Kirche Gottesdienste: Gegen Friedlosigkeit der Welt

 Auch die Heilige Messe in der Kirche Ave Maria in Deggingen war gut besucht.
Auch die Heilige Messe in der Kirche Ave Maria in Deggingen war gut besucht. © Foto: Sabrina Balzer
SWP 26.12.2017
Das Weihnachtsfest lockt die Christen in die Gotteshäuser im Landkreis. Gerechtigkeit, Liebe, Friede und Hoffnung sind Schwerpunktthemen der Predigten.

Die Gottesdienste in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden  waren am Heiligabend sehr gut nachgefragt – etliche Kirchen waren überfüllt.

Dekan Rolf Ulmer ging in seiner Predigt in der Göppinger Stadtkirche auf die Verunsicherung ein, die er an der Bedrohung durch Terror und Gewalt festmachte. „Viele Menschen haben Angst. Umso eher hören sie auf diejenigen, die ganz einfache Antworten präsentieren können. Die können so einfach sein wie ‚America first‘ oder ‚Asylflut stoppen‘, erklärte der evangelische Dekan. „In einer Zeit von Unsicherheit und Angst werden Menschen leicht Opfer von Demagogen, Lügnern und Gewalttätern.“  Dekan Ulmer rief dazu auf, sich an Jesus zu orientieren, der mit seinem ganzen Leben dafür stehe, dass das Leben anders gemeint sei: „Wir Menschen sind zum Frieden berufen und zur Liebe“, meinte er und nannte als positives Beispiel die Göppinger Vesperkirche. In ihr sah er Zeichen der Hoffnung auf eine andere Welt.

Dekanin i.R. Gerlinde Hühn ging in ihrer Heiligabendpredigt in der Geislinger Stadtkirche darauf ein, dass der christliche Glaube mit der Wirklichkeit der Welt im Streit liege. Gottes Friede stehe gegen die Friedlosigkeit der Welt, sagte sie. Deshalb bleibe es wichtig, mit allen Staaten zu reden, auch wenn sie uns zuwider wären. Diplomatie liege näher beim Stroh als Machtgehabe, das den Weltfrieden gefährde. Und das Stroh stehe dafür, dass Gott ganz unten zu finden sei. „Weihnachten zeigt, Gott ist mit uns in allen Facetten des Lebens und im Tod“, betonte der  katholische Pfarrer Markus Rometsch in Göppingen. Daraus schöpfe der Gläubige die Kraft, nicht zu verzagen und aufzugeben, sondern mitzuhelfen, dem Reich Gottes auf Erden näher zu kommen. Kathinka Kaden, Pfarrerin in Donzdorf, verwies auf die Anknüpfungspunkte, die Matthäus inspiriert haben mögen: „Der König hört nicht auf den Propheten, und Gottes Zeichen will er gar nicht sehen.“ Auch zu Jesu Geschichte gehöre es, dass er als Zeichen Gottes nicht gesehen wird, jedenfalls nicht von den Mächtigen.

Das Leben Jesu zeige, ausgehend von der Krippe, dass die Menschwerdung Gottes zu Konsequenzen für jeden Gläubigen führen müsse, legte der katholische Pfarrer Sven Jast in Faurndau seiner Gemeinde dar. Und der evangelische Pfarrer Georg Braunmüller nahm in Unterböhringen die Frage aus dem Krippenspiel auf, was wir heute tun würden, wenn abends ein junges Paar, sie hochschwanger, an unserer Haustüre klingelte?

Von der Stille der Vorweihnachtzeit sprach der katholische Diakon Jürgen Zeller in Geislingen. Mensch sein im Angesicht der Menschwerdung Gottes, dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Predigten an Weihnachten. Andreas Ehrlich, Pfarrer in Deggingen, nahm den Gedanken von Diakon Zeller auf. Er zitierte Pater Alfred Delp, der in der Begegnung der Menschen mit Gott in der Krippe die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit sieht.