Musical Gelungenes Kindermusical auf Schloss Filseck

Wie das ganze Ensemble, so überzeugte auch Hauptdarstellerin Svenja Stieler(l.), hier mit Jon Egerter als Max. Ihr Herr Bello mit Affinität zum Umlaut „ö“ erforderte hohe Konzentration. Entsprechend viel Beifall gab es denn auch für die 80 Darsteller in der Bürenhalle.
Wie das ganze Ensemble, so überzeugte auch Hauptdarstellerin Svenja Stieler(l.), hier mit Jon Egerter als Max. Ihr Herr Bello mit Affinität zum Umlaut „ö“ erforderte hohe Konzentration. Entsprechend viel Beifall gab es denn auch für die 80 Darsteller in der Bürenhalle. © Foto: Staufenpress
Wäschenbeuren / Sabine Ackermann 25.07.2018

Was bereits im Jahr 2008 als Premiere beim Sommerfestival in Anwesenheit des Kinderbuchautors Paul Maar und des Komponisten Konstantin Wecker ein Riesenerfolg war, kann ja bei der Wiederauflage nicht so falsch sein. So dachten sich die Veranstalter, als sie „Herr Bello und das blaue Wunder“ erneut ins Programm aufnahmen. Das Festival-Team rund um Gerald Buß sollte recht behalten.

Max (Jon Egerter) lebt mit seinem alleinerziehenden Vater, dem Apotheker Sternheim (Lilli Baur), und seinem Hund Bello (Pia Kirchgessner) zusammen. Ihr beschauliches Leben wird ordentlich durcheinandergewirbelt, als die neue Nachbarin Frau Lichtblau (Anissa Ben Salem) einzieht und eine alte Frau (Katharina Deiwald) Herrn Sternheim eine Flasche mit einer blauen Flüssigkeit überreicht. Allerdings, ohne ihn vor der alles verändernden Wirkung der Essenz zu warnen. „Blaue Farbe, blaues Wunder, Bello trank das Elixier, alles hat er aufgeschlabbert, das Ergebnis sieht man hier“, singt der Kinderchor, nachdem sich der Vierbeiner an dem ausgelaufenen Zaubertrank gütlich getan hat. Und jetzt wird es spannend: Wie bringt man die Verwandlung vom Hund Bello zu Herrn Bello auf die Bühne? Intelligent! Indem sich neun „Blaumänner“ zum Kreis formieren und die Metamorphose vom Vier- zum Zweibeiner verdecken, ist der Überraschungseffekt gewiss.

„Bello ist ein Mönsch, Bello ist ein Mönsch“, wiederholt das mutierte Wesen und stellt fest: „Bello hat kalt. Mönschen haben kein Fell. Nur Fell auf dem Kopf.“ Immer wieder Gelächter aus dem Publikum. Besonders als die rasante Verwandlungskomödie auf vergnügliche Art „auf den Hund“ kommt: Herr Bello läuft der Polizei in die Arme und erklärt stolz: „Herr Bello kann auch schon in die Suppenschüssel pönkeln, Herr Bello ist ein Mönsch.“

Doch damit nicht genug: Weil das Federvieh ebenfalls die blaue Flüssigkeit getrunken hat, „menschelt“ es obendrein bei den Hühnern, und als Höhepunkt buhlen Herr Sternheim sowie Herr Bello schwer verliebt um die Gunst von Frau Lichtblau.

Großer Respekt gebührt Svenja Stieler – als Herr Bello diesen nicht einfachen Sprachfehler stringent durchzuhalten, erfordert einiges an Konzentration. De facto braucht sich angesichts ihrer hervorragenden Leistung keiner der jungen Mimen zu ver­stecken. Ohne Versprecher oder Texthänger, aber dafür mit offenkundiger Spielfreude sowie einem guten Gespür für Gestik und Mimik füllen sie ihre Rollen aus. Schön gesungene Lieder zum Mitsummen im Einklang mit der bewährten vierköpfigen Band – ein weiterer Baustein des vergnüglichen Kindermusicals.

Neben den emsigen Kulissenschiebern in der Umbauphase trägt freilich das „lebendige“ Rahmenprogramm zum Gelingen bei: „Zum Schießen“ sind die drei coolen Kartenspieler im Gasthaus „Wilde Rose“ und der aufmerksame Kellner, der das Trio nun wirklich nicht verdursten ließ. „Im Osterurlaub habe ich meinen Kindern das Buch vorgelesen, 500 Seiten in einer Woche, die haben das förmlich verschlungen“, verrät Hariolf Teufel und ist voll des Lobes über die Aufführung: „Sehr schön und witzig, macht wirklich großen Spaß.“ Schon ein bisschen stolz ist der Vater auf seine siebenjährigen Zwillinge Matteo und Anna Maria, die als „Blaumann“ und beim „Kleiderrap“ ihre Premiere hatten.

Papierner Appetitanreger

Broschüre „Wollen Sie ein Programmheft?“, fragt ein freundliches Mädchen am Eingang der Bürenhalle in Wäschenbeuren. Die liebevoll gestaltete Broschüre für das Kindermusical entpuppt sich einerseits als
Appetitanreger für Paul Maars lustige Geschichte um das Wunderelixier, andererseits trägt es zur Wertschätzung für die vielen singenden und spielenden Akteure nebst vielen Helfern im Hintergrund bei. Eine gute Idee. ack

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