Feier Geburtstagsparty in der Senioren-WG

Krummwälden / Maximilian Haller 07.07.2018

In Krummwälden, umgeben von Bauernhöfen und dem plätschernden Wasser der Krumm, gibt es zwei Wohngemeinschaften. An sich nichts Ungewöhnliches, nur dass der Altersdurchschnitt in diesen WGs bei etwa 80 Jahren liegt. 17 Senioren leben hier zusammen und meistern gemeinsam die Aufgaben des Alltags. Am Donnerstag feierte die Wohngemeinschaft gleich drei Geburtstage: Auf insgesamt 253 Jahre bringen es die „Geburtstagskinder“.

Die Idee zu dem Seniorenprojekt hatte Elke Kaiser-Reher. Die Krummwäldenerin wohnt in einem Mehrgenerationenhaus, nur einen Steinwurf von der Senioren-WG entfernt. Gebaut hat sie das Mehrgenerationenhaus ursprünglich für ihre Schwiegermutter, die im Alter nicht in ein Altenheim wollte. Als diese dann starb, bevor das Haus richtig fertig war, lernte Kaiser-Reher Anita Barz kennen, eine gute Freundin von Kaiser-Rehers Schwiegermutter. Barz hatte ebenfalls keine Lust, ihren Lebensabend in einem Heim zu verbringen. Zusammen gründeten die beiden Frauen dann die Wohngemeinschaft für Senioren.

Jeweils bis zu acht Menschen leben in den zwei Gebäuden. „Naturfreunde“ heißt das eine, „Katzenfreunde“ das andere. Letzteres macht seinem Namen alle Ehre: Zwei der insgesamt acht WG-Katzen liegen im Eingangsbereich und genießen eine kurze Sonnenphase an diesem verregneten Tag. Überhaupt gibt es im WG-Leben der Senioren viele Tiere. „Die Leute müssen beschäftigt werden“, sagt Kaiser-Reher. Deshalb unternehme sie mit den Bewohnern oft Ausflüge zu den Hühnern, Pferden und Eseln in der Gegend.

„Bei der Wohngemeinschaft handelt es sich nicht um betreutes Wohnen“, betont Kaiser-Reher. Es sei viel eher wie in einer Großfamilie. Die Bewohner sind füreinander da, bewältigen den Alltag gemeinsam und gestalten auch ihre Freizeit zusammen. Dennoch gibt es auch Angestellte im Haus, die den Senioren helfen. Zu den 22 Mitarbeitern in der Senioren-WG gehören zwei Köchinnen, eine Putzfrau, Alltagsbegleiter, Pflege- und Hilfskräfte sowie eine Pflegedienstleitung. Auch ein Hausmeister steht der Wohngemeinschaft zur Verfügung.

Kaiser-Reher sucht laufend Personal für die WG. „Wir haben aber auch unsere Ansprüche“, sagt das Koordinierungsmitglied, „man muss einiges können und auch sehr flexibel sein.“ So könne es beispielsweise vorkommen, dass eine Mitarbeiterin eine Bewohnerin auch mal auf die Toilette begleiten müsse, wenn sonst grade niemand da ist.

Persönlicher als ein Heim

Die Aufgaben des täglichen Lebens meistern Bewohner und Angestellte gemeinsam. In der Küche wird zusammen gekocht, und auch beim Bügeln bringen sich die Senioren ein. In der Vorratskammer stapeln sich rund 150 Gläser mit eingemachter Marmelade – auch daran waren die Senioren beteiligt.

Elke Kaiser Reher schätzt dieses Beisammensein in einer kleinen Gruppe: „Wir sind kleiner und viel individueller als ein Heim. Das mögen auch die Angehörigen.“ Diese seien allerdings auch stärker in das Leben der WG-Senioren eingebunden. „Selbstverantwortete Wohngemeinschaft“ nenne sich diese Art der Wohnform, wie Kaiser-Reher erzählt.

Die Warteliste für einen Platz in der Wohngemeinschaft ist lang. In Sitzungen entscheiden die Senioren selbst, wen sie als Mitbewohner haben wollen. Die Chemie muss stimmen. Wer einen Platz bekommt, der hat ein eigenes Zimmer mit Bad zur Verfügung. Gemeinschaftszimmer teilen sich die Bewohner, aber es gebe auch verschiedene Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner, erklärt Kaiser-Reher. Die WG bekommt noch in diesem Jahr neue Räume: Die Scheune hinter den Gebäuden soll hinzukommen. Dort entstehen unter anderem Therapieräume für die Bewohner. Ab August soll die Wohngemeinschaft zudem einen Therapiehund bekommen.

Kutschfahrt zum Geburtstag

Am Donnerstag feierten die Senioren gleich dreimal Geburtstag. Insgesamt 253 Jahre alt wurden die „Geburtstagskinder“, zu denen auch WG-Gründerin Anita Barz gehört, die 92 wird. Gefeiert wurde dieser besondere Anlass mit einem Ständchen des örtlichen Posaunenchors und einer Party, zu der auch die Angehörigen der 17 WG-Bewohner eingeladen waren. Ein Unternehmer aus der Region war von dem Senioren-Projekt so begeistert, dass er den Senioren eine Pferdekutsche zum Geburtstag geschenkt hat. Diese wurde am Donnerstag mit einer Fahrt in den Wald Richtung Hohenstaufen eingeweiht. Auch Elke Kaiser-Reher, die sich selbst als „Pferdefan“ bezeichnet, freute sich über die Kutsche.

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