Internet Gemeinde will Netzgefälle ausbügeln

Gemeinde und Telekom wollen in den kommenden Jahren Glasfaserkabel in alle Wohnlagen von Schlierbach verlegen. Noch gleicht die Versorgung aber einem Flickenteppich.
Gemeinde und Telekom wollen in den kommenden Jahren Glasfaserkabel in alle Wohnlagen von Schlierbach verlegen. Noch gleicht die Versorgung aber einem Flickenteppich. © Foto: Jan Woitas/dpa
Schlierbach / VOLKMAR SCHREIER 19.07.2018

Wer bekommt in Schlierbach überhaupt einen schnellen Internetanschluss? Das hängt derzeit noch davon ab, wo man genau wohnt. „Von Bandbreiten kleiner als
16 Megabit (Mbit) bis zum Glasfaseranschluss ist alles mit dabei“, fasst Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid die aktuelle Lage zusammen.

Dabei kommt es darauf an, welche Anbieter die Wohngebiete versorgen. Glücklich schätzen kann sich in Schlierbach derzeit, wer entweder nahe genug an einem Verteiler lebt und so schnelles Netz per Kupferkabel erhalten kann, oder aber ein Breitbandkabel für den Radio- und Fernsehempfang im Keller liegen hat. Im Gewerbegebiet und in einigen Wohngebieten ist auch schon ein Glasfaseranschluss vorhanden. Gekniffen sind derzeit noch die Randlagen von Schlierbach, wo der Datenstrom nur tröpfchenweise ankommt.

Auf Basis dieser Ist-Daten erstellt nun eine Beratungsfirma einen Masterplan für den Netzausbau in Schlierbach. Ziel soll es sein, in den kommenden Jahren allen Schlierbachern einen schnellen Internetzugang bereitstellen zu können. „Vieles ist noch lücken- und bruchstückhaft“, sagt der Bürgermeister zum derzeitigen Zwischenstand, kann aber dennoch schon einen kleinen Blick in die Zukunft wagen. Derzeit anvisiert sind im Masterplan, dass alle Schlierbacher zumindest eine Bandbreite zwischen 50 und 100 Mbit bekommen sollen. Dazu soll als Zwischenschritt mit der Vectoringtechnik in den kommenden drei Jahren zunächst das Etappenziel „30 Mbit für alle“ anvisiert werden. Ziel ist am Ende eine Vollversorgung aller Wohnlagen mit Glasfaserkabel, neudeutsch auch „FTTH - Fiber to the Home“ genannt. „Die Telekom geht jetzt grundsätzlich mit Glasfaserkabel in die Neubaugebiete rein“, sagt Paul Schmid – in Schlierbach beispielsweise das neue Baugebiet Dorfwiesen. Der Altbestand muss nachträglich erschlossen werden. Und so werden im Zwischenbericht rund 35 Kilometer Glasfaserkabel genannt, die im Ort nachträglich verlegt werden müssen, um das Endziel zu erreichen. Wer am Ende wie viel von den derzeit geschätzten Kosten in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro tragen wird, ist derzeit noch unklar.

Was der Masterplan für Schlierbach am Ende tatsächlich Wert sein wird, scheint wieder offener denn je. Denn die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Pläne der Telekom, die gemeinsam mit der Region Stuttgart den Breitbandausbau vorantreiben will, bringen eine neue Dynamik ins Geschehen. Bekannt ist, dass die Kommunen der Region zusammen rund 500 Millionen Euro für den Netzausbau aufbringen sollen, die Telekom möchte ihrerseits rund 1,1 Milliarden Euro in den Ausbau der Netzinfrastruktur mit Glasfaser und schnellem Mobilfunk nach dem kommenden Standard 5G stecken. „Das wird natürlich auch Auswirkungen auf unsere Planung haben“, sagt Bürgermeister Paul Schmid.

Bis 2025, so die Ankündigungen, sollen alle Gewerbegebiete zu 100 Prozent und 50 Prozent der Privathaushalte an das Gigabitnetz angeschlossen sein. Im Jahr 2030 sollen es nach den Planungen von Telekom und Region Stuttgart bereits 90 Prozent der Haushalte sein. Darüber hinaus möchte die Telekom ab 2020 mit dem Aufbau des schnellen 5G-Mobilfunknetzes beginnen. Was dabei letztendlich an Kosten auf die einzelnen Kommunen der Region Stuttgart zukommt, ist noch unklar. „Die Zahlen für die Beiträge der Kommunen sind noch etwas nebulös“, meint Schmid, und geht davon aus, dass letztendlich Einzelabmachungen zwischen Telekom und den Kommunen notwendig sein werden. Sicher ist nur: Die Kommunen müssen zahlen.

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