Ebersbach Geduldsspiel Wohnungssuche

Der rote Containerblock ist einer von mehreren Einheiten für die Anschlussunterbringung in Ebersbach. Dahinter ist eine Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises zu sehen sowie am Ende der Straße ein gelbes Gebäude für Obdachlose.
Der rote Containerblock ist einer von mehreren Einheiten für die Anschlussunterbringung in Ebersbach. Dahinter ist eine Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises zu sehen sowie am Ende der Straße ein gelbes Gebäude für Obdachlose. © Foto: TOBIAS FLEGEL
Ebersbach / TOBIAS FLEGEL 05.09.2018
Wegen des dürftigen Angebots an erschwinglichen Wohnungen brauchen Flüchtlinge einen langen Atem bei der Suche.

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich in Ebersbach zu einem drängenden Problem bei der Unterbringung von anerkannten oder geduldeten Flüchtlingen entwickelt. „Von 2016 bis Mitte 2017 ging viel“, berichtet Andrea Schiller. Der Flüchtlingskoordinatorin zufolge konnten ehrenamtliche und hauptberufliche Helfer in diesen anderthalb Jahren mehrere Wohnungen für Asylbewerber mit einer Bleibeperspektive finden. „Jetzt ist das Potenzial erschöpft“, sagt Schiller.

Ganz oben auf ihrer Liste ausländischer Wohnungssuchender steht eine junge Familie aus dem Irak. Die 20-jährige Avin Blasiny und ihr 25 Jahre alter Mann Barzan Khudur leben mit ihrem neun Monate alten Sohn in einem der Wohncontainer in der Daimerstaße. Die dreiköpfige Familie teilt sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss des Blocks mit Avins 17-jährigem Bruder Haval und der 12-jährigen Schwester Wasan. Für die beiden Geschwister ist Avin als Älteste die Erziehungsberechtigte, erklärt die Flüchtlingskoordinatorin. „Es ist nicht so einfach, mit fünf Personen bei einem schwäbischen Vermieter eine Wohnung zu finden“, sagt Schiller.

Diese Erfahrung hat Avin schon gemacht bei ihrer Suche nach einer größeren Wohnung. Die junge Frau hatte mit ihrem jüngsten Versuch, auf einem Portal im Internet eine Bleibe zu bekommen, kein Glück. „Das hat nicht geklappt“, sagt sie. Den Rückschlag scheint Avin sportlich zu nehmen.

Abgesehen von diesem Rückschlag hat bei der 20-Jährigen, ihrem Mann und den Geschwistern in den vergangenen Monaten recht viel geklappt. Avin spricht fast fließend Deutsch, und ihr Mann Barzan hat einen Job bei einer Hähnchenbraterei in Eislingen gefunden. Für Haval läuft es doppelt gut: Im vergangenen Schuljahr hat er sich von einer Fünf in Mathe auf eine Zwei verbessert. Außerdem hat er die Zusage für einen Nebenjob in einem Supermarkt bekommen. Nach seinem Schulabschluss will der 17-Jährige eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen. Von seinen Plänen berichtet Haval in dem Zimmer, das er sich mit seiner Schwester teilt.

Ein wenig mehr Platz zum Wohnen wäre auch Avins Nachbarin recht. „Etwas eng ist es“, sagt Nadiya Yousif. Die 26-Jährige Jesidin aus dem Irak und ihr Mann haben vor vier Wochen ihr zweites Kind bekommen. Sie gehören zur Generation der ersten Bewohner des Containerdorfs in der Daimlerstraße, in das sie und andere ausländische Familien im September vergangenen Jahres eingezogen sind.

Nicht nur in der Anschlussunterbringung geht es mitunter eng zu. Andrea Schiller berichtet von einem Arzt, bei dem plötzlich seine Frau und drei Kinder in die Ein-Zimmer-Wohnung zogen. Vor ihrer Ankunft in Ebersbach lebten die vier in einer Flüchtlingslager im Libanon und warteten auf das OK, dem Ehemann und Vater nach Deutschland folgen zu dürfen. Im September kann die Familie aus der Ein-Zimmerwohnung in eine Drei-Zimmer-Wohnung der Stadt ziehen.

Die Erlaubnis für den Nachzug hat auch die Familie eines 38-jährigen Syrers aus Aleppo bekommen, der in einer Wohngemeinschaft in Sulpach untergekommen ist. Nach Angaben der Flüchtlingskoordinatorin werden vier Angehörige des Mannes in etwa vier Wochen erwartet.

Etwas Luft dürfte die Stadt nach der Fertigstellung eines Doppelhauses im Dachsweg bekommen. Das Gebäude besteht aus vier Wohnungen, die jeweils für bis zu vier Bewohner gedacht sind. Als künftige Mieter kommen nicht nur anerkannte oder geduldete Flüchtlinge infrage, sondern auch Einheimische mit einem geringen Einkommen.

In der aktuell angespannten Lage verspricht der Neubau aber im Dachsweg keine Entlastung, da es bis zur Fertigstellung noch einige Zeit dauert. Um eine erschwingliche Mietwohnung zu ergattern, brauchen Einheimische und Flüchtlinge wohl weiterhin einen langen Atem.

Großteil wohnt in Privatwohnungen

Unterbringung In
Ebersbach wohnten Ende August 235 geflüchtete Menschen.

Minderjährige Von
diesen 235 waren laut Flüchtlingskoordinatorin Andrea Schiller 82 unter 18 Jahre alt.

Unterbringung 201 Flüchtlinge in Ebersbach wohnen in Anschlussunterbringung. Ihr Asylverfahren ist in der Regel abgeschlossen oder sie sind mehr als zwei Jahre in Deutschland. 70 dieser Geflüchteten wohnen in städtischen Unterkünften oder in Wohnungen, die Ebersbach angemietet hat. Das Containerdorf in der Daimlerstraße zählte Ende August 44 Bewohner. 131 der 201 anerkannten oder geduldeten Flüchtlinge wohnen in Privatwohnungen.

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