Gammelshausen Gemeinderat Heinz Rieker blickt auf 43 Jahre zurück

Kirschbäume gehören zu seiner Welt: Der scheidende Gemeinderat Heinz Rieker mit den Früchten, die Gammelshausen im Wappen führt. Er bleibt weiterhin Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins.
Kirschbäume gehören zu seiner Welt: Der scheidende Gemeinderat Heinz Rieker mit den Früchten, die Gammelshausen im Wappen führt. Er bleibt weiterhin Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. © Foto: Staufenpress
Gammelshausen / JÜRGEN SCHÄFER 24.06.2014
Er ist ein Urgestein im Gammelshäuser Gemeinderat: Nach 43 Jahren hört Heinz Rieker auf. Er hat ein stürmisches Wachstum und die Blüte des Blumendorfs erlebt, aber auch Zeiten leerer Kassen.

Mit seinen 67 Jahren hätte er auch nochmal kandidiert, aber eine gesundheitliche Krise zwang Heinz Rieker zum Rückzug. Mittlerweile haben ihn die Ärzte wiederhergestellt, aber bei den 43 Amtsjahren muss es bleiben - vermutlich Rekord für Gammelshausen. Rieker kennt keinen dienstälteren, und früher waren die Gemeinderäte bei Amtsantritt ohnehin älter. Rieker war schon mit 24 Jahren dabei und hätte auch schon früher kandidiert, wenn es das Wahlrecht zugelassen hätte. Denn Engagement und Verantwortung sind ihm auf den Leib geschneidert: Zur Feuerwehr ging er schon mit 18, er war 16 Jahre Kommandant, ist heute Leiter der Altersabteilung, seit 35 Jahren auch Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins.

1971 war Gammelshausen noch ein kleines Dorf. Erst in Riekers Amtszeit kamen die Baugebiete, die die Einwohnerzahl von 600 auf 1600 hochschnellen ließen. "Wir haben viel bewegt." Die Flurbereinigung schuf dazu die Voraussetzung, erzählt er, und ermöglichte auch den ersten Obstlehrpfad im Kreis, der eben jetzt mit einem Jubiläumsjahr gewürdigt wird. In den 80ern hat Rieker die Gammelshäuser angespornt, sich beim Dorfverschönerungswettbewerb ins Zeug zu legen, und von der Sensation schwärmt er heute noch: wie der Gemeinderat nach West-Berlin fuhr und vom Landwirtschaftminister die Goldmedaille in Empfang nahm. "Das war in der Berliner Schnauze, die ein Jahr später eingestürzt ist", erzählt er. Kurioserweise wurde die Fahrt als Studienreise deklariert, und die Räte mussten Vorträge absitzen. Fortan aber war Gammelshausen das "Blumendorf", und heute plädiert Rieker dafür, den Glanz aufzufrischen.

Der Ortskern rund ums Rathaus - Rieker war mehrfach an der Neuordnung beteiligt. Mit der Feuerwehr hat er seinerzeit vier alte Gebäude abgerissen, was ihnen einen Urlaub in Mallorca bescherte, als Gemeinderat hat er das Gemeindehaus mit auf den Weg gebracht und später auch den Umbau, der dem Kegelverein wettkampftaugliche Bahnen brachte. Das alte Magazin war noch im Rathaus - Rieker hat als Kommandant einen Neubau betrieben und selbst mitangepackt. Die Kirschenplantage am Galgenbuckel, die viele Bürger nutzten, hat Rieker kommen und gehen sehen. Er war für den Aldi und auch für das Baugebiet Letten, was beides im Ort umstritten war. Von den Bauplatzerlösen hat die Gemeinde manche Jahre gezehrt, aber das Heil für die Zukunft sieht Rieker darin nicht mehr. "Grund und Boden ist nicht vermehrbar", argumentiert er, jetzt müssten Baulücken genutzt werden, und die kleine Gemeinde brauche einfach mehr Zuschüsse. Auch weil sie die Kinderbetreuung gewaltig ausgebaut habe. Was Rieker richtig findet. "Eltern müssen zu zweit verdienen."

Manche Finanzeinbrüche hat Rieker erlebt und als Herausforderung empfunden, die der Gemeinderat dann auch gemeistert habe. Er war immer gerne dabei, geärgert habe er sich nie: "Ich bin immer gleich eingeschlafen, wenn ich von der Sitzung gekommen bin." Ihm bleiben noch die anderen Ehrenämter, ans Aufhören denkt er da noch nicht.

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