Rund 15 Überkinger Bürger sind am Donnerstagabend in die von Bürgermeister Matthias Heim anberaumte außerordentliche Bürgerfragestunde des Gemeinderates gekommen, um ihrem Unmut über den ekelhaften Gestank, der offenbar von der Spülanlage des Getränkeabfüllers IQ 4 You ausgeht, mit Nachdruck Luft zu machen. Gemeinderat und Verwaltung sollten endlich etwas tun, fanden sie.

Zuerst einmal hieß es für die Bürger aber warten. Die Gemeinderäte und der Bürgermeister waren noch bei einem Vorort-Termin. Maria Villaroya aus der Geislinger Straße 51 konnte sich die Herkunft des extremen Gestanks, der sich seit zwei Jahren deutlich bemerkbar mache, anfangs gar nicht erklären. Petra Assion aus der Geislinger Straße 43 sagt, dass man den üblen Geruch nicht loswerde, wenn man das Schlafzimmerfenster nicht zumacht. Sogar ihre Bettwäsche habe den Gestank schon angenommen. „Grillen im Freien macht uns keinen Spaß mehr“, bemerkt Barbara Truch. „Es stinkt oft so, wie wenn jemand ins Eck geschissen hätte.“ Es rieche wie nach Gülle, Schwefel, faulen Eiern – und einem bestimmten Energie-Getränk.

IQ 4 You hat nun zwar die geforderte Filteranlage eingebaut. Doch seither sei der Gestank noch schlimmer geworden, erklärt Gerhard Böhm aus der Geislinger Straße 45, der mit seiner Frau Ayse und Tochter Shirin zur Ratssitzung gekommen ist. Der Zustand sei unzumutbar, betont er. Ein weiteres Ehepaar erklärt, dass sich der üble Gestank schon am Ortsanfang bemerkbar mache und sich in der Wohnung festsetze.

Auf die Frage eines Bürgers nach dem derzeitigen Stand der Dinge antwortete Bürgermeister Matthias Heim, dass über dem Klärbecken bei IQ 4 You Filter eingebaut worden seien, die den üblen Geruch allerdings nicht beseitigt hätten. Inzwischen seien das Gewerbeaufsichtsamt und das Umweltschutzamt aktiv geworden. Sie hätten dem Betrieb die Auflage erteilt, Abwasser und Schlamm zu reinigen.

Der Schultes ist der Auffassung, dass der Gestank aus der Kanalisation kommt. Vom Betrieb des Getränkeabfüllers ziehe er sich über die Hintere Siedlung in Geislingen bis nach Kuchen ins Gebiet Espan, wo sich die Kläranlage befindet. Dass der Geruch in den letzten Monaten besonders stark war, führt Heim auf die Trockenheit in den Sommermonaten zurück. Die Schmutzfracht aus dem Betrieb sei zu wenig verdünnt worden. Bürgermeister Heim unterstrich: „Wir nehmen die Sache sehr ernst. Das, was hier in Bad Überkingen geschieht, ist das Schlimmste, was uns als Tourismusort passieren kann.“

Ein Anwohner berichtete in einem Brief an den Bürgermeister, der in der Sitzung verlesen wurde, vom Gestank, der sich in den Kleidern und im Auto festgesetzt habe. Ayse Böhm klagte, dass der Geruch zeitweise über 24 Stunden wahrnehmbar sei und sie davon starke Kopfschmerzen bekomme. Lüften gehe auch nicht mehr. Das sei schon eine Körperverletzung. Nachdem eine telefonische Kontaktaufnahme mit IQ 4 You fehlgeschlagen sei, wolle sie nun den Betrieb anzeigen. Der Bürgermeister sagte, es stehe ihr natürlich frei, so zu handeln. Er rief die Betroffenen auf, die Fachbehörden (Gewerbeaufsicht, Umweltamt) anzurufen und dort ihr Leid zu klagen.

Der Bürgermeister will nun mit vier Gemeinderäten den Betrieb aufsuchen und mit der Geschäftsleitung von IQ 4 You über die Lösung des Problems reden. Heim: „Wir können hier schon zusammen mit Geislingen dem Betrieb gegenüber einen Druck aufbauen, da auch Beschwerden aus Geislingen kommen.“

REAKTION: IQ 4 YOU hat zu Klagen über die Geruchsbelästigungen folgende Stellungnahme abgegeben:

„Die unangenehmen Gerüche entstehen durch einen Gärprozess in einem Neutralisationsbecken vor der Einleitung in die öffentliche Kanalisation. Trotz Beratung durch eine Fachfirma führte die technisch aufwendige und teure Installation eines Biogasfilters nicht zu dem erhofften Erfolg. Mit dem Umweltamt und dem Gewerbeaufsichtsamt hat IQ 4 YOU deshalb weitere, verschiedene Maßnahmen gegen die Geruchsbelästigung besprochen. Diese werden ab nächster Woche Schritt für Schritt durchgeführt. Wir haben großes Verständnis für das Problem der Anwohner (uns betrifft das auch selber in den Büros) und arbeiten mit Hochdruck an einer schnellen Lösung des Problems.“