Auendorf/Gruibingen Gedenkstein erinnert an sinnlosen Tod zweier Jugendlicher

Babette Mann (Zweite von rechts) mit Angehörigen und Bekannten am Gedenkstein für ihren 1945 gefallenen Bruder Walter und dessen Kameraden. Seit 70 Jahren besucht die Auendorferin regelmäßig die Gedenkstätte bei Hößlinswart.
Babette Mann (Zweite von rechts) mit Angehörigen und Bekannten am Gedenkstein für ihren 1945 gefallenen Bruder Walter und dessen Kameraden. Seit 70 Jahren besucht die Auendorferin regelmäßig die Gedenkstätte bei Hößlinswart.
Auendorf/Gruibingen / DIETHARD FOHR RALF HEISELE 29.11.2014
Zwei 17-Jährige aus Gruibingen und Auendorf sind kurz vor Kriegsende bei Berglen ums Leben gekommen. Bis heute erinnert ein Gedenkstein an ihren sinnlosen Tod - erst jüngst waren wieder Angehörige dort.

Am Totensonntag hat sich Babette Mann (geborene Hauser) aus Auendorf mit ihren Kindern Walter und Gitta wieder auf den Weg nach Berglen im Rems-Murr-Kreis gemacht. Seit fast 70 Jahren besucht die heute 85-Jährige dort regelmäßig einen Gedenkstein an der Straße nach Hößlinswart - an jener Stelle sind am 20. April 1945 ihr 17-jähriger Bruder Walter Hauser und der gleichaltrige Hermann Moll aus Gruibingen gefallen. Noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden beide zur Wehrmacht einberufen, in Ulm schnell ausgebildet und dann an die Front geworfen.

Im kleinen Bauernhof der Familie Hauser in Auendorf an der damaligen Hauptstraße ahnte man an jenem 20. April noch nichts von dem Tod des Sohnes. Einen Tag später wurde der Ort selber von den Amerikanern eingenommen. Babette Hauser versteckte sich mit einer Freundin im Holzschuppen, weil das Dorf mit der Artillerie beschossen wurde. Erst später erhielt die Familie die schreckliche Nachricht von Walters Tod - und zwar von einem Gruibinger, der in derselben Einheit gedient hatte.

Wie sich Babette Mann erinnert, konnten sie und ihre Eltern es zuerst nicht glauben: Ihr Vater fuhr jeden Sonntag mit dem Fahrrad alle Krankenhäuser in der Umgebung ab. Vergeblich. Nach einiger Zeit machte sich die Familie dann auf nach Hößlinswart und fand am Waldrand einige Holzkreuze. Wie man später erfuhr, wollten die beiden 17-Jährigen hinter einigen Buchen in Deckung gehen, als sie von einem Artilleriegeschoss getroffen wurden. Da der Bürgermeister des Ortes die Erkennungsmarken der toten Soldaten nicht abgebrochen, sondern ganz abgenommen hatte, konnte man die Gefallenen nicht mehr identifizieren. "Wir vermuten, dass sie in Ulm auf einem großen Friedhof mit vielen unbekannten Soldaten begraben sind", sagt Babette Mann, die immer noch an ihren Bruder Walter denkt: In ihrem Wohnzimmer hängt ein Bild von ihm und auch seinen Konfirmandenanzug hat sie über 70 Jahre aufbewahrt. Für die Auendorferin ist es "tragisch und überflüssig, dass in den letzten Kriegstagen noch so viele Menschen geopfert wurden".

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Familien Hauser und Moll, einen Gedenkstein für ihre gefallenen Söhne aufzustellen. Zuerst stand er weiter unten am Wald. Mit dem Neubau der Straße von Berglen nach Hößlinswart wurde der Stein an seine heutige Stelle versetzt. In diesem Jahr wurde der Gedenkstein neu beschriftet, vom Bauhof Berglen wurden neue Platten zur Umrandung verlegt und von einem Ehepaar aus Hößlinswart bepflanzt und mit einem Bukett geschmückt.
 



Info Am Montag, 20. April 2015, wird der Heimat- und Museumsverein Berglen eine Wanderung "Auf den Spuren der Erinnerung" anbieten. Um 11 Uhr wird es eine Gedenkfeier unter Mitwirkung des Bürgermeisters und des Pfarrers Kettling am Gedenkstein geben. Auch zahlreiche Familienangehörige der beiden jungen Opfer wollen kommen.