons auf der Treppe und im Treppenhaus des Rathauses gestapelt, was zum Vernichten aussortiert wurde, wird weggeschafft. Auch in den neuen Räumen im Dachgeschoss des Schlosses reihen sich die Archivalien, gut verpackt in Kartons und Kisten, aneinander, warten darauf, ihren neuen Platz im Archivierungssystem zu beziehen.

Peter Blum, der seit sieben Jahren als Honorarkraft im Göppinger Stadtarchiv beschäftigt ist, hat sich auch um das Donzdorfer Archiv gekümmert. Der Archivbestand der Donzdorfer Teilorte wurde als erstes gesichtet und zum Erfassen ins Kreisarchiv auf Schloss Filseck geschafft. "Dort wurde alles sortiert und dann katalogisiert", erklärt Blum, der eher zufällig ins Archivwesen hinein gerutscht ist. Als Elektroingenieur hat er sich von jeher für die Bahngeschichte interessiert; als ein privates Bildarchiv über die Eisenbahn aufgelöst wurde, bekam er Kontakt zum Göppinger Stadtarchiv und hat sich ehrenamtlich für die Archivarbeit engagiert. Schnell war klar: Den Mann kann man gebrauchen. Nach etlichen Kursen im Archivwesen ist Blum längst fit und seit sieben Jahren ständige Honorarkraft. 130 laufende Meter misst das Donzdorfer Stadtarchiv derzeit. "Ich rechne mit rund 170 Metern, wenn alles fertig ist", sagt Peter Blum. Er ist mit Herzblut bei der Sache, und wenn Blum von seinen Schätzen erzählt, gibt es kaum ein Halten. Als Besonderheiten des Donzdorfer Stadtarchivs nennt er die Protokollbücher, die ab dem 16. Jahrhundert erhalten sind, und die Gemeinderatsprotokolle, teilweise noch im Dialekt verfasst - eine interessante Lektüre. Auch Akten über das Schicksal der Heimatvertriebenen, die Lebensumstände nach dem zweiten Weltkrieg, die viele persönliche Eindrücke vermitteln (nicht nur der Vertriebenen, sondern auch der eingesessenen Donzdorfer), hat er gefunden.

Auch Michael Geiger engagiert sich für das Donzdorfer Stadtarchiv. "Das Archiv ist eine wahre Goldgrube für die Ahnenforschung", sagt Geiger, der genau auf diesem Weg zum Donzdorfer Stadtarchiv gekommen ist. Sein Interesse galt den Donzdorfer Bauernhöfen, zwei Jahre lang hat er nach seinen Vorfahren gefahndet, alles Wissenswerte zusammen getragen. Als dann die Entscheidung fiel, ein Buch über die Donzdorfer Höfe zu verfassen, war Michael Geiger mit von der Partie. "Ich habe täglich recherchiert", erzählt er, und beim Gedanken an seine Übernachtung im Archiv schmunzelt er heute noch. Im Jahr 2004 hat er das Donzdorfer Stadtarchiv dann ehrenamtlich von seiner Vorgängerin übernommen, zweimal pro Woche ist er seither bei der Arbeit. Bis der Bestand, der derzeit von der Stadthalle ins Rathaus geschafft wird, komplett gesichtet ist, wird laut Geiger sicher noch mindestens ein Jahr ins Land gehen. Während Peter Blum schon Findbücher fertig gestellt hat, steht Michael Geiger diese Aufgabe noch bevor. Aus den großen Archivschränken zieht Peter Blum die Schätze heraus. Er legt das älteste Kauf- und Vertragsprotokollbuch, das Aufzeichnungen ab dem Jahr 1645 enthält, auf den Tisch. Daneben platziert er einen großen Band, das Unterpfandsbuch mit 1000 Seiten, das ab dem Jahr 1828 geführt wurde. "Alles noch auf handgeschöpftem Papier geschrieben", erklärt Blum. Die geballte Ladung Zeitgeschichte lagert im Dachgeschoss des Rathauses. Nicht nur schriftliche Überlieferungen wurden über die Jahrhunderte hinweg gesammelt, es gibt auch eine Vielzahl an Museumsstücken. "Mit den historischen Ausstellungsstücken wissen wir derzeit noch nicht wohin", sagt Gerd Rayer. Als Beispiel nennt er eine Originalfahne des Krieger-Vereins von 1886. Altes und Historisches ist immer willkommen, so dass auch die Angebote von Privatpersonen und Vereinen gerne in Augenschein genommen werden. Bis die 230 Meter messende Kapazität des Donzdorfer Stadtarchivs erreicht ist, kann noch eine Weile gesammelt werden.

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